Wild gelocht und rund geformt

In München entstand das moderne Praxiszentrum Ost. Die Fassade mit zum Teil gebogenen und in wildem Muster gelochten Steckfalzpaneelen von Klempnermeister Mike Fleischer ist heute der neue Eyecatcher im Stadtteil Trudering.

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Für die Herstellung hochwertiger Klempnerfassaden wie bei diesem Praxiszentrum-Ost, ist die exakte Planung aller Arbeitsprozesse von entscheidender Bedeutung. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Ein Bio-Supermarkt, sowie verschiedene Arztpraxen und Büros haben im neuen Praxiszentrum München-Ost auf insgesamt 3.030 Quadratmeter Nutzfläche eine neue Heimat gefunden. Anfang Mai 2014 begann die Geiger Schlüsselfertigbau GmbH & Co. KG als Bauherr mit dem Rohbau auf dem 2.370 Quadratmeter großen Grundstück – heute wechselt bereits Bio-Ware den Besitzer und Patienten lassen sich in neuen und modernen Arztpraxen behandeln. Eine Tiefgarage mit 39 Stellplätzen sowie zehn Außenstellplätze ermöglichen den Besuchern einen problemlosen Zugang. Die drei Obergeschosse mit Praxis- und Büroflächen wurden nach individuellen Wünschen ausgebaut und vermietet.

Die markante Gebäude-Architektur des Beton-Massivbaus zeichnet sich neben begrünten Flachdächern durch ihre auffällige Fassade aus. So vermitteln die kupferfarbenen und gelochten Alu-Steckfalzpaneele ein beeindruckendes und hochwertiges Gesamtbild. Die außergewöhnliche Optik wird durch eine Pfosten-Riegel-Fassade des Bio-Marktes im Erdgeschoss noch ergänzt.

Aufträge entwickeln

Steckfalzfassade? Hört sich einfach an, war sie aber nicht. Drei Jahre Projektentwicklung waren nötig, bis die Firma Fleischer aus Neuhaus am Rennweg den Auftrag erhielt. Am Anfang stand die Idee des Bauherrn, eine außergewöhnliche Fassadenbekleidung in einem besonderen Farbton zu gestalten. Zudem sollte ein Lochmuster das besondere Etwas der Außenfassade darstellen. In der Bemusterungsphase präsentierte Klempnermeister Mike Fleischer zunächst das geplante Trapezblech in einem Messingfarbton mit Lochung. Die ursprüngliche Gestaltungsidee wurde jedoch schnell verworfen. Erstens stieß der Industrie-Look nicht auf Gegenliebe, zweitens war eine gewünschte Befestigung ohne sichtbare Befestigungsmittel mit dem Trapezblech nicht möglich. Zudem stellte sich ­heraus, dass bei den Trapezblechplatten beim Rollformen aufgrund der vorgestanzten Löcher Verformungen entstanden; trotz vertikaler Anordnung beim horizontalen Zwangsrunden der Profiltafeln bildeten sich Risse.

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Die kreative Idee eines horizontalen kupferfarbenen Steckfalzpaneels mit „Streulochung“ fand die Zustimmung des Bauherrn und führte zur Auftragserteilung. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Letztendlich entsprach auch der Farbton nicht den Vorstellungen der Bauherrschaft, die etwas mehr Kupferglanz wünschten. Mit dem wenig zufriedenstellenden Ergebnis der Präsentation machte sich der Fassadenspezialist an die Arbeit und entwickelte eine neue und individuelle handwerkliche Lösung.

Erst lochen, dann denken

Wenn es um Architektur geht, sind Planer bei Mike Fleischer an der richtigen Adresse. Mittlerweile umfassen rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit die Projektberatung, in der er die kniffligen Fragen der Architekten beantwortet. In diesem Fall entwickelte er seine Idee eines horizontalen Steckfalzpaneels weiter, das schon im System mehrere Vorgaben des Bauherrn erfüllte:

  1. eine nicht sichtbare Befestigung,
  2. eine hochwertige, flächenbündige Oberflächenstruktur,
  3. die Möglichkeit einer präzisen maschinellen Bombierung im Bereich der Gebäuderundung,
  4. ein frei wählbares Lochmuster außerhalb der Steckfalzver­bindungen (Besäumung),
  5. eine frei wählbare Farbgebung.

Während sich der Meister mit dem Farbton beschäftigte, entwarf die Architektin am PC ein Lochbild, das später auf die Tafeln übertragen werden sollte. „Streulochung“ war das einzige Stichwort, das visualisiert werden musste.

Klaus Siepenkort

Lesen Sie den gesamten Artikel im klempner magazin 07.15

Letzte Aktualisierung: 16.10.2015