Sonderkonstruktionen: Schadlos dehnen, sicher entwässern

Mit der beeindruckenden Zimmermannskonstruktion und seiner geschwungenen Titanzinkdeckung zeigt sich das Dach eines besonderen Firmengebäudes in Ibach (CH) als Teil der modernen Architektur. Etwas Besonderes für die Schweizer Spengler waren überlange Schare von mehr als 22 Meter sowie die komplexe Dachentwässerung.

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Die Schare sind also überall gleich breit, aber durch die spezielle Haubengeometrie und die Schwünge im Dach auf den insgesamt rund 20 Teilflächen sehr unterschiedlich lang. Fotos: Reinzink

Die Max Felchlin AG vertreibt ihre Schokolade vorwiegend an Konditoreien oder spezialisierte Chocolatiers. Mit ihrem neuen Firmensitz hat der Hersteller seine bisher verteilten Standorte in Ibach bei Schwyz konzentriert. Im rechten Winkel und mit bewusstem Abstand zu den bereits vorhandenen Produktionsgebäuden entstand das neue Verwaltungsgebäude bis zum dritten Obergeschoss als Stahlbeton-Skelettbau mit einer Holzelement-Fassade aus dunklem Fichten- bzw. Tannenholz. Das darüber liegende vierte Geschoss ist eine Holzkonstruktion, die wie ein großer Wolkenbügel die Produktion und die Verwaltung miteinander verbindet und deutlich über die Gebäudefluchten auskragt.
Jede der drei Hauben wird von einem sichtbar bleibenden, sogenannten Sprengwerk gebildet, das große, stützenfreien Räume entstehen lässt. Wo immer möglich wurde der Holzbau mit vorgefertigten gedämmte Holzrahmen von insgesamt 30 cm Höhe ausgeführ. Darüber befinden sich das Unterdach mit an jeder Stelle mindestens 10 cm Hinterlüftung, in die Unterdachbahn eingeschweißte Konterlatten sowie die abschließende Schalung aus Profilbrettern, die den Verlegeuntergrund für die Titanzinkdeckung bildeten.

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Im unteren Bereich laufen die mit Falzdichtungsband verlegten Schare auf eine Neigung von nur 5 % aus und entwässern in eine verdeckt liegende Kastenrinne mit beeindruckenden 750 mm Breite

Geschwungenen Gratlinien

Die Spengler- und Bedachungsarbeiten führte eine aus drei Betrieben der Region bestehende Arge aus. Die Unternehmen Annen+Schibig AG aus Ibach, Bless AG aus Erstfeld sowie Paul Gisler AG aus Cham arbeiteten aufgrund der Größe und Komplexität des Vorhabens gemeinsam an diesem Projekt. Zusätzlich wurde mit Benno Lees aus Altikon ein Spenglerfachplaner engagiert. Auf einer selbstklebenden, als Bauzeitabdichtung dienenden Schalungsbahn und der Strukturmatte AIR-Z verlegten die Spengler Scharen aus blaugrau vorbewittertem Titanzink mit 530 mm Systembreite in Doppelstehfalztechnik. Die Schare sind also überall gleich breit, aber durch die spezielle Haubengeometrie und die Schwünge im Dach auf den insgesamt rund 20 Teilflächen sehr unterschiedlich lang. „Die längste Schar misst 22,33 m, sodass wir Langschiebehafte verwenden mussten und die Fixpunkte eher in die Mitte gelegt haben“, erklärt Spenglerfachplaner Benno Lees. Im unteren Bereich laufen die mit Falzdichtungsband verlegten Schare auf eine Neigung von nur 5 % aus und entwässern in eine verdeckt liegende Kastenrinne mit beeindruckenden 750 mm Breite, sodass ausreichend Raum für die Ausdehnung zur Verfügung steht. Ebenso ist es am oberen Ende, wo die Scharen unter optisch sehr prägnante Gratkappen laufen. Als Unterkonstruktion für die Gratelemente dienen verzinkte und lackierte Stahlbleche, die durch ihre spezielle Formgebung keinen flächigen Kontakt zum Titanzink aufweisen und eine optimale Entlüftung sicherstellen.


Neben ihrer technischen Funktion sind die Grate auf dem Dach des Condiramas auch ein wichtiger Teil der architektonischen Idee. Denn sie betonen die Linien, die mit eleganten Krümmungen auf die Spitzen der drei Hauben zulaufen und gemeinsam mit den geschwungenen Hauptdachflächen die Erinnerung an japanische Tempeldächer wachrufen.

In unserem ausführlichen Bericht erfahren Sie in der KlempnerMagazin Ausgabe 2/2021 alle Details zur Metalldeckung und einem komplexen Dachentwässerungskonzept.

Fotos: RHEINZINK

Letzte Aktualisierung: 12.01.2021