Schneelasten managen

In den Schweizer Alpen fordern extreme Witterungsbedingungen die ARGE Spengler bei ihren Metallarbeiten heraus: an der Seilbahnstation Säntis waren besondere Maßnahmen nötig, um Schneemengen und Schmelzwasserprobleme in den Griff zu bekommen.

Säntis Arge
Trotz extremer Witterungsbedingungen waren die Metallarbeiten am Säntis für alle Beteiligten ein tolles Projekt. Hierfür sorgten spenglertechnisch spannende Arbeiten und eine atemberaubende Aussicht. Alle Fotos und Zeichnungen: ARGE Spengler Schwägalp

Das neue Säntis Hotel präsentiert sich nach innen und nach außen in einer dezenten, modernen und zugleich zeitlosen Architektur, die sich ideal in die Natur einfügt. Der Neubau schmiegt sich mit seiner Rückseite harmonisch an den hügeligen Weidwald. In seiner Frontfassade spiegeln sich das Alpgelände und der Säntis, mit 2.500 m höchster Berg im Alpsteingebirge der Ostschweiz. Bei der Wahl der Materialien – Lärchenholz für die Hochbaufassade, Eiche für Türen, Fenster, Parkettböden und Möbel – wurde spezifisch auf die Verwendung einheimischer Holzarten geachtet. So interpretiert das Bauwerk auf moderne Weise Tradition und Brauchtum des Appenzeller Landes. Dies zeigt sich auch durch die Verwendung von geschreddertem Schwägalpstein für die Mischung eines speziellen Sichtbetons und mit der Ausführung der Blecharbeiten für das flach geneigte Giebeldach. Den Aspekt der Nachhaltigkeit brachten die Planer mit der Energiegewinnung über die Entnahme und Rückspeisung der Erdwärme ein sowie mit der Auswahl des Deckungswerkstoffes aus 0,5 mm dickem Chrom-Nickelstahlblech des Fabrikats Roofinox Pearls mit einer seidenmatten Oberfläche – diese bietet in dem rauen alpinen Klima für viele Jahrzehnte sicheren Wetterschutz.

Schutz mit Unterdach

Die spezielle Architektur des Hoteldaches mit diagonal verlaufendem First stellte die Spengler-Crew der ARGE Schwägalp vor einige Herausforderungen. So entwickelten die beteiligten Spenglermeister Christian Zeuch (Zeuch AG), Thomas Rütsche (Waga Spenglertechnik AG) und Peter Diener (Diener Bedachungen und Spenglerei) vor dem Baustart zunächst alle komplizierten und sicherheitsrelevanten Konstruktionsdetails. Hierzu zählten unter anderem der Dachaufbau mit den für die alpinen Anforderungen erforderlichen Funktionsschichten, die Ausführung der Firstentlüftungen und innenliegenden Rinnen oder die Einbindung der haustechnischen Anlagen in die Dachflächen.
Der Dachaufbau ist aufgrund der großen Schneemengen und Vereisungen, die beim Abtauen zu Stauwasser führen können, mit einem wasserdichten Unterdach ausgeführt. Somit werden an überfluteten Falzen die geringen Mengen kapillar eindringenden Niederschlagswassers schadlos in die Entwässerungsrinnen abgleitet.

Herausragende Lüftungen

Da die Firstausbildungen den Druck- und Schublasten der zeitweise enormen Schneemengen standhalten müssen, konstruierten die Spenglermeister hierfür eine sehr flache und stabile Ausführung. So erhielten die beidseitig auf Holzknaggen verschraubten Haftbleche zusätzliche Kantungen und Umschläge, um die Steifigkeit der Profile und der Firstabdeckung zu erhöhen. Die Firste enden etwa einen Meter vor den Dachrändern und sind bis auf Stehfalzhöhe abgesenkt, was sich auch optisch positiv auf die sehr aufgeräumt wirkende Dachlandschaft auswirkt. Aus dehnungstechnischen Gründen und für die Befestigung von Seilsicherungen sind im Abstand von etwa vier Metern Ausdehnungsleisten angeordnet. Drei kubische Aufbauten für Gebäude- und Liftentlüftung sowie verschiedene Lüftungsrohre mussten in das Dach integriert und zum Teil mit komplizierten versenkten Rinnen an die Hauptentwässerungsrinnen angeschlossen werden. Die Seilsicherungen sind in den Dehnungsleisten verankert und geben den Aufbauten die erforderliche Standsicherheit bei Schneemengen, die in Bewegung geraten.

Säntis Arge Lüftungen
Die alpinen Anforderungen stellte die ARGE Schwägalp vor einige Herausforderungen. Vor dem Baustart entwickelten die Spenglermeister alle komplizierten und sicherheitsrelevanten Konstruktionsdetails, vom Dachaufbau bis zum Schneefang.

Sicher entwässert, verdeckt entlüftet

Die Dachrinnen sind treppenförmig angeordnet und bieten ein ideales Ablaufverhalten, da ein Anstauen des Wassers bei starkem Regen verhindert wird. Die Abdichtung des Unterdaches ist mit der Dachrinne wasserdicht verklebt bzw. verschweißt; als Dehnungselemente kamen deshalb sogenannte Einkopf-Dilatationen mit Neopreneinlage zum Einsatz. Zum Schutz vor Beschädigungen und UV-Belastung sind die Neopreneinlagen mit Blechen abgedeckt. Die thermisch gesteuerte Rinnenheizung und elf trichterförmige Ablaufstutzen sorgen für die optimale Entwässerung des Daches bei jeder Witterung.

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Arge Säntis/ VDSS Fachartikel

Letzte Aktualisierung: 12.03.2019