"Zeigen, was mit Blech möglich ist"

Neben den Bereichen Dach und Holz geht es bei der gleichnamigen Messe auch um das Thema Metall. Klaus Siepenkort, Sachverständiger für das Klempnerhandwerk und verantwortlicher Redakteur beim klempner magazin, über Trends im Klempnerhandwerk, seine Messeplanung und Hilfestellungen bei der Anwendung der Fachregeln.

Klaus Siepenkort
Freut sich auf die DACH+HOLZ: Metall-Fachmann Klaus Siepenkort vom klempner magazin. Foto: DDH

Herr Siepenkort, die DACH+HOLZ trägt das „Metall“ zwar nicht im Namen, aber der Bereich wächst. 2018 wird die Halle 8 sich schwerpunktmäßig dem Metall widmen und auf dem Messe-Forum steht der komplette Mittwoch im Zeichen des Thementags Klempner-Handwerk. Was erwarten und versprechen Sie sich von der Messe?

Dass unser Name etwas untergeht, sind wir Klempner und Spengler gewohnt. Sogar bei unserer Verbandsorganisation ZVSHK steht das „K“ für Klima. Wie Sie richtig festgestellt haben, wächst der Bereich Metall für die Gebäudehülle, obwohl der Trend zur kubischen Bauweise den Metalldächern bei Neubauten Umsatzeinbrüche bescherte. Im Vormarsch sind heute kostengünstige vorgehängte hinterlüftete und somit bauphysikalisch sichere Fassadenkonstruktionen mit Bekleidungsebenen aus Metall. Beispiele wunderbarer Architekturprojekte sind ja immer wieder im klempner magazin zu sehen. Doch gerade im Fassadenbereich kommt es auf die richtige maschinelle und vor allem handwerkliche Verarbeitung an. Deshalb freue ich mich schon jetzt auf den Thementag im Forum und auf die Sonderschau „Klempner-Handwerk“. Hier zeigt die Spenglermeisterschule Schweinfurt mit Ausbildungsleiter Arno Fell, was mit Blech möglich ist und welche Fertigkeiten hierzu erforderlich sind. Meine Erwartung ist, dass der Thementag, die Sonderschau und das breite Angebot der Hersteller in den Messehallen viele neue Dachhandwerker für die Gebäudehülle aus Metall begeistern, die sich dann weiterbilden und viele neue Referenzprojekte schaffen.

Im Vorwort Ihres neu aufgelegten Buches „Metallarbeiten an Dach und Fassade“ schreiben Sie: „EDV und CAD sind für viele Fachbetriebe mittlerweile so wichtig wie Kantbank und die Profilieranlage.“ Was tut sich im Bereich Metall momentan?

Wie gesagt, sind Fassadenbekleidungen aus Metall schon mehr als nur ein Trend. Betriebe, die sich erfolgreich in diesem zukunftsweisenden Tätigkeitsfeld bewegen, haben schon einen Umdenkprozess hinter sich. Während früher Blechcoils auf der Baustelle in der Profilieranlage zu Scharen geformt und die Scharen auf der fertigen Unterkonstruktion verlegt wurden, werden heute höchste Vorfertigungsgrade in der Klempnerwerkstatt erzielt. Das bedeutet natürlich eine präzise Vorplanung der Unterkonstruktion mit allen Funktionsschichten einschließlich Statik sowie sämtlicher Details für die Bekleidungsebene auf dem Reißbrett – oder besser: mit moderner CAD Software. Spezielle Softwareanwendungen ermöglichen heute die Planung der Gebäudehülle aus Metall, von der Visualisierung bis hin zur Datenübergabe der benötigten Bauprofile in die Blechbearbeitungsmaschinen.

Gerade im Metallbereich haben es die Verarbeiter häufiger mit zwei Fachregeln zu tun. Wie gestaltet sich das in der betrieblichen Praxis, auch aus Ihrer Sicht als Sachverständiger?

Zwei Fachregeln für ein Gewerk müssen nicht sein. Insbesondere wenn fachferne Allgemein-Bausachverständige Klempnerarbeiten begutachten mussten, beispielsweise bei Bauabnahmen, hat dies in der Vergangenheit zu ärgerlichen Verwirrungen geführt und zudem Kosten für den Handwerker verursacht. Zum Glück sind die Klempnerfachregeln des ZVSHK und die Fachregeln für Metallarbeiten des ZVDH mittlerweile weitestgehend harmonisiert. Eine fachgerechte Bauausführung ist nach meiner Erfahrung nur bei einer Fachausbildung des Verarbeiters zum Klempnergesellen oder zum Klempnermeister möglich. Hierbei lernt er die einschlägigen Handwerksregeln kennen, weiß sie konsequent anzuwenden – egal ob ZVSHK oder ZVDH – und macht damit die wenigsten Fehler.

In welchem Verhältnis steht Ihr Buch zu den Fachregeln, wie soll der Leser es nutzen?

Als vereidigter Sachverständiger für das Klempnerhandwerk und Autor des Fachbuches spielen die Fachregeln bei meiner Arbeit und somit auch in diesem Werk natürlich eine bedeutende Rolle. Denn hierin sind Jahrzehnte baupraktischer Erfahrungen bis zum heutigen Tage von Experten des Klempnerhandwerks zusammengefasst. Mit dem Buch möchte ich die konkrete Anwendung der Fachregeln mit Beispielen aus der Praxis zeigen – und natürlich auch, was passiert, wenn diese nicht beachtet werden. Es soll dem Leser als praxisorientiertes Nachschlagewerk und Arbeitshilfe für die Vorbereitung und Ausführung von Dach­ und Fassadenkonstruktionen aus Metall dienen.

Was hat sich im Vergleich zur Vorauflage getan?

Seit dem Erscheinen der zweiten Auflage dieses Fachbuches in 2010 wurden zahlreiche Fachregeln und Normen überarbeitet. Wesentliche Änderungen haben sich beispielsweise beim Dachaufbau bezüglich der Einordnung in hinterlüftete und nicht hinterlüftete Konstruktionen ergeben. Ebenso wurden alle Inhalte dieses Buches mit den relevanten Regelwerken abgeglichen, soweit dies erforderlich war. Da die Fassadentechnik für viele Klempnerfachbetriebe oder Klempnerabteilungen in den Unternehmen mittlerweile fester Bestandteil im Firmenportfolio ist, haben wir, auch auf Wunsch vieler Leser, hierzu einige Kapitel ergänzt und neue hinzugefügt. Sie informieren beispielweise über Verbundplattenwerkstoffe oder über Bekleidungen im Metallleichtbau, die gemäß den Richtlinien des IFBS ausgeführt werden.

Hat Ihr Buch zentrale Botschaften an die Leser?

Ja, natürlich: Über das Image des Klempnerhandwerks wird oft diskutiert. Die beste Imagepflege für den Handwerkszweig sind Referenzprojekte mit fachgerecht ausgeführten Metallarbeiten an Dach- und Fassade. Darauf kommt es an und hierbei soll das Fachbuch Hilfestellung geben. Mein Motto: Nur wer die Dehnungsbewegungen im Griff hat, wird expandieren.

Wo kann man Sie auf der DACH+HOLZ treffen?

Während der gesamten Messe irgendwo in Halle 8 und am Rudolf Müller Messestand in Halle 6, Stand 6.210.