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Aufgrund der starken Dachneigung wurden die 350 Bleitafeln von Dachleitern aus verlegt. Foto: Prange

Technik 2011-01-28T00:00:00Z Anschlüsse mit Trick

Das Kloster Dalheim aus dem 15. Jahrhundert soll im neuen alten Glanz erstrahlen und wird derzeit sehr aufwendig saniert. Hierzu zählt auch ein markantes Dach, das nach historischem Vorbild mit Blei gedeckt wurde. Lesen Sie die Details.

Hämmern, Klopfen, Sägen: Dutzende von Handwerkern sind damit beschäftigt, das Kloster Dalheim am westlichen Rand des Eggegebirges rundum zu erneuern. Doch mit der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts nach zweijähriger Bauzeit kehrt im Kloster etwas mehr Ruhe ein. Mit dem Umbau knüpft das Kloster an seine Wurzeln an.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, heutiger Eigentümer der Anlage, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Klostergebäude nach historischen Vorlagen detailgetreu zu sanieren. In den wiederhergestellten Räumen können Besucher ein einzigartiges Museum für klösterliche Kulturgeschichte in Deutschland besichtigen. Aber auch architektonische Besonderheiten hat die mittelalterliche Anlage zu bieten. Neben imposanten Fassaden und ausladenden Flächen glänzt die Architektur der Anlage mit einer Vielzahl kleiner Details. Architektonischer Blickfang ist beispielsweise das Dach des Nordflügels eines Kreuzgangs. Der gesamte Gebäudetrakt wurde bei einem Brand im 19. Jahrhundert schwer beschädigt; das erste Obergeschoss war niedergebrannt und wurde nicht wieder aufgebaut. Auf das Erdgeschoss setzte man nur ein provisorisches Ziegeldach. Es sollte fast zwei Jahrhunderte dauern, bis der Originalzustand wiederhergestellt wurde und der heutige Eigentümer den Auftrag für die neue Bedachung erteilte. Dabei stellten die Gegebenheiten des Daches besondere klempnertechnische Herausforderungen. Das rund 16 Meter hohe Pultdach lehnt sich direkt an die Außenwand der deutlich höheren Klosterkirche an, dazu ragen ein Vorsprung und drei Strebepfeiler in die Dachfläche hinein. An der Ostseite verliert sich die Fläche in eine verwinkelte Ecke und endet an einem runden Turm. Daraus ergeben sich vielfältige Anschlusssituationen, die hohe funktionale und ästhetische Anforderungen stellen. Harmonisch anpassen Gesucht wurde ein Baustoff, der diese Kriterien zuverlässig und dauerhaft erfüllt.

Die Wahl fiel auf den Werkstoff Walzblei, da die Formbarkeit des Materials ein passgenaues Anarbeiten der komplexen Anschlusssituation auf dem Dach ermöglicht. Auch die vielen Schnittstellen zwischen Dachfläche und dem angrenzenden Gemäuer bedurften einer regensicheren und wartungsfreien Verwahrung. Auch ästhetisch überzeugte der Werkstoff Walzblei den Bauherrn, da es sich um einen traditionellen Werkstoff handelt und mit dem historischen Gebäudekomplex harmonisiert. Die Vorbereitungen begannen schon weit vor dem eigentlichen Baubeginn. Bereits in den Wintermonaten wurde das Walzblei im Lager des ausführenden Handwerkbetriebs Prange Klempnertechnik vorbereitet und beidseitig mit Patinieröl behandelt. So bleibt das Material vor Schlierenbildung geschützt, bis sich eine natürliche Patina ausbildet. Innerhalb der rund vierwöchigen Bauzeit war Klempnermeister Frank Henke mit einem sechsköpfigen Team im Einsatz. Zuerst war nicht handwerkliches, sondern logistisches Geschick gefordert. Da das zum Innenhof geneigte Dach nur durch eine schmale Tür zu erreichen ist, gab es keine Möglichkeit, den Einsatzort direkt zu beliefern. Das Baugerüst wurde mit einem Autokran über die Klosterkirche gehievt.

Zwölf Tonnen Blei

Die insgesamt zwölf Tonnen Blei mussten Schare um Schare in den Innenhof getragen werden. Die Folge: Eine Woche lang waren drei Mitarbeiter im Einsatz, um die jeweils 37 Kilogramm schweren Schare per Hand oder Schubkarren anzuliefern. "Unsere Mitarbeiter haben mit den Bleiplatten bis zu 120 Meter vom Transporter bis in den Innenhof zurückgelegt", erklärt Klempnermeister Frank Henke. "Das ist schon eine sehr sportliche Leistung." Bei der Ausführung mussten einige Besonderheiten beachtet werden. So sollten die Deckflächen links und rechts der Strebepfeiler gleich breit sein. Deshalb erfolgte die Aufteilung der Scharen ausgehend von den Strebepfeilern in zwei Richtungen. Hierzu schnürten die Klempner das ganze Dach vertikal und horizontal ab. An der Traufe und First brachten sie Lochbleche zur Be- und Entlüftung an, damit die Luftzirkulation zwischen der Schalung und den Sparren gewährleistet ist. Aufgrund der starken Dachneigung von 28 Grad erfolgten die Arbeiten unter erschwerten Bedingungen von Dachleitern aus.

Insgesamt verlegte die Firma Prange auf einer Fläche von rund 315 Quadratmetern insgesamt 350 Bleitafeln mit den Abmessungen 1.500 × 550 und 2,5 Millimeter Dicke in kleiner Hohlwulstdeckung. Bei der Dachneigung betrug die erforderliche Überdeckung der Tafeln 220 Millimeter. Die Befestigung erfolgte mit Kupferhaften und gerillten Edelstahlnägeln auf der Holzunterkonstruktion. Endungen mit Schablone.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 5/2010.

zuletzt editiert am 15. April 2021
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