Wellness unter der Kuppel

Klare Konturen, exakte Rundungen, planebene Oberflächen – dies waren die Anforderungen an die Metallbekleidung des modernen Anbaus an den historischen Altbestand. Für Spenglermeister Andreas Fella und das Team exakt das richtige Projekt – von der ersten Zeichnung bis zur letzten Rundung.

Wellnessbereich, Bekleidungselemente
Theorie und Praxis im Einklang. Die außergewöhnliche und hochwertige Hülle für den Wellnessbereich ist das Ergebnis einer perfekten Zusammenarbeit der Baubeteiligten. Sämtlichen Bekleidungselemente sind ohne zusätzliche Befestigungsmittel ausschließlich geklebt. Alle Fotos und Zeichnungen: Metallbasis GmbH & Co KG

Wer sich die Website „ www.metallbasis.de “ und die dargestellten Referenzen anschaut fragt sich: Sind dies noch Spenglerarbeiten? Die Antwort ist eindeutig: Ja! Verantwortlich für die zumeist außergewöhnlichen Projekte ist 30-jährige Spenglermeister Andreas Fella. Mit seinem fachlich versierten Spenglerteam scheut er keine auch noch so komplexe Bauaufgabe und nutzt hierfür jede mögliche Verbindungstechnik. „Ob Falzen, Kleben oder sichtbar befestigen – jedes Gebäude, ob kubisch, rund oder frei geformt, erhält die Hülle, die sich Architekt und Bauherr wünschen“, so Andreas Fella. Seine Lehre absolvierte er 2004 als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, dem heutigen Anlagenmechaniker SHK, und lernte in der Zeit auch das Spenglerhandwerk kennen: „Mir gefiel das Arbeiten mit Blechen und das Formen der unterschiedlichen Metallwerkstoffe. Die Arbeitsergebnisse kann man an Dächern und Fassaden noch viele Jahre bewundern; Rohrleitungen verschwinden kurz nach der Montage in den Wänden oder hinter dem Putz. Deshalb habe ich sofort noch eine Spenglerausbildung absolviert und 2007 mit dem Gesellenbrief abgeschlossen.“


Stand heute besitzt Andreas Fella zwei Meisterbriefe für das Zentralheizungs- und Lüftungsbauer- und Spenglerhandwerk. Mit seinem Tätigkeitschwerpunkt Spenglertechnik trat er 2010 in das elterliche Unternehmen Franz Krauß GmbH + Co. KG ein. Aufgrund des stetig wachsenden Kundenstammes seines Geschäftszweiges entschied sich Andreas Fella 2015, im unterfränkischen Hammelburg ein eigenes Unternehmen, die Metallbasis GmbH & Co KG, zu gründen. Der zweifache Vater beschäftigt in seinem jungen Unternehmen heute fünf Mitarbeiter, darunter einen Auszubildenden im Spenglerhandwerk.

Vom Entwurf zur Werkplanung

Mit der Neugründung änderte sich für seine Stammkunden außer Firmenanschrift nichts, für die Mitarbeiter jedoch vieles. Das neue Firmengebäude ist mit modernster Blechbearbeitungstechnik ausgerüstet: von CNC-gesteuerten Biegemaschinen, über Fräsanlagen für Verbundplatten bis hin zur Schweißstation für individuelle Unterkonstruktionen aus Aluminium und Edelstahl. All dies kam für das Projekt, um das es in dieser Dokumentation geht, zum Einsatz. Es handelt sich hierbei um den Umbau und die Erweiterung eines historischen Wohnhauses in einem kleinen Ort, rund 40 Kilometer vom Bodensee entfernt. Wunsch des Bauherren war, einen großzügigen Wellnessbereich mit Fläche für Tauchbad und Ruhezone innerhalb des Bestandsgebäudes zu gestalten. Somit war es erforderlich, die raumfordernden Installationen der vorgesehenen Dampfsauna nach außen zu verlagern. Aufgabe des beauftragten Münchner Architekten Markus Uhrig war es, für den erforderlichen Sauna-Anbau mit zugehörigem Technikbereich eine passende Hülle zu gestalten. Schon früh bezog der Bauherr zugleich Architektin Katrin und Spenglermeister Andreas Fella in seine Planungen mit ein. Aus verschiedenen Entwürfen wurden Detailskizzen, aus Skizzen schließlich Werkpläne. Die Ausarbeitungen für Fertigung und Montage erfolgten in der „Metallbasis“ Hammelburg via CAD-System.

Theorie und Praxis im Einklang

Das Ergebnis der gestalterischen Kreativleistungen ist ein Kubus mit aufgesetztem Tonnendach. Die Bauelemente grenzen sich nicht nur in ihrer Geometrie scharf ab, sondern auch mit ihren planebenen Oberflächen aus glänzendem Messing und anthrazitfarbenen Außenwandbekleidungen, ähnlich dunkeloxidiertem Kupferblech. Historischer Bestand aus verputztem Mauerwerk und traditioneller Deckung und der moderne Anbau stehen trotz des geometrischen Kontrastes in Bezug zueinander. Der Baukörper wirkt mit ihren traditionellen Oberflächen nicht als Fremdkörper und bildet mit dem neu gestalteten Erschließungsbereich eine Einheit.
Eine Hülle zu entwerfen ist das Eine, diese konstruktiv umzusetzen das Andere. Da Andreas Fella bereits bei der Entwurfsplanung hinzugezogen wurde, konnten Theorie und Praxis in dieser Phase stets in Einklang gebracht werden. Nur so konnten in konstruktiver Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr und Spenglermeister passende Lösungen für alle Details entstehen.

Eine Hülle für das Dach

Da die Saunazelle aus einem kompakten Modul mit eigenem Lüftungssystem besteht, mussten für die Dach- und Kuppelkonstruktion keine bauphysikalischen Sonderkonstruktionen erstellt werden. So besteht das gesamte Traggerüst einschließlich Dämmung aus nachhaltigen Holzbaustoffen. Dach und Fassade sind hinterlüftet konstruiert. Die Dachentwässerung erfolgt nicht sichtbar in eine innenliegende Rinne; die Fallrohre sind in der Fassadenkonstruktion druckfest verlegt und an die Grundleitung angeschlossen. Die Besonderheit der außergewöhnlichen Gebäudehülle ist die Ausführung der Wetterschutz- und Bekleidungsebene für die gewölbte Dachkonstruktion, sowohl innen als auch außen. Die Außenhülle besteht aus zwei Ebenen, einer Dachdeckung aus Kupferblech im Doppelstehfalzsystem und einer Bekleidungsebene aus 4,0 mm Messing-Verbundplatten. Für deren Befestigung montierten die Spengler Z-Profile mit speziellen Falzklemmen parallel zur Dachtraufe. Da keine sichtbaren Befestigungsmittel gewünscht waren, sind sämtliche Dach- und Fassadenelemente mit dem Klebesystem Sika Tack Panel kraftschlüssig und spannungsfrei mit der Unterkonstruktion verbunden. Das System erfordert keine zusätzliche mechanische Befestigung.


Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 07/2020 Klempner Magazin.

Letzte Aktualisierung: 13.10.2020