Split-Level Haus mit Lochfassade

Geht nicht, gibt´s nicht. Dies ist das Motto von Mike Fleischer aus Neuhaus am Rennsteig. Doch dieses Einfamilienhaus, das so einfach aussieht, enthielt Details, die erst in der Bauphase für Kopfzerbrechen sorgten und den Klempnermeister herausforderten.

Fischer Lochmuster Fassade
Das Lochmuster der Fassadenbekleidung soll die Umrisse des alten Baumbestandes darstellen, der für den Hausbau auf dem Grundstück entfernt werden musste. Foto: Ralf Dieter Bischoff

Klare Strukturen, rechteckig im Grundriss, alles easy? Nein, denn dieses Einfamilienhaus hielt für alle beteiligten Gewerke besondere Herausforderungen bereit, die Architekten eingeschlossen. Das kompakte Haus mit einer Tragstruktur aus Beton teilt sich in ein offen gestaltetes Erdgeschoss und ein privates Obergeschoss. Der Wohnbereich öffnet sich mit jeweils zwei bis drei Fensterseiten zu den Außenbereichen. Diese bleiben hinter einer architektonisch gestalteten Kupferfassade zurück und bilden einen sanften Übergang zu den Terrassen und den begrünten Außenanlagen mit Fischteich.

Herausforderung Split-Level

Anders als bei der typischen Bauweise mit Stockwerken und raumforderndem Treppenhaus werden in Split-Level-Häuser Ebenen mit den jeweiligen Wohnbereichen angeordnet, wie Schlafen, Wohnen, Essen, Hauswirtschaft oder Technik. Vereinfacht dargestellt wird das Haus hierbei vertikal durchtrennt und um ein halbes Stockwerk versetzt wieder verbunden. Die jeweiligen Wohnbereiche werden über Treppenstufen erschlossen. Vorteil dieser Bauweise ist beispielsweise die Einsparung eines raumeinnehmenden Treppenhauses, woraus sich eine bessere Wohnraumausnutzung ergibt. Auch die gute Anpassung an Geländesituationen zählt dazu, beispielsweise an ansteigendes Gelände wie bei diesem Projekt.Je nach Architektur ergeben sich besondere Herausforderungen bei Innenraumplanung und Bauausführung. Dies war insbesondere bei der Herstellung der Tragstruktur des Gebäudes aus Beton der Fall. Speziell bei diesem Objekt war auch die statische Absicherung der optisch frei schwebenden Stahlbetonträger am oberen und unteren Fassadenabschluss oberhalb der Terrasse: Die Last des oberen Trägern wird mittels Stahlstütze in den unteren Träger eingeleitet, die Gesamtlast wird mit einer Diagonale in der Außenwand abgefangen.

Falschiebeanlage Fischer
Im Auftrag waren komplexe Faltschiebeanlagen enthalten, die in die Fassade integriert werden mussten. Hiermit ergab sich ein erheblicher Planungs- und Konstruktionsaufwand. Foto: Ralf Dieter Bischoff

Von der Idee zur Lösung

Somit begann der Baustart für die Firma Fleischer Metallfaszinationen mit einem recht langen Vorlauf. „Der Erstkontakt zur Auftragsanbahnung ergab sich bereits in 2016 über eine Verarbeiteranfrage von Liebel Architekten beim Kupferhersteller KME. Im Termin, nach rund drei Stunden lösungsorientierter Fachgespräche und unter Einbeziehung unserer Referenzen ähnlicher Konstruktionsart, konnten wir letztendlich Architekten und Bauherrn überzeugen. Bei unseren den Beratungen sind wir bereits sehr intensiv in die Detailarbeit eingestiegen. Unser Vorteil bei der Entwicklung auch dieses Auftrags war, dass wir Architekten und Planer stets mit ihren Ideen abholen und auf dieser Grundlage handwerklich realisierbare und fachlich korrekte Details entwickeln – auch adhoc, in den oft dynamischen Bauphasen. Sehr oft ergeben sich hierbei Lösungen, die in keinem Regelwerk zu finden sind.
Mittlerweile können wir sagen, dass bei uns Sonderlösungen der Standard sind. Deshalb lassen wir mit unserem Erfahrungsschatz heute auch komplexe Bauaufgaben recht selbstbewusst auf uns zukommen“, erläutert Mike Fleischer.
Von den Architekten war eine halbtransparente Fassadenbekleidung aus Kupferblech mit einem sehr speziell gestalteten Lochmuster visualisiert. Mit einer Höhe von 4,40 Metern umfasst und verhüllt sie das gesamte Obergeschoss. Die Lochungen, mit unterschiedlichen Durchmessern, sollen in ihrer Anordnung die Umrisse des Baumbestandes darstellen, der für den Hausbau auf dem Grundstück entfernt werden musste. „Unsere Aufgabe war, anhand der Visulisierung und des Vorabzuges der Fassadenkonstruktion, die Ausführungs- und Werkplanung einschließlich der Statik zu erstellen. Dabei galt es, verschiedenste Kriterien zu berücksichtigen“, schildert Mike Fleischer.


Kupferlochplatten Fischer
Die technischen und optischen Anforderungen des Bauherrn waren extrem hoch. Das Fassadenraster, die unteren und oberen Fassadenabschlüsser bis hin zu den Schraubenbohrungen der Fassadenelemente mussten exakt eingehalten werden. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Unsichtbar befestigt, ökologisch gedämmt

Da sich die Unterkonstruktion größtenteils im Blickfeld aus dem Gebäudeinneren befindet, mussten die Bauelemente bei Erfüllung der statischen Belange möglichst filigran und ohne Quersprossen gestaltet werden. Zudem wurden sie farblich angepasst und entsprechend beschichtet, damit sie auch von außen durch die halbtransparente Metallhülle nicht deutlich sichtbar sind. Als Grundlage für die statischen Berechnungen, die Firma Fleischer Metallfaszinationen mitlieferte, wurden als vertikale Tragkonstruktion Vierkantrohre aus dunkel-anthrazit farbbeschichtetem Aluminium gewählt. In ähnlichem Farbton wird sich das Kupferblech durch den Qxidationsprozess in der Freibewitterung mit der Zeit weiterentwickeln. Die Idee, ein geschlossenes Vierkantrohr zu verwenden ergab sich aus dem Wunsch des Bauherrn, keine durchdringenden Befestigungsmittel wie Nieten oder Schrauben beim Blick aus den Fenstern sehen zu wollen. Im Zuge der Werkplanung ergab sich ein noch ungelöstes Detail an der Unterkonstruktion. Das Problem stellte sich an den Außenecken der freischwebenden Träger, an denen Konsolen zur Aufnahme des Vierkantrohres fixiert werden mussten. Als Lösung entwickelte Mike Fleischer hierfür eine spezielle, zweiteilige Aluminiumkonsole bestehend aus zwei zusammengesetzten „Ypsilon“. Diese sind im 90 Grad Winkel gebogen; eine Hälfte wird am Beton fixiert und die andere Hälfte dient der Aufnahme des Vierkantrohres, das hiermit exakt im Verlauf der Ecke positioniert werden konnte. Die Zweiteiligkeit der Konsole ermöglichte den Ausgleich von Bautoleranzen.


Fleischer Unterkonstruktion
Für die Außenwandbereiche kam eine vorgehängte hinterlüftete Unterkonstruktion zur Ausführung, bei der Rahmenhölzer, natürlicher Hartholz-Faserdämmstoff und Aluminiumkonsolen verwendet wurden. Foto: Fleischer Metallfaszinationen

Kassetten im Raster

Der erste Arbeitsschritt nach Beauftragung der Bauleistungen war für den Klempnermeister die Umwandlung der Gestaltungsplanung der Architekten in eine Werkplanung für die Fertigung und Montage. Es galt, ein millimetergenaues Raster für die Fassadenelemente zu ermitteln, Lochmuster zur übertragen und eine statische Grundlage für die Konstruktion zu erstellen. Bevor der erste Handschlag auf der Baustelle getätigt wurde, erstellte Mike Fleischer zunächst ein 1:1 Fassadenmuster.

Fischer Einfamilienhaus
Klare Strukturen, rechteckig im Grundriss, alles easy? Nein, denn dieses Einfamilienhaus hielt für alle Baubeteiligten besondere Herausforderungen bereit. Foto: Ralf Dieter Bischoff


Ziel war es, hiermit einerseits die Baufreigabe zu erhalten und andererseits alle erforderlichen Arbeitsprozesse zu erkennen und diese effizient zu koordinieren. Die 220 cm x 92 cm großen Kassetten aus 2,0 mm dickem, walzblankem Kupferblech wurden nach Freigabe gemäß Werkplanung gestanzt, gelocht und allseitig mit einer zweifachen 90° Umkantung versehen. Die gewählte harte Kupferlegierung aus Tecu Classic (KME) und die umlaufenden Kantungen sorgen für die gewünschte Eigenstabilität der Fassadenelemente. Generell wurden zur elektrolytischen Trennung der Kupferkassetten von der Aluminiumkonstruktion bei der Montage Dichtscheiben und Butylbänder hinterlegt.




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Letzte Aktualisierung: 07.01.2020