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Mit der großformatigen Tafeldeckung aus matt braun beschichtetem Aluminium ist der Charakter als Schutzdach mit großformatigen und überlappenden Holzplatten erhalten geblieben. Foto: Binder

Technik 2013-05-24T00:00:00Z Deckung mit Charakter

Das Dach der alten Ruinenkirche im Spindeltal war nach 15 Jahren marode. Die Firma Binder aus Ingolstadt schützte das historische Gebäude jetzt mit einem neuen individuellen Metalldach vor dem weiteren Verfall – und Wallfahrer vor dem Regen.

Die kleine eher unscheinbare Kapelle im Spindeltal blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. In den Jahren 1477/78 ließ Georg von Helfenstein, Inhaber der Hofmark Wellheim, am Standort einer älteren baufälligen Kapelle eine Kirche im damals modernen gotischen Baustil errichten. Er widmete sie der heiligen Jungfrau Maria. Das Kirchlein im schmalen Seitental des Urdonautals entwickelt sich bald zu einer stark frequentierten Wallfahrtstätte und somit zu einem interessanten Wirtschaftsfaktor. Schon bald brach ein Streit um die Einkünfte des Opferstocks aus, der sich beinahe bis durch das gesamte 18. Jahrhundert zog. Angesichts der offensichtlichen Unmöglichkeit, ihn zu schlichten, sprachen sich die Ordinariate von Augsburg und Eichstätt schließlich 1781 für die Beendigung der Wallfahrt und den Abbruch der Kirche aus, um den jahrzehntelangen erbitterten Zwist endgültig zu beenden. Man verständigte sich dann aber auf eine kleinere Lösung, nämlich die Kirche nicht abzureißen, sondern sie nur zu schließen und dem natürlichen Verfall zu überlassen. Da die Wallfahrten trotz geschlossener Kirche nicht nachlassen, lässt Landrichter von Monheim das Gebäude 1783 bis auf die Grundmauern niederreißen – nur die Giebel bleiben stehen. Zum Zweck der Wiedereinrichtung der Spindeltalwallfahrt entsteht 1991 der Förderverein „Freunde der Spindeltalkirche“. Er mauert die Ruinenkirche teilweise wieder auf, errichtet ein Schutzdach, baut Fenster und Türen ein und stellt und Bänke auf. Die Kirche ist wieder regelmäßig Ziel von Gläubigen (vgl. www.augusta.de ).

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Aufgrund der begrenzten Befestigungsmöglichkeiten in den Rückfalzen, wurden die Tafeln zusätzlich mit Spezialkleber auf den Untergrund geklebt. Fotos: Binder

Das Schutzdach wurde 1996 errichtet und besteht aus einem Stahldachstuhl, der mit Holzwerkstoffplatten abgedeckt ist. Diese Platten hielten immerhin etwa 15 Jahre, waren dann aber so geschädigt, dass eine Sanierung erforderlich wurde. Dabei sollte der Charakter als Schutzdach mit seinen großformatigen und überlappenden Holzplatten nicht verloren gehen. Johannes Binder, Geschäftsführer der Binder und Sohn GmbH aus Ingolstadt, empfahl eine großformatige Tafeldeckung aus matt braun beschichtetem Aluminium, die nach einer Bemusterung schließlich zur Ausführung kam.
Da insbesondere die Befestigungsmittel der Platten korrodiert waren, mussten sie zunächst mit Edelstahlschrauben auf der Unterkonstruktion neu fixiert werden. Die Aluminiumtafeln wurden, ähnlich einer Stulppaneele in der Werkstatt aus 1000 mm Band vorgefertigt. Aufgrund der großen Zuschnittbreite und der hierdurch begrenzten Befestigungsmöglichkeiten in den Rückfalzen, wurden die Tafeln zusätzlich mit Spezialkleber auf den Untergrund geklebt. Die Struktur des Deckung blieb auf diese Weise nahezu 1:1 erhalten. Der Verein „Freunde der Spindeltalkirche e.V.“ ist von dem Ergebnis sehr zufrieden und freut sich über die vielen Wallfahrer, die unter dem neuen Dach vor Wind und Wetter bestens geschützt sind.

Klaus Siepenkort

zuletzt editiert am 15. April 2021
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