Quelle: Rachel Jackson / GML Heritage (Quelle: Rachel Jackson / GML Heritage)
Quelle: Rachel Jackson / GML Heritage

Technik

13. December 2021 | Teilen auf:

Schadensfall: 15 Minuten Hagel = 17 Tonnen Kupfer

Der Shine Dome in Canberra ist mit 47 Metern Durchmesser nicht nur die größte Kuppel Australiens, sondern auch größer als viele Kuppeln in der Welt. Bei der erforderlichen Dachsanierung nach einem Unwetter ergaben sich am Kuppelbau nicht nur handwerkliche, sondern auch komplexe logistische Herausforderungen

Der Shine Dome wurde 1959 errichtet und gilt mit seiner außergewöhnlichen futuristischen kuppelförmigen Architektur als Wahrzeichen der australischen Stadt Canberra. Es ist der Akademie der Wissenschaften angegliedert und wird für verschiedenste Veranstaltungen genutzt. Im Hauptauditorium können bis zu 240 Personen an Vorlesungen teilnehmen, während in angrenzenden Räumen kleinere Besprechungen, formelle Mahlzeiten eingenommen und Ausstellungen stattfinden können. Durch die kuppelförmige Außenhülle und wirkt der Baukörper wie ein Ufo. Besonderheit des Bauwerks ist die frei überspannte Kuppel mit seiner komplizierten statischen Tragstruktur aus Beton, die eine für ihre Zwecke außergewöhnlich vorteilhafte Akustik bietet. Der Sockel mit seinen bogenförmige Öffnungen münden in einen künstlichen angelegten Wassergraben. Der kürzlich renovierte Shine Dome ist mit der neuesten Technologie ausgestattet und nur einen kurzen Spaziergang von Hotels, Sehenswürdigkeiten und Geschäften der Stadt entfernt.

Quelle: Australian Academy of Science

Am 20 Januar 2020 wurde Canberra von einem schweren Hagelsturm getroffen. Hagelkörner, so groß wie ein Golfball zerstörten in nur 15 Minuten eine Vielzahl an Dächern und Fahrzeugen. Auch das Dach des Shine Domes mit einer Deckung aus Kupfer wurde dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen und sämtliche Oberlichter zerstört.

https://www.abc.net.au/news/2020-01-20/hail-storm-in-canberra-damages-cars-smashes-windows/11882472

Quelle: Australian Academy of Science

Der Spengler-Fachbetrieb Architectural Roofing and Wall Cladding (ARC) wurde zur Schadensregulierung beauftragt. Bei der Schadensaufnahme wurden schnell deutlich, dass es sich nicht nur um einen besonderen Baukörper, sondern auch um einen ebenso außergewöhnlichen Sanierungsfall handelt wird. Bei Schadensuntersuchung wurde festgestellt, dass auf die Formbeton-Tragstruktur eine etwa 30 mm dicke, zementgebundene Schicht Vermiculit aufgebracht wurde. Es handelt sich hierbei um ein Silikat, das zu den Tonmineralen zählt. Das unter Hitzeeinwirkung aufgeblähte Vulkangestein ist unbrennbar wurde damals aus Gründen des Brandschutzes eingesetzt. Die vorhandene und durch Hagelschlag deformierte Kupferdeckung war direkt auf dieser Schutz- und Ausgleichsschicht verlegt. „Die vorhandenen Kupferdeckung einfach gegen eine Neue auszutauschen musste nach eingehender Prüfung des Traggrundes schnell verworfen werden. Tests ergaben, dass das verbaute Vermiculat porös war und keinerlei Halt für Befestigungselemente bot. Ein Abriss hätte das Gebäude schutzlos dem Wetter ausgeliefert, ein Gerüst mit Notdach hätte enorme Kosten verursacht“, berichtet Volker Raedel, Projektmanager bei ARC

Wie der Spengler-Fachbetrieb den Sanierungsfall unter Denkmalschutzbedingungen und logistischen Herausforderungen meisterte, erfahren Sie im Detail in KlempnerMagazin Ausgabe 1/2022.

zuletzt editiert am 12.01.2022