Stadthalle Gunzenhausen: Dehnungsbewegungen der 19 Meter langen Schare

Dehnungsbewegungen der 19 Meter langen Schare lassen ein spezielles Metalldachsystem aus blendfreiem Edelstahl zu. Wir beschreiben die Sanierung der Stadthalle Gunzenhausen.

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Mit dem dehnungsfreundlichen Schnappfalzsystem und einem durchdachten Entwässerungskonzept konnte das Dach schnell und wetterfest für den weiteren Innenausbau übergeben werden. Fotos: Metallbüro Holz GmbH

Die Stadthalle Gunzenhausen wurde 1974 geplant und bis 1977 als Ersatzbau für eine alte Turnhalle errichtet. Die Halle wurde 1984 erweitert und mehrmals umgebaut. Besonders gelungen hierbei war die charakteristische Wabenstruktur des Baukörpers, der für die Bürgerinnen und Bürger noch heute ein wichtiges Identitätsmerkmal darstellt. Die fast 40-jährige Nutzung hatte in baulicher und vor allem in technischer Hinsicht erhebliche Spuren hinterlassen. Im Laufe der Zeit zeigten sich trotz hoher Unterhaltsinvestitionen funktionale Mängel, sodass die Stadt Gunzenhausen beschloss, ab 2018 eine Generalsanierung des Gebäudes durchzuführen.

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Die sechseckigen Teilflächen sind von Innenliegenden Rinne umrahmt, sowohl an den Dachrändern als auch innerhalb der Flächen.

Das Münchener Architekturbüro Haindl entwickelte hierfür ein Konzept, dass die neuen Bedürfnisse der Nutzer berücksichtigt und eine eindeutige Architektursprache wiedergibt. Mit einem größeren Volumen der Hallendächer und dem höheren Verglasungsanteil soll die Stadthalle variabel nutzbar sein. So ist es demnächst möglich, in den einzelnen Saaldritteln mit eigenen direkt zugeordneten Foyer-Zonen gleichzeitig drei Veranstaltungen durchzuführen.

Mit dem Baustart wurde zunächst die gesamte Dachkonstruktion entfernt, durch ein Stahlbau-Grundgerüst ersetzt und hiermit auch die die bisherige Dachneigung erhöht ((?)). Die optimierte, markante Dachform bilden vier aneinander liegende Sechsecke. Von vornherein war klar, dass für die komplizierte Konstruktionsgeometrie wieder eine Metalldeckung zur Ausführung kommt; sie bietet dauerhaften und nachhaltigen Wetterschutz und ist gleichzeitig architektonische Gestaltungsebene. Das alte Kupferdach hatte bereits beste Dienste geleistet, nun musste es der Grundrissänderung und Anhebung der Dachfläche weichen.

Entwässerung mit Konzept

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Auf der Ansicht ist die neue Gefällesituation der einzelnen Dachflächen zu erkennen. Zeichnung: Haindl + Kollegen Architekten GmbH

Für die Fachplanung zogen die Architekten das Metallbüro Holz aus München hinzu. Zu den beauftragten Leistungen zählten die Fachberatung, das Entwickeln eines individuellen Entwässerungskonzeptes einschließlich Rinnenbemessung, die unterstützende Detaillierung der Metalldachkonstruktion sowie die Kostenschätzung der Metallarbeiten am Dach.

Problemstellungen ergaben sich hierbei an den aneinander grenzenden Dachflächen. Die Entwässerung musste hier mit innenliegenden Rinnen erfolgen. Grundkonzept für die Detaillierung und Bemessung der Rinnen war, dass sie schadlos auf tiefer liegende Dachflächen überlaufen können. Dies gewährleistete eine maximale Sicherheit. In der unteren Teilfläche sind vier Rinnengullys DN 200 angeordnet (?). Darüber hinaus machten es die hohen Anforderungen des Brandschutzes erforderlich, ausschließlich mit nicht brennbaren Baustoffen zu planen. Zur Ausführung kam deshalb ein Dachaufbau mit zweilagiger trittfester Mineralwolle-Dämmung.

Schnappfalz für die Dehnung

Während der Planungen für die Metalldeckung wurde auch überlegt, welches Decksystem sich für dieses Bauvorhaben sowohl technisch als auch architektonisch am besten eignet. Die filigrane Falzführung einer handwerklichen Deckung, wie sie zuvor ausgeführt war, sollte erhalten bleiben. Ziel aus technische Sicht war es, bis zu 19,50 Meter Scharenlängen ohne Quernähte zu realisieren. Als ideale Lösung wurde letztendlich das Schnappfalzsystem gewählt. Es handelt sich hierbei um einen Art Zwischenlösung aus handwerklichen und industriellen Stehfalzsystemen. Die spannungsarme Verbindungstechnik gleicht optisch dem handwerklichen Stehfalz.

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Die Rinnen sind so konstruiert, dass sie der Notüberlauf über die Rinnenvorderkante auf die tiefer liegende Dachfläche erfolgt.

Dipl.-Ing. Stefan Holz / Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in KlempnerMagazin 04.

Letzte Aktualisierung: 05.06.2019