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Die Zürcher Scherrer Metec AG erstellte diese ­Bushaltestelle als Komplettleistung einschließlich der Planung bis zur Fertigstellung.

Technik 2013-08-12T00:00:00Z Der schwebende Lichthof

Mitten auf dem neu gestalteten Wettinger Bahnhofsplatz zieht ein Objekt alle Blicke auf sich – ein Busperron mit einem einzigartigen, goldglänzenden Dach, das auf seinen Stützen zu schweben scheint.

Eine wohlüberlegte Stadtmöblierung braucht keine Wegweiser, um den Menschen Orientierung zu geben. Der Wettinger Busperron (Perron = Bahnsteig – schweizerisch, früher auch in Österreich und Deutschland gebräuchlich) signalisiert seine Funktion auf den ersten Blick. Wie eine exotische Insel steht er inmitten des kühl-sachlichen Bahnhofsplatzes und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Sein kräftiges, wohlgeformtes Dach verspricht Schutz, sein warmes Licht verstärkt sich mit goldfarbenen Reflexen – der Perron macht aus dem Warten ein Verweilen.
Der Busperron gibt ein schönes Beispiel, wie ein an sich unspektakulärer Auftrag zu einem architektonisch wie handwerklichen Vorbild führen kann. Das Ensemble Wettinger Bahnhof und Güterschuppen stammt noch aus der Zeit der ersten Schweizer Eisenbahnlinie. Es wurde von den SBB sorgfältig ­restauriert und mit hindernisfreien ­Perrons auf den aktuellen Stand gebracht. Die Gemeinde übernahm die Neugestaltung des Vorplatzes und ­verlegte den Busbahnhof von jenseits der Gleise auf den Vorplatz. Sein heller Betonbelag und der Busperron mit dem markanten Dach verleihen dem Platz einen speziellen Charakter – ­einmal ­etwas anders als ein hierfür üblicher Glaspavillon, der sich unauffällig in seine Umgebung integriert. Die Architekten konzipierten zwar eine denkbar einfache Form, ein Flachdach auf Stützen, dies aber mit einer besonderen Materialgestaltung. Obwohl nur vier Meter hoch, wirkt der Busperron wie ein Leuchtturm, dessen Form, Material und Ausstrahlung die Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Alles aus einer Hand
Den Auftrag für den Bau des Perrons erhielt die Zürcher Scherrer Metec AG auf Basis ihrer Offerte „Alles aus einer Hand“. Dazu gehören die Planung und Konstruktion nach den Entwürfen der Architekten, der Stahlbau, die Messingverkleidung, die Dachabdichtung sowie Gerüstbau, Logistik und Koordination. Für Bauherrschaft und Architekten ist dies eine komfortable Zusammenarbeit mit nur einem Ansprechpartner. Für den Auftragnehmer bietet sich die Möglichkeit, durch interne Abstimmungen die Abläufe effizient zu gestalten und die Bauzeit auf fünf bis sechs Wochen zu reduzieren, selbstverständlich bei laufendem Verkehr rundherum.
Das Traggerüst ist eine Stahlbau-Konstruktion. Diagonal zueinander aufgestellte runde Stützen aus massivem 10-mm-Stahl sind in Betonfundamenten verankert. Darüber liegen Längs- und Querträger mit den Montagepunkten für Technik und Verkleidung. Rein rechnerisch hätte die Stahlkonstruktion eine Traglast bis 2.000 Tonnen. Das ist quasi ein Nebeneffekt der realisierten biegesteifen Stabilität, um bei starkem Winddruck jegliches Spiel der Dachkonstruktion zu reduzieren. Um es anschaulich zu formulieren: Das Ding steht wie eine Eins. Reine Präzisionsarbeit war die Anpassung der Stahlkonstruktion für die amorphe Form der Dachfläche. Sie folgt der Grundform des Platzes mit den Fahrbahnkanten des Perrons, die zwar gerade, aber nicht parallel sind. Auch die Querseiten sind asymmetrisch geschwungen, was insgesamt eine komplizierte Geometrie ergibt, die der Rechtwinkligkeit üblicher Stahlbauprofile widerstrebt.

Daniel Hunziker

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 05.2013.

zuletzt editiert am 15. April 2021
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