Traufe ohne Halt

Insbesondere bei exponierten Bauwerken kommt es auf die fachgerechte Befestigungstechnik der jeweiligen Deckung an. Dabei spielt auch die Kombination der Werkstoffe eine bedeutende Rolle, wie der Sturmschaden 2012 am Turm der St.-Joseph-Kirche in Münster zeigte.

Josefkirche (5)
Das neue Dach nach aktuellen Regeln und mit korrosionsbeständigen Werkstoffen wird für viele Jahrzehnte den Wetterextremen standhalten. Foto: Thomas Krych

Zum Glück kam niemand zu Schaden, als beim Frühjahrssturm ein etwa ein Quadratmeter großes Kupferblech vom Turm der St.-Joseph-Kirche rund 50 Meter herabfiel. Damit nicht Schlimmeres passiert, ließ die Kirchengemeinde den betroffenen Dachbereich mittels Hubsteiger-Einsatz vor weiteren Windangriffen sichern. Bei der nachfolgenden Begutachtung der gesamten Dachfläche wurde festgestellt, dass nicht nur die Schadensstelle, sondern die gesamte Deckung den künftigen Windlasten nicht mehr standhalten wird.

Die St.-Joseph-Kirche wurde aufgrund der wachsenden Einwohnerzahlen als Filiale der Lamberti-Pfarrkirche an Münsters Hammer Straße gebaut und am 07.07.1888 durch den damaligen Bischof Bernhard Brinkmann geweiht. Bereits 17 Jahre später, wieder begründet mit der Bevölkerungszunahme, entstand unter Bauleitung der Gebrüder Hertel ein neues größeres Kirchenbauwerk im gotischen Stil – nun als selbstständige Rektoratskirche. Die erneute Weihung der St.-Joseph-Kirche, jetzt dreischiffige Basilika mit Querschiff und einem 7/12- Chorabschluss, erfolgte am 15.11.1905. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt, 1944 gingen die von Brandbomben getroffenen 75 Meter hohen Westtürme und die niedrigeren Seitentürme in Flammen auf. Der Wiederaufbau fand Ende der 1940er- und Anfang 1950er-Jahre statt, wobei die hohen Türme, das hohe Mittelschiffdach mit umlaufenden Steinbalustern sowie die großen Querschiffdächer nicht wiederhergestellt werden konnten.

Versagen durch Korrosion

Zur Ermittlung der Sofortmaßnahmen sowie für die Erstellung eines Sanierungskonzeptes fand eine Ortsbesichtigung satt, die zum Teil vom Hubsteiger und zum Teil von Turminneren erfolgte. In Augenschein genommen wurden neben dem Schaden an der Turmspitze auch die Wandbekleidungen des Turmes sowie die übrigen Metalldachflächen, soweit dies möglich war. An der schadhaften Dachfläche des Spitzturmes in etwa 40 Meter Höhe war mit einem Handgriff schnell klar, warum sich das mittlerweile entfernte Blech aus der Deckung löste. Am „Traufeneinhang“ sorgten pro Schar lediglich zwei blechummantelte Haltebügel aus Baustahl für die Sturmsicherung. Einige Bügel waren aufgrund der Korrosion quasi nicht mehr vorhanden. An der Schalung war erkennbar, dass Treibwasser in die Falzverbindungen eindringen konnte und als Elektrolyt zwischen Kupfer und dem unedlen Baustahl die Korrosion erheblich förderte. Auch die Drahtstifte in der Schalung zeigten im Bereich der Wassereinbrüche starke Korrosion. An den Wandflächen darunter waren entsprechende Ablaufspuren des ausgeschwemmten Eisenoxids sichtbar. Darüber hinaus zeigten sich an verschiedenen Quer- und Längsverbindungsfalzen Risse, die aufgrund von Flatterbewegungen durch Starkwind entstanden waren.

Problemzone Randbereich

An den Kupferbekleidungen unterhalb der Turmdachspitze konnten bei Zugversuchen Längsfalze der Kupferbekleidung bis zu circa 30 Millimeter von der Wandschalung abgezogen werden. Es war davon auszugehen, dass hier die in die Falze integrierten Befestigungselemente durch die ständigen Flatterbewegungen mit der Zeit versagten. Auch die steilgeneigten Satteldachflächen der Dachkronen, die damals die Basis der achteckigen Türme bildeten, wurden in Augenschein genommen – insbesondere die windbelasteten Rand- und Eckbereiche. Hier waren Kupferschare nicht mehr kraftschlüssig mit dem Untergrund verbunden und konnten mühelos auf und ab bewegt werden.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin 08.2017