Statik für die Traufe

Die Luthermütze sitzt, der Turm ist gerettet, doch bis dahin war es eine Sanierungsmaßnahme mit vielen Überraschungen. Die in den 1980er-Jahren durchgeführte Sanierung der Lutherkirche in Remscheid sorgte für erhebliche Folgeschäden nahe der Einsturzgefahr.

Sanierung Lutherkirche (1)
Endlich: Der Bau ist nun erfolgreich abgeschlossen – Architekt, Steinmetze, Zimmerer und Klempner haben hierzu ganze Arbeit geleistet. Doch jetzt geht es innen weiter. Foto: Florian Böker

In klempner magazin 2/2016 berichteten wir bereits von der Turmspitze mit der interessanten Zeitkapsel – in dieser Ausgabe geht es weiter „abwärts“. Denn erst jetzt, also rund eineinhalb Jahre später, ist die Sanierung der Remscheider Lutherkirche weitgehend abgeschlossen. In dieser Zeit sorgten die Erneuerung der Turmdeckung sowie des Kirchenschiffes für besondere Herausforderungen, denen sich Architekt Florian Böker und Klempner-Fachbetrieb Löhr aus Lünen stellen mussten.

Der neugotische Backsteinbau wurde in den Jahren 1891 bis 1895 als einschiffige Kreuzschiffsanlage mit einem 64 Meter hohen Kirchturm errichtet. Seitdem musste er wiederholt innen und außen instand gesetzt werden. Besonders die Wetterseite war stets dem Remscheider Regen und hiermit starker Erosion ausgesetzt. Am 30. Mai 1943 und am 5. November 1945 durchschlugen bei Luftangriffen Brandbomben das Dach. Der im Inneren entstandene Brand konnte jedoch schnell gelöscht werden. Gebrannt hatte es offensichtlich auch bei den umfassenden Dachsanierungsarbeiten in den 1980er Jahren, wie sich bei der erneuten Schadensaufnahme in 2014 an der Holzkonstruktion zeigte. Aufgrund von Wassereinbrüchen musste die mittlerweile marode Schieferdeckung ausgetauscht und das Mauerwerk mit seinen offenen Fugen sehr aufwendig Instand gesetzt werden.

Sämtliche Dächer der Lutherkirche mussten nach knapp 40 Jahren nun neu eingedeckt werden, da im Innenraum schon erste nasse Stellen zu erkennen waren. Für die anfallenden Kosten wurden Rücklagen gebildet. Doch auch die Fassade hatte mittlerweile einen Zustand erreicht, der für die Kirchgänger eine Gefahr darstellte. Backsteine bröckelten vom hohen Turm der Kirche, sodass Pfarrer Ulrich Wester einen „Notruf“ absetzen musste.

Hydrophobiert und doch zerbröselt

Architekt Florian Böker begutachtete das Mauerwerk und stellte fest, dass das Regenwasser vom Dach direkt ins Mauerwerk eindrang. Feuchtigkeit und Frost haben die Backsteine zum Teil nahezu zerbröselt. Somit war klar, dass die Mittel für die nun aufwendige Sanierung der Fassade am Turm nicht annähernd reichten – letzten Endes ermittelte Florian Böker nun Gesamtkosten in Höhe von rund 3 Mio. Euro. Die Summe wurde aus der Baurücklage, einem Zuschuss des Kirchenkreises und mit Fördermitteln aus dem Denkmalschutz sowie Spendengeldern des Fördervereins 2015 bereitgestellt. Der ortsansässige Architekt erhielt den Auftrag zur Schadenskartierung, zur Entwicklung des Sanierungskonzepts unter den Auflagen des Denkmalschutzes sowie zur Durchführung der kompletten Sanierungsmaßnahme.

Mit der Stellung der Gerüste und dem Beginn der Sanierungsarbeiten konnte der Remscheider Sanierungsspezialist den Ursachen erst richtig auf den Grund gehen und erlebte hierbei schlimme Überraschungen. So stellte er bei der Prüfung des Verblendmauerwerks fest, dass dies bei der vorausgegangenen Sanierung hydrophobiert wurde. Mit Hydrophobierungen wird ein Baustoff imprägniert beziehungsweise dessen kapillare Wasseraufnahme reduziert. Voraussetzung ist jedoch bei dieser in Fachkreisen zum Teil umstrittenen Technik, dass sie richtig angewendet und fachgerecht ausgeführt wird. „Hydrophobieren bedeutet, dass die Steine von außen dicht sind, was wohl einen gewissen Schutz bei Schlagregen bietet. Das Problem ist nur, dass an der Lutherkirche Wasser im Bereich der Dachtraufen von oben in das Mauerwerk gelangen konnte und dies von innen durchfeuchtete.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie im klempner magazin 07

Titel 07.2017

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