Zwiebelturm in neuer Schale

Gut, dass es Falzdächer gibt, denn alle anderen Deckungen wären bereits davongeflogen. Doch Risse und korrodierte Hafte erforderten eine Neudeckung des alten Zwiebelturms der St. Laurentius Kirche in Wolnzach – genau die richtige Aufgabe für die Mainburger Spenglerei Popp.

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Bei der Dachsanierung der Pfarrkirche St. Laurentius wurden Denkmalschutz und moderne Klempnertechnik miteinander vereint. Foto: Martin Richtsfeld

Die dreischiffige, neubarocke St. Laurentius Kirche ist das Herz- und Glanzstück von Wolnzach. 55 Meter lang und 22 Meter breit, nimmt die katholische Pfarrkirche die Südseite des Marktplatzes ein. Der quadratische Turm mit 60 Metern Höhe bis zum Kreuz und seiner seltenen Doppelkuppel ist schon von weitem ein markanter Blickfang. Allein die Kuppel ist 21 Meter hoch und misst eine Diagonale von 9,50 Metern an der Traufe.

Auch die alte Turmdeckung stammte aus dieser Zeit und war somit über 100 Jahre „im Dienst“. Einige Jahre nach verschiedenen Reparaturmaßnahmen am Dach führte Kirchenpfleger Günther Augsburger nach Wassereinbrüchen in die Dachkonstruktion eine erneute Begutachtung des doppelten Zwiebeldaches durch.

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Probleme mit Wassereinbrüchen gab es besonders im flachgeneigten oberen Abschluss des Turmsockels zur ersten Zwiebel. Die Traufbereiche waren ohne Zuluftöffnungen konstruiert. Foto: Josef-Peter Münch

Als Fachberater hinzugezogen wurde Josef-Peter Münch aus Neumarkt, der sich mit handwerklichen Stehfalzdeckungen aus Kupfer und komplizierten Details besonders gut auskennt. Seine Entdeckungen schildert der Experte wie folgt: „Von einem Hubsteiger haben wir zahlreiche neue Risse entdeckt, die aufgrund winderregter Flatterbewegungen entstanden. Es stellte sich heraus, dass in diesen und in anderen Bereichen die Befestigungshaften ohne Funktion waren. Die Scharen konnten zum Teil ohne besonderen Kraftaufwand von der Dachfläche angehoben werden. Auch gab es noch zahlreiche Einschusslöcher aus dem 2. Weltkrieg, die für ständiges Eindringen von Niederschlagswasser in die Dachkonstruktion sorgten. Die damaligen Reparaturen erfolgten vom Dachdeckerfahrtstuhl aus. Der hiermit verbundene schwierige Zugang zu allen Schadensstellen führte dazu, dass nicht alle erreicht wurden oder sie zum Teil nur sehr notdürftig geflickt werden konnten. Auch ein Sturmschaden musste damals beseitigt werden. Diese Fläche wurde in Querbanddeckung mit Einfachfalzen erneuert. Ansonsten erfolgte die Ausführung der unteren und oberen Turmzwiebel in vertikaler Anordnung der Tafeln.“

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Spenglermeister Martin Richtsfeld (rechts) und Vorarbeiter Tobias Scholz bereiten alles für den krönenden Abschluss vor. Gerade wird das wartungsfreie Messinglager am Fuß der Wetterfahne montiert. Foto: Martin Richtsfeld

Letzter Halt im Falzverbund

Die Querbanddeckung ist im süddeutschen Raum oft anzutreffen. Hierbei ist der Anteil der zu formenden vertikalen Falze erheblich geringer und somit etwas einfacher umzusetzen. Der erhöhte Anteil an Querfalzen bietet jedoch weniger Sicherheit bei auftreibendem Wasser, womit an hohen Türmen stets zu rechnen ist. Ursache für den Sturmschaden waren schon damals korrodierte Eisenhafte.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 1/2016.

Klaus Siepenkort

Letzte Aktualisierung: 15.02.2021