Weihersteig aus goldglänzenden Schindeln

Der Klingenweiherpark wird die grüne Mitte von Wassertrüdingen. Über einen Weihersteig mit aufwendig konstruierten Wegebrüstungen und einer Hülle aus goldglänzenden Schindeln gelangt der Besucher in die Naturlandschaft: Eine außergewöhnliche Klempnerarbeit mit vielen Herausforderungen.

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Über einen Weihersteig mit einer Hülle aus goldglänzenden Schindeln gelangt der Besucher in die Naturlandschaft Wassertrüdingens. Foto: Laureen Eggmann/Wassertrüdingen 2019

In diesem Jahr lud die Stadt Wassertrüdingen zur Bayerischen „Gartenschau der Heimatschätze“ und präsentierte, was in den Monaten auf dem Weg zur Eröffnung im Mai 2019 entstanden ist. Denn im Rahmen der Gartenschau erhielt Wassertrüdingen dauerhafte Anlagen, die zur wesentlichen Aufwertung der Stadt beitragen und gleichzeitig wichtige städtebauliche Aufgabenstellungen lösten. Den Wettbewerb für die Gestaltung der Gartenschau entschied Landschaftsarchitekt Maik Böhmer mit seinem Architekturbüro Planorama aus Berlin und einem nachhaltigen Konzept für sich.

Leuchtende Brüstungen

Die vier aneinandergereihten Weiher sorgen heute für offene Wasserflächen, deren zugängliche Uferbereiche mit dicht bewachsenen Zonen abwechseln. Die Besucher werden über die neu geschaffenen Wegeverbindungen durch die Parklandschaft geleitet, die minimal in den bestehenden Naturraum eingreifen. Zugleich bringt der „Weihersteig“ ein starkes architektonisches Element in den Park, das diesen Ort unverwechselbar macht: Seine Begrenzungen sind mit goldglänzenden Metallbekleidungen eingefasst, die manchmal niedrig bleiben und immer wieder zur Brüstung, Stufe oder Sitzkante anwachsen. Wo es Biotope und Wasserflächen erfordern, ist er als Steg oder Brücke auf Pfählen gegründet. Sie bestehen aus einer sehr komplexen Metallkonstruktion mit vielen unterschiedlichen Details, Übergängen, Winkeln sowie An- und Abschlüssen, was für Planorama und dem beauftragten Klempnerfachbetrieb André Taubert eine besondere Herausforderung bedeutete. Es galt, aus dem Gestaltungskonzept eine Ausführungsplanung zu erstellen, die alle Regeldetails der Konstruktion beinhaltete. Bei der Vielfalt der oftmals konischen Anschlüsse und der Übergänge mit verschiedenen Geometrien war dies eine hochkomplexe Aufgabe.

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Die Umsetzung der vielen oftmals konischen Anschlüsse an verschiedene Geometrien gestaltete sich für Klempner und Planer als hochkomplexe Aufgabe – sie wurde präzise gelöst. Foto: Michael Bieker/KME

Aus Spanten, Konsolen und Pfosten

Basis und Befestigungsgrund für sämtliche Brüstungen und Einfassungen sind die Fußwegplatten aus 120 mm dicken Betonfertigteilen mit Bewehrung. Als Befestigung der kleineren Randeinfassungen dienen Winkelkonsolen und Spanten mit Flügeln, die im Regelabstand von etwa 50 cm an den Außenkanten der Betonplatten befestigt sind sowie eine vollflächige Deckunterlage aus 3,0 mm dickem gekanteten Aluminiumblech. Spanten und Deckunterlage für die goldglänzende Bekleidung sind gemäß der architektonischen Planung für die verschiedenen Einbaubereiche individuell geometrisch geformt und variieren in ihren Abmessungen. Der Konstruktionsaufbau erfolgte bei den hohen Brüstungen des Weihersteiges in ähnlicher Weise, jedoch kamen dort anstelle der Konsolen stabile Pfosten zum Einsatz. Sie sind jeweils mit vier Gewindestangen und zwei Konterplatten kraftschlüssig am Betonrand verschraubt. Während die Bekleidungen der kleineren Randeinfassungen aus einem Zuschnitt gekantet sind, besteht der Aufbau der Brüstungsbekleidungen aus vertikal angeordneten Paneelen innen, einem Schindelsystem außen und einer Abdeckung als oberer Abschluss. Als Unterkonstruktion für die Paneelbekleidung dient ein farbbeschichtetes Alu-Trapezblech 20/138. Für die Außenhülle der Brüstungen wählte Planorama eine Kupfer-Aluminium-Legierung des Fabrikats Tecu Gold von KME mit einer Blechdicke von 0,7 mm.

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Die meist konischen Übergänge mussten individuell ausgeschnürt, ausgemessen, geformt und mit der vollflächigen Unterkonstruktion verbunden werden. Foto: André Taubert

Umschläge mit runden Ecken

Die Schindeln für die Außenseite der Brüstungen sind als Spitzrauten mit einem Deckmaß bzw. einer Ansichtsfläche von 384 x 384 mm verlegt und an den Gratlinien ausgerichtet. Dabei schließt die obere Abdeckung mit einer Schattenfuge an die senkrechte Innenbekleidung an und überdeckt die Spitzrauten an der schräg verlaufenden Außenseite. „Die Verbindungen der Brüstungsabdeckungen, die im Verlauf auf die kleineren Randbegrenzungen des Weihersteiges zulaufen, sind im Steckfalzprinzip miteinander verbunden. Von der Fertigung bis zur Bauausführung mussten wir aufgrund der Verletzungsgefahr an allen Metallelementen, Anschlüssen, Kantungen oder Übergängen scharfkantige Blechabschlüsse vermeiden. Deshalb findet man bei unseren Arbeiten ausschließlich Blechkanten mit Umschlägen und abgerundete Ecken“, erklärt André Taubert.
Besonderen Aufwand bei der Produktion und Montage erforderte die Formgebung der vielen konischen Übergänge, wie beispielsweise von den hohen Brüstungen zu den kleineren Randbegrenzungen. Hierbei mussten die Spanten im Bereich der Übergänge individuell ausgeschnürt, ausgemessen, geformt und mit der vollflächigen Unterkonstruktion verbunden werden. Um bis Mai 2019 die rund 400 Meter des Weihersteigs, also 800 Meter Randbegrenzungen, fertigstellen zu können, mussten die Arbeiten bereits im Herbst 2018 beginnen.

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Die Schindeln sind als Spitzrauten verlegt und an den Gratlinien ausgerichtet. Foto: Planorama, Berlin

Klaus Siepenkort

Den gesamten Artikel und weitere technische Details lesen Sie in der KlempnerMagazin Ausgabe 06/19


Letzte Aktualisierung: 10.09.2019