Wellness in Windzone 4

Damit handwerkliche Metallfalzdächer auch extremen Wetterlagen standhalten, kommt es auf eine dichte Falztechnik und sturmsichere Befestigung an. Die besonderen Herausforderungen am neuen Wellness Resort auf Föhr, lösten die Dachexperten mit einer Sonderkonstruktion.

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Im Moment sieht alles ruhig und friedlich aus. Doch das kann sich in Windzone 4 schnell ändern. Dann kommt es auf eine dichte Falztechnik und die sturmsichere Befestigung an. Foto: Daniele Ansidei

Kilometerlange weiße Sandstrände, wunderschöne grüne Natur und ­mildes, vom Golfstrom begünstigtes Seeklima – all dies zusammen macht aus Deutschlands zweitgrößter Nordseeinsel Föhr die „Friesische Karibik“. Seit Oktober 2018 lädt das neue Upstalsboom Wellness Resort Südstrand in die Inselstadt Wyk zum Wohlfühlen ein. Die luxuriöse Anlage steht für sanften Qualitätstourismus im Premium-Segment und verdankt ihren Namen der direkten Lage am Südstrand mit Blick auf die Nordsee und die Halligen. Mit 144 Zimmern und Suiten in sechs verschiedenen Kategorien, einer exklusiven Strandbar, Lobby mit Empfangsbereich und Bar sowie einem Hotel-Gourmetrestaurant mit Terrasse, bleiben keine Wünsche offen. Zum Resort gehören 23 exklusive Residenzen für zwei bis sechs Personen, die über einen unterirdischen Gang mit dem Hotel verbunden sind. Entspannung pur finden die Gäste im 2.000 m² großen Wellnessbereich mit vier verschiedenen Saunen, einem Dampfbad, umfangreichem Sport- und Anwendungsbereich sowie einem Innen- und Außenpool. Das Hotel bietet darüber hinaus einen Veranstaltungsbereich mit Räumlichkeiten für Tagungen und Feierlichkeiten aller Art bis 199 Personen. Die Gäste der Residenzen haben die Wahl zwischen individueller Selbstversorgung oder Nutzung der gastronomischen Angebote des Hotels.

Kehlen und Grate als Primärtragwerk


Keine Wahl hatten jedoch die Zimmerer und Klempner beim Bau der komplex geformten und exponierten Dachkonstruktion in Windzone vier. Um die extremen bauphysikalischen Einflüsse in den Griff zu bekommen, mussten sie eine spezielle Baukonstruktion entwickeln. Als Fachunternehmen für Spezialaufgaben dieser Art, erhielten die Firma Brüninghoff aus Heiden im Münsterland und der Klempner-Fachbetrieb Bathow aus Bernsdorf bei Dresden den Auftrag für die Erstellung des kompletten Daches, einschließlich aller erforderlichen Funktionsschichten und der Kupferdeckung aus Tecu Classic (KME). Als geeigneten Unterbau für die Metalldeckung plante die Firma Brüninghoff eine Kombination aus Holz- und Stahlbau. Kehlen und Grate bilden dabei das Primärtragwerk der hinterlüftet gestalteten Dachkonstruktion. Sie besteht aus Leimholzbindern mit großen Querschnitten, die mit speziellen Stahlfertigteilen auf der bauseits erstellten der Betonkonstruktion gelagert sind. Zuständig für die Planung und den reibungslosen Ablauf der Holzbauleistungen vor Ort war Fachbauleiter Carsten Looks, der den Arbeitsablauf wie folgt beschreibt: „Die Stahlkonstruktion wurde als Spezialanfertigung in unserem Werk erstellt, geschweißt und mit speziellem Korrosionsschutz beschichtet. Aufgrund der komplexen und sehr verschachtelten Dachgeometrie, waren sowohl die Fertigung als auch die Montage der Konstruktion sehr aufwändig.

Alle Baukonstruktionen werden bei uns in 3D geplant, sodass man bereits in der Planungsphase mögliche Kollisionen an Schnittstellen o. ä. erkennen kann. Die Dachkonstruktion ist als Stecksystem konzipiert, bei der die großen Leimholzbinder mit den Knotenpunkten aus Stahl verbunden sind. Die Bauelemente wurden weitestgehend am Boden vormontiert, per Kran auf die Knotenpunkte gesetzt, anschließend fest verschraubt und an sogenannten Kontaktplatten verschweißt. Nach Fertigstellung der Primärkonstruktion, haben wir die vorgefertigten Dachelemente eingelegt, fixiert und befestig. Sie bilden mit ihrer 30 mm dicken Schalung den Trag- und Befestigungsgrund für den weiteren Aufbau der Metalldeckung.“ Die Unternehmensgruppe Brüninghoff mit Hauptsitz in Heiden und vier weiteren Niederlassungen in Hamburg, Niemberg, Villingen-Schwenningen und Münster ist seit über 40 Jahren spezialisiert auf die Entwicklung, Planung, Vorfertigung und den Bau von anspruchsvollen Projekten. Zum Einsatz kommen die Materialien Stahl, Beton, Aluminium in Verbindung mit Glas – aber vor allem Holz. Das einst als Tischlerbetrieb geründete Unternehmen beschäftigt heute rund 470 Mitarbeiter.

Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in klempner magazin, Ausgabe 1.2019, die am 7. Januar 2019 erscheint.


Letzte Aktualisierung: 20.12.2018