Stadthäuser für den Garten

Im denkmalgeschützten Ravensburger Stadtgarten entstand eine moderne Wohnbebauung mit Wohn- und Bürohäusern. "Radikal" waren hierbei die Klempnerarbeiten einer komplett mit Kupfer bekleideten Fassadenhülle.

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Radikal moderne Architektur in Klempnertechnik entstand mit diesem Stadthaus im Garten der Stadt Ravensburg.  Die Bekleidung erfolgte mit rundum horizontal verlegten Scharen.Foto: Martin Maier

Bei dem Objekt handelt es sich um eines von drei Stadthäusern, die in einem Gartengelände nahe des Ravensburger Stadtzentrums erbaut wurden. General-Bauunternehmer Reisch GmbH & Co. KG beschreibt die Bebauung als "ästhetische Symbiose" die unter Denkmalschutz stehende Gartenanlage steht vor einer "radikal"-modernen Architektur. Die neuen Gebäude gehobenen Standards sind der Form und Materialität nach völlig unterschiedlich gestaltet. Holz, Glas und Metall sind die Baustoffe, die die Schwerpunkte der einzelnen Objekte setzten; an den Baukörpern wiederholt sich lediglich ein braunes Farbenspektrum.

Eines der drei Gebäude erhielt eine Fassadenbekleidung aus voroxidiertem Kupferblech und fügt sich hiermit in das Farbenspektrum ein. In der Form hebt sich das Objekt jedoch durch seinen rund geformten Grundriss von der eher kubischen Architektur der anderen Bauten ab.

Die Bekleidung erfolgte im handwerklichen Winkelstehfalzsystem mit rundum horizontal verlegten Scharen. Die Anordnung der Scharen erfolgte im Wilden Verband, wobei die Falze an Fensterbänken und Fensterstürzen optisch durchlaufen.

Den Auftrag für die Klempnerarbeiten einschließlich der erforderlichen Unterkonstruktionen erhielt die Friedrich Burk GmbH + Co. KG aus Ravensburg. Das Unternehmen für Haustechnik, Dach und Wand wurde 1927 gegründet und beschäftigt heute 130 Mitarbeiter. Die räumlich getrennten Bereiche Dach und Wand mit eigener Planungs- und CAD-Abteilung bearbeiten sowohl Großaufträge im Industriebau als auch Türme oder Gauben in der handwerklichen Stehfalztechnik. Hierzu steht den Mitarbeitern eine professionell ausgerüstete Fertigungshalle für die Blechbearbeitung zur Verfügung.

Zuständig bei der Firma Burk für die Bekleidung des neuen Stadthauses war Klempnermeister Patrick Müller. Er hatte die Aufgabe, die architektonischen Vorgaben des Planers und des Bauherrn umzusetzen. Hierzu mussten vorab zahlreiche Details entwickelt, gezeichnet und zum Teil bemustert werden. "Die besondere Herausforderung bei diesem Projekt waren die Ausführung der Rundungen und das Einhalten des gebäudeumlaufenden Rasters an Fensterbänken und Fensterstürzen. Da die zahlreichen Fenster exakt in das horizontale Scharenraster eingebunden werden mussten, konnten nur sehr wenige Millimeter Maßtoleranzen ohne optisch nachteilige Auswirkungen ausgeglichen werden", erklärt Müller.

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Die Anordnung der Scharen erfolgte im Wilden Verband, wobei die Falze an Fensterbänken und Fensterstürzen optisch durchlaufen.   Foto: Burk GmbH

Trapezblech für die Rundungen

Als Unterkonstruktion plante die Firma Burk eine vorgehängte, wärmegedämmte und hinterlüftete Fassadenkonstruktion, bestehend aus einem zweiteiligen Haltersystem und vertikal verlegten Trapezblechen als Traggrund für die Fassadenbekleidung. Auf die Trapezbleche wurde eine Trennlage angeordnet, die mögliche Knistergeräusche bei Dehnungsbewegungen minimiert und die unterschiedlichen Metalloberflächen voneinander trennt. "Zunächst war eine Holzunterkonstruktion vorgesehen. Doch nach einigen Überlegungen entschieden wir uns für eine Metallkonstruktion, da wir die Trapezbleche mühelos und zeitsparend an die Rundungen anpassen konnten. Zudem erhielten wir durch die großen Baubreiten eine besonders planebene Oberfläche, was sich optisch positiv auf die anschließend zu montierende Kupferbekleidung auswirkte und dies dauerhaft. Holz hingegen arbeitet, und mit einer kleinteiligen Schalung wäre dies in der gewünschten Präzision nicht möglich gewesen", ergänzt Patrick Müller.

Bevor jedoch mit dem Aufbau der Unterkonstruktion begonnen werden konnte, waren umfangreiche Arbeiten am Rohbau erforderlich. Um die vorhandenen starken Unebenheiten des Hohlblockmauerwerks auszugleichen und die Befestigungssituation der Wandhalter zu optimieren, mussten zahlreiche Wandflächen zunächst glatt verputzt werden insbesondere im Bereich der Rundungen. Eine gute Zusammenarbeit war auch mit den Fensterbauern gefragt. So mussten alle Einbaumaße schon im Vorfeld präzise abgestimmt und letztendlich bei der Fenstermontage auch umgesetzt werden. Priorität war hierbei eine absolut fluchtgerechte Anordnung der Fenster in horizontaler Richtung.

Für die Unterkonstruktion an den Rundungen ließ Patrick Müller stranggepresste L-Profile aus Aluminium von einem Metallbauunternehmen millimetergenau walzrunden. Insgesamt vier Profilserien mit verschiedenen Radien fertigte das Unternehmen für den speziellen Grundriss des Stadthauses. Die statische Berechnung der Fassadenkonstruktion lieferte die Planungsabteilung der Firma Burk gleich mit. Die Besonderheit bei diesem Projekt ergab sich durch die Befestigung der Wandhalter im Bereich des Hohlblockmauerwerks. So musste Roland Metzler, CAD-Fachmann bei Burk, für diese Bereiche spezielle Befestigungsmittel einsetzen.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin Ausgabe 5|2010.

Letzte Aktualisierung: 28.01.2011