Leichtbaukonstruktionen: Mit der strategischen Erneuerung des Baufachzentrums AS5. erstrahlt nun auch das in die Jahre gekommene Gebäudeensemble im neuen Glanz. Verkaufshalle, altes Lager und freistehende Regalwände sind jetzt von einer dreidimensional geformten Aluminiumbekleidung verhüllt.
Als eines der ältesten Familienunternehmen versorgt AS5. seit mehr als 125 Jahren das gesamte Rhein-Main-Gebiet mit Produkten für den Bau. Im Mai 1900 gründete Anton Schneider 5. den Handelsbetrieb für Kohle, Holz und Baustoffe. Da Anton Schneider damals ein weit verbreiterter Name war, erhielten diese Personen zusätzlich eine Nummer hinter ihrem Namen, um die Postzustellung sicherzustellen. Die 5 ist seitdem ein fester Bestandteil des Firmennamens. Heute umfasst das Portfolio des Handelshauses Baustoffe vom Keller und Garten bis zum Dach sowie alle dazugehörigen Profiwerkzeuge. Fachunternehmen wie Endkunden werden an verschiedenen Standorten der Region professionell bedient. Viele Bauprojekte im Großraum Frankfurt sind mit Anton Schneider 5. verwirklicht, beispielsweise die Flughafenterminals 1, 2 und 3, das Europaviertel, der Main Tower oder der Messeturm. Neben den Profis gehen die Heimwerker in den „rundum sorglos“ Baumarkt an der Geisenheimer Straße 2, nahe des Airports.
Nach der Eröffnung eines neuen Standortes nur für Dachbaustoffe 2015 und den großzügigen Umbau- und Sanierungsmaßnahmen am Außenlager 2022 galt es, nun auch den Hauptsitz in Schwanheim einem Upgrade zu unterziehen. Der Standort umfasst einen modernen Bedachungshandel für Profis auf 8.000 m². Ziel war, das in die Jahre gekommene Gebäudeensemble mit Verkaufshalle, Lager und freistehenden Schwerlastregalen für Holzwerkstoffe unter einen „Hut“ zu bekommen. Die Bebauung grenzt mit ihrer 180 Meter langen, zum Teil bogenförmigen Umfassungsmauer an den Kreuzungsbereich einer Hauptverkehrsader und der Zufahrtstraße zum Firmengelände.
Drei unter einem Dach
Wie bei vielen Bauvorhaben von AS5. erhielt der Frankfurter Architekt René Bössmann die Aufgabe, sich um die Sanierung und Neugestaltung des Standortes zu kümmern. Sein Ziel war, das Traditionsunternehmen an der prominenten, stark frequentierten Verkehrsfläche unübersehbar zu markieren. Bei der Entwicklung der passenden Bauwerksarchitektur spielte der Begriff „bogenförmig“ eine bedeutende Rolle. Der Entwurf sah eine harmonisch geschwungene Aluminiumfassade vor, die sich perfekt an die Gegebenheiten des Grundstücks anpasst. Die neue Fassade sollte nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional überzeugen – also die Nutzbarkeit des vorhandenen Platzes auf der Hofinnenseite maximieren und gleichzeitig eine moderne, zeitlose und wetterfeste Außenhülle bieten.
Als Spezialisten bogenförmiger Gebäudehüllen zog René Bössmann den Anwendungs- und Fachberater Dietmar Schuh von Kalzip hinzu. Der Hersteller von Bausystemen aus Aluminium verfügt über einschlägiges Know-how zur Fertigung freigeformter industrieller Stehfalzprofile, einschließlich der zugehörigen gebogenen Unterkonstruktionen. Zum fachlichen Austausch aus handwerklicher Sicht eingeladen wurde zudem ein guter Kunde des Baufachzentrums, der Spengler-Fachbetrieb Ruhland-Riegler aus dem nahe gelegenen Rödermark. Die beiden Geschäftsführer Christian Müller und Spenglermeister Klaus Riegler kennen sich mit Kalzip-Systemen bestens aus, was die Referenzliste beweist. Die beiden Experten ergänzen sich perfekt mit ihren Kompetenzen in der Planung und handwerklich-technischen Umsetzung. Herausgekommen ist bei der Sitzung des Arbeitskreises eine 180 Meter lange, in den bogenförmigen Bereichen des Grundstückes dreidimensional gewölbte Wand aus industriellen Aluminium Stehfalzprofilen.
Eine Oberfläche, drei Unterkonstruktionen
Nicht nur bei der komplizierten maschinellen Formgebung der Stehfalzbahnen war Expertenwissen gefragt. Eine besondere Herausforderung ergab sich zudem mit den unterschiedlichen Traggründen. Für die Befestigung der gerundeten, zum Teil konisch frei geformten Metallbekleidungen mit großen Maßtoleranzen zum Traggrund kam das System FlexiCon von Kalzip zum Einsatz. Es besteht aus projektspezifisch gebogenen Rohren, die der jeweiligen Dachgeometrie folgen. Die speziellen Konsolen oder Klipps lassen sich auf dem Rohr durch drei Messpunkte dreidimensional ausrichten und justieren. Hierzu berichtet Christian Müller: „Mit der Nutzung der Schwerlastregale als Tragkonstruktion haben wir uns schon recht weit aus dem Fenster gelehnt. In Zusammenarbeit mit den Planungsspezialisten Dietmar Schuh und Andreas Bullmann von Systea konnten wir jedoch auch für diesen Spezialfall eine statisch sichere Lösung finden. Hierzu haben wir die Systeme FlexiCon von Kalzip und die Fassaden-Distanzkonstruktion Alkapo Systea kombiniert. Es basiert auf kastenförmigen Tragprofilen mit hoher Tragfähigkeit, U-Wandhaltern und optionalem Zubehör. Bei Fachweiten bis 4.500 mm sind mit dem Regal Feldlasten bis 32.700 kg und Fachlasten bis 5.100 kg realisierbar. Die vorgehängte Leichtbaufassade stellte letztendlich kein statisches Problem dar. Die zu bekleidenden Wandflächen der anderen Gebäudeteile waren der Standard, wie wir sie im Sanierungsbereich oft vorfinden!“
Radien an der Grenze
Zusammen mit Dietmar Schuh legte Architekt Bössmann zunächst die gewünschte Rundung der Leichtbaufassade fest. Hierbei ging er mit einem Radius von 1.30 Meter – und sogar etwas darunter – an die Grenze des Machbaren. „Bei diesem Radius, mit zusätzlich konischen Zuschnitten und 7,40 Meter langen Profilbahnen, kam auch unser Team in der Fertigung ins Schwitzen. Es benötigte mehrere Durchgänge und geschickte Hände, bis das Profil die gewünschte Form hatte. Dies wurde stets mithilfe einer exakt gefertigten Schablone von der Firma Ruhland + Riegler abgeglichen“, erinnert sich der Kalzip-Experte.
Nach Klärung aller Details erstellte Christian Müller die Werkplanung auf Basis der sehr gut ausgearbeiteten Ausführungsplanung von Marian Linhart, Architekturbüro Bössmann. Sie war wichtigste Grundlage für die Fertigung der Stehfalzprofile und Rundrohre, für die Zusammenstellung des Materials der Unterkonstruktion und letztendlich für die Montage vor Ort. „Der aufwendigste, auch zeitaufwendigste Teil bei diesem Projekt war die Montage der Unterkonstruktion. Denn hier galt es, die Weichen für eine problemlose, schnelle Verlegung der Profilbahnen zu stellen und eine hohe Qualität der Oberflächen zu erzielen. Dies ist unserem Team bestmöglich gelungen“, freut sich Christian Müller.
Mit dem Baufortschritt der Fassadenkonstruktionen lieferte Kalzip paketweise die werkseitig fertiggestellten Profilbahnen. Um diese unbeschadet zur Baustelle zu schaffen, mussten zunächst individuelle und für regelmäßige Anlieferung wiederverwendbare Transportpaletten gezimmert werden. Dank der guten Vorbereitung und dem einspielten Montageteam der Firma Ruhland-Riegler verliefen die Arbeiten reibungslos und im geplanten Zeitrahmen.
Zeitlos, modern und wetterfest
Im Rahmen der Neugestaltung und parallel zu den Arbeiten an der gewölbten Geländeumfassung erhielt auch der angrenzende Baufachmarkt ein neues Dach. Der Spenglerbetrieb aus Rödermark verlegte hierzu rund 1.400 Profilbahnen aus gleichem Material. 300 m² grau beschichtete Verbundplatten des Fabrikats Prefabond, an den Giebelwänden in Klebetechnik verlegt, und ein prominent platziertes Firmenlogo runden das neue Design von AS5. seriös ab.
Der Entwurf des Frankfurter Architekturbüros Bössmann mit der geschwungenen Aluminiumfassade passt sich in der Ausführung perfekt an die Gegebenheiten des Grundstücks an. Die neue Fassade überzeugt nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional. Sie erfüllt eine doppelte Aufgabe: Sie maximiert die Nutzbarkeit des vorhandenen Platzes auf der Hofinnenseite und bietet gleichzeitig eine moderne, zeitlose und wetterfeste Außenhülle.
Über die Ruhland + Riegler GmbH
Bis 2019 führten Christian Müller und Klaus Riegler noch ihre eigenen Unternehmen: Zwei Firmen, die im Rhein-Main-Gebiet schon seit 1993 leistungsstark im Bereich der Dach- und Fassadenbekleidung aus Metall waren. Um die hohen Anforderungen der Kunden noch besser erfüllen zu können, fusionierten die Unternehmen. So wurde 2020 aus der Ruhland GmbH von Christian Müller und der Klaus Riegler GmbH die neue Ruhland + Riegler GmbH. Ihre Stärken liegen sowohl in der Planung, der zeichnerischen Darstellung und Beratung als auch in der fachgerechten Ausführung. „Unser Ziel ist es, stets die Wünsche der Architekten und Bauherren zu erfüllen und eine hochwertige Bauausführung abzuliefern“, sind sich die beiden Geschäftsführer einig. Das Ruhland + Riegler-Team besteht aus Ingenieuren, Meistern, Kaufleuten und einem Spenglerteam, das auch die ausgefallenen Wünsche umsetzt.