Arbeitstechniken in Walzblei: Historisch geformt, sicher gedeckt

Walzblei dient zumeist der Eindeckung von Kirchen und repräsentativen Gebäuden. Die maßgeblichen Bearbeitungsweisen des Werkstoffes sind über Jahrhunderte erhalten geblieben.

Granusturm des Aachener Rathauses, Kirchenblei
Mit Kirchenblei im neuen Glanz, der Granusturm des Aachener Rathauses. Foto: Vogel Bedachung KG

Traditionelle Arbeitstechniken in Walzblei schützen historische Dächer und Fassaden. Hohe Vorfertigungsgrade sind mit diesem weichen Metallwerkstoff nicht zu erzielen, deshalb werden die in der Regel vor Ort zugeschnitten, gefalzt und mit traditionellen Werkzeugen an das Objekt angeformt. Ob kleinteilige Zierde oder weite Flächen – das Ergebnis der Handarbeit ist immer eine charakteristische Optik, die durch die Spuren der Werkzeuge geprägt ist.

Seine edle, matt schimmernde Oberfläche prägt das architektonische Erscheinungsbild. Ob Türme, Gesimse, Gauben oder Erker, Firste und Grate oder Mauerabdeckungen: Selbst komplizierte Dachkonstruktionen oder Details lassen sich damit zuverlässig und langfristig regensicher schützen. Die Vorteile des Werkstoffes sind die gute Formbarkeit, es ist vollständig recyclebar und eignet sich daher für nachhaltiges Bauen. Sein Schmelzpunkt ist niedrig, sodass zur Herstellung der Bleche relativ wenig Energie benötigt wird. Bei richtiger Verarbeitung zählt Walzblei zu den langlebigsten Materialien an Dach und Fassade. Die natürliche Patina aus Bleicarbonat oder Bleisulfat wirkt wie ein natürlicher Korrosionsschutz.

Per Klopfholz formen

Wer heute mit Walzblei arbeitet, nutzt dabei die typischen Werkzeuge wie Treibhammer, Klopfholz und Setzhölzer. Sie zeigen immer noch exakt die hergebrachte Form, können aber statt aus Holz auch aus Kunststoff bestehen. Treibwerkzeuge und Scheren aus dem Klempnerbereich runden das Instrumentarium ab. Sie werden gebraucht, wenn das weiche Metall exakt in Kurven, Grate und Kehlen gebracht werden muss, wie es in Schmuckornamenten der Fall ist, beispielsweise bei der Sanierung des Granus- und des Marienturmes am Aachener Rathaus.

Kirchenblei schützt

Das Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert verfügt über eine Laterne mit filigranen Ornamenten, eine komplett in Walzblei gekleidete Eichenholzkonstruktion. Falsche Löt- und Überdeckungstechniken hatten zu gravierenden Feuchtigkeitsschäden geführt. Besonderes handwerkliches Geschick in der Bleibearbeitung erforderten die Ornamente am oberen Zinnenkranz und die Verzierungen unterhalb der Laterne. Die symmetrischen, einfachen Rosetten sind bis zu 20 Zentimeter tief in das Trägerelement aus Eichenholz eingearbeitet. Hierzu wurden die einzelnen Ornamente vom Turm abgenommen. Für die neue Eindeckung kam anstelle der 1,5 Millimeter dünnen Bleibleche 2,5 und 3 Millimeter dickes Kirchenblei des Herstellers Röhr + Stolberg GmbH aus Krefeld zum Einsatz. Der Werkstoff ist rückseitig mit Zinn beschichtet und bietet damit einen verbesserten Schutz gegen unterseitige Korrosion. Es hält den Gerbsäuren einiger Hölzer und temporär auftretendem Kondensat stand. Die Rosetten wurden komplett neu getrieben.

Schadlos treiben

Im ersten Schritt formten die Spengler vier Metallstreifen mit dem Treibhammer an die Basis des Ornaments. Hierzu musste zunächst ein negatives Gegenstück zu der Rosette ausgesägt werden. Mit dieser Arbeitshilfe und dem Treibhammer wurde das Blei grob in Form gebracht. Regelmäßige Schläge mit kurzen Pausen senkten das Risiko der Falten- und Rissbildungen. Die Feinarbeit erfolgte mit Klopfhölzern. Konturen wie Kanten und Falze wurden schließlich mit Setzhölzern nachgezogen. Zuletzt wurden die einzelnen Bleche zusammengeschweißt. Diese Form der Verbindung erzielt ein optisch homogenes Ergebnis und bildet dieselbe Patina wie die Bleche. Darüber hinaus zeigt die Schweißnaht dieselbe Längendehnun...

Nina le Viseur

Den kompletten Beitrag lesen Sie in: KlempnerMagazin 03.2020

Letzte Aktualisierung: 14.04.2020