Versteckt entwässert, unsichtbar fixiert

Das neue Hauptquartier Messegesellschaft Freiburg erhielt eine moderne Fassadenbekleidung aus Metall. Herausforderungen für Planer und Handwerker waren versteckte Entwässerungssysteme, unsichtbar befestigte Bekleidungselemente sowie die Montagearbeiten in der Winterzeit

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Herausforderungen der Fassade des neuen Kopfbaus an der Messe Freiburg waren versteckte Entwässerungssysteme und unsichtbar fixierte Bekleidungselemente. Die Umsetzung erfolgte mit einem speziellen Agraffensystem. Alle Fotos: BEMO

Der Messe- und Veranstaltungsstandort Freiburg entwickelt sich stetig weiter und zieht immer mehr bundesweite und internationale Events an. Grund genug für die Freiburger Wirtschaftsförderungs- und Messegesellschaft (FWTM), ihr neues Hauptquartier direkt an die Messe anzugliedern und bei der Gelegenheit ihre Standorte und Kompetenzen zu bündeln. Der neue Kopfbau mit einer Nettomietfläche von 7.300 m² soll zu einem Drittel selbst genutzt und die weiteren Räumlichkeiten an Unternehmen vermietet werden. Ganz in Weiß, so wie die Messehallen, fügt sich der neue Kopfbau in das Gebäudeensemble der Freiburger Messe ein. Architektonisch gestaltet ist die Gebäudehülle des fünfgeschossigen Gebäudes mit durchlaufenden Fensterbändern, Metallbekleidungen in RAL 9010 Reinweiß zwischen den Geschossen und einem weit auskragenden Überstand des Flachdaches.
Die Herausforderungen für die Planung und Ausführung der Fassadenkonstruktion waren vielfältig – dies wurde schon in den ersten Beratungsgesprächen deutlich. Damit der gesamte Schlagregen nicht auf die Fensterflächen trifft und die weißen Bekleidungen überspült, sollte das Niederschlagswasser von der Fensterbank in eine innen liegende, von außen nicht sichtbare Rinne abgeleitet werden. Nicht sichtbar sein sollten zudem die Befestigungen der großflächigen Bekleidungselemente mit ihren 50 mm breiten Fugenausbildungen. Klar war damit auch, dass hier keine alltägliche Fassadenlösung umgesetzt werden konnte, für die zudem nur ein Zeitfenster im Winter zur Verfügung stand. Dies bedeutete, die Montagezeiten auf der Baustelle so gering wie möglich zu halten. Generell werden die Herausforderungen und Anforderungen an Fassadenbekleidungen immer komplexer: Gestaltungsfreiheit, bauphysikalische Sicherheit, Nachhaltigkeit und einfache Montage bei wirtschaftlichen Erstellungskosten. Ausführende Handwerksunternehmen und Planer überzeugen bei der Auswahl des Systems meist mit Argumenten wie Vorfertigungsgrad und Montagefreundlichkeit der Fassadenlösungen.

Rückseitig verankert


Bauseitiger Wunsch für den Kopfbau der Freiburger Messe war eine möglichst großflächige Bekleidungsvariante mit Rastermaßen bis zu 1.000 mm. Da Dünnbleche bis 2,0 mm bei diesen Abmessungen zu Welligkeiten neigen und sich in Kombination mit einer verdeckten Befestigung nicht umsetzen lassen, wählte der Bauherr eine Bekleidung aus 6,0 mm dicken Aluminium-Verbundplatten des Fabrikats Bemo Bond. Sie bestehen aus zwei 0,5 mm dicken Aluminiumdeckschichten und je nach Brandschutzanforderungen gewähltem Kern aus Kunststoff oder einem mineralischen Kern (B – schwer entflammbar/A2 – nicht brennbar). Hiermit sind Plattengrößen von 2.000 mm ×
7.000 mm und vor allem eine nicht sichtbare Befestigung mit sogenannten Agraffen des Fabrikats Invisio realisierbar. Hierbei erhalten die Platten an der Rückseite schlüssellochförmige Fräsungen, in die spezielle Gewindebolzen mit flachem Kopf eingelassen und anschließend mit der Agraffe verschraubt werden.

Bei Vollmaterial lassen sich rückseitige Verankerungen in Form von Schweißbolzen oder Verklebungen ab mindestens 3,0 mm, in der Regel jedoch ab 4,0 mm Blechdicke umsetzen. Anschlüsse, mögliche Korrekturen bei der Verlegung auf der Baustelle sowie Transport und Handling sind bei Vollmaterial im Vergleich zu Verbundwerkstoffen anspruchsvoller und kostspieliger. Verbundplatten lassen sich recht problemlos bearbeiten – Anschlüsse, Ecken oder Übergänge können mittels Frästechnik zeitsparend und filigran ausgebildet werden. Hierbei werden auf der Rückseite mit Scheiben- oder Formfräsern V-förmige Nuten bis zur äußeren metallischen Deckschicht gefräst. Das verbleibende Material ermöglicht dann ein problemloses Abbiegen der Verbundplatte von Hand. Als Farbbeschichtung kam eine UV-beständige und auskreidungsstabile Beschichtung auf Fluorpolymerbasis zur Ausführung, die zudem wasser- und schmutzabweisend sowie kratzunempfindlich ist.


Johannes Huber

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 4.2018.

Letzte Aktualisierung: 05.06.2018