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Außen verhüllt und innen lebendig – den Bürger- und Klempnermeistern sei Dank. Das neue Bürgerzentrum unterscheidet sich deutlich von der historischen Umgebung und zieht die Litzendorfer an wie ein Magnet. Fotos: Fleischer MetallFaszinationen

Technik 2013-03-05T00:00:00Z Ein Highlight für Litzendorf

Mit dem Neubau der Ortsbibliothek schuf Bürgermeister Wolfgang Möhrlein für seine Litzendorfer Bürger ein attraktives Begegnungszentrum. Mit einer Fassade aus "goldenem" Streckmetall sorgte Mike Fleischer für ein klempnertechnisches Highlight.

Hinter dem Motto "Lebendiges Litzendorf" verbirgt sich ein Projekt der Städtebauförderung der Regierung von Oberfranken. Aufgrund eines brachliegenden Ortskerns, der ein gut funktionierendes Gemeindeleben behinderte, plante die Gemeinde mithilfe des BundLänderStädtebauförderungsprogramms "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" bereits 2008 eine Reihe dringend anstehender Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Hierzu lobte Bürgermeister Wolfgang Möhrlein einen eingeladenen, kooperativen und öffentlichen Architektenworkshop mit Realisierungs- und Ideenteil aus, um alternative Vorschläge für die Planungsaufgabe zu erhalten. Ziel war die Entwicklung einer neuen städtebaulichen Mitte mit Gemeinbedarfseinrichtungen. Hierzu zählte unter anderem die Errichtung eines neuen Gemeindezentrums mit Bibliothek, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen sowie Tourismus und Bürgerbüro.1) "Unsere Gemeindebücherei befand sich im Jahr 2000 noch in einem Schulgebäude. In dieser Zeit wurden rund 5.000 Bücher verliehen. Durch unser stetig erweitertes Angebot wurde die Bibliothek so gut angenommen, dass 2010 bereits 45.000 Bücher ausgeliehen wurden. Bei so vielen Nutzern lag es nahe, die Bibliothek in einem neuen Bürgerzentrum im Ortskern zu integrieren", erklärt Wolfgang Möhrlein. In der nachwettbewerblichen Umplanung setzte sich für das neue Bürgerzentrum ein Entwurf mit moderner und kreativer Architektur durch, der sich vollständig von der historischen Umgebung unterscheidet.

Luftdurchlässig und wetterfest

Kreativ gestaltet ist zunächst die Gebäudeform - der dreigeschossige Büchereineubau hat einen trapezförmigen Grundriss und schließt mit einem zwanzig Grad geneigten Satteldach ab. Das Besondere am neuen Gebäude aber stellt zweifelsfrei die "goldene" Gebäudehülle dar. Dach und Fassade sind mit Streckmetall aus einer Kupfer-/Alulegierung des Fabrikats Tecu-Gold bekleidet oder besser: verhüllt. Der goldene Farbton dieser Oberflächenqualität entwickelt sich bei freier Bewitterung mit einer ganz eigenen Charakteristik allmählich zu einer goldbraunen Oberfläche weiter.Tief in die Fassade eingelassene Fensterbänder sorgen für Abwechslung in der homogenen Fassadenoberfläche. Ein architektonisches Highlight im fränkischen, gut 6.000 Einwohner zählenden Litzendorf.

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Die Befestigung der Kupfer-Dachverhüllung erfolgte mit speziellen Rohrschellen und mittels Schneefangrohrsystem auf der Doppelstehfalzdeckung.

Bei der Umgestaltung des Erstentwurfes durch die H²M-Architekten, die als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervorgingen, erhielten die Planer fachkundige Unterstützung von Josef-Peter Münch, Fachberater bei KME-Osnabrück. Insbesondere der konstruktive Aufbau der einzelnen Funktionsschichten ab dem Traggrund erforderte fundiertes Fachwissen der Dach- und Fassadentechnik, die der Spezialist aus den Erfahrungen zahlreicher realisierter Projekte für eine handwerksgerechte Detailplanung einbrachte. Die Außenwandbekleidung konzipierte das Planungsteam als vorgehängte frei hinterlüftete Fassadenkonstruktion (VHF) - frei, aufgrund der offenen Oberflächenstruktur des Streckmetalls mit einer großen Maschenweite 110/52/24 Millimeter. "Die Unterkonstruktion ab dem Untergrund aus Beton besteht aus Distanzhaltern mit Klemmfeder, die den Ausgleich von Toleranzen bis zu zwanzig Millimeter ermöglichen. Der weitere Aufbau besteht aus waagrechten L-Profilen, die in die Klemmfeder gesteckt und anschließend fixiert werden. Hieran befestigt sind die vertikal angeordneten Hutprofile zur Befestigung des Streckmetalls. Als Fassadendämmung kam eine zweilagige wasserabweisende Steinwolle zum Einsatz, die mechanisch befestigt ist. Aufgrund der offenen Struktur der äußeren Bekleidungsebene musste für den Wetterschutz der Dämmung eine wind- und wasserdichte, aber diffusionsoffene Fassadenbahn angeordnet werden. Sie dient gleichzeitig als Sichtschutz und sorgt für ein gleichmäßiges optisches Erscheinungsbild des "goldenen" Streckmetalls, erklärt Josef-Peter Münch den Wandaufbau.

Toleranzen im Griff

Den Auftrag für die handwerkliche Umsetzung der goldenen Gebäudehülle erhielt die Firma Fleischer MetallFaszinationen aus Neuhaus am Rennweg. Das Unternehmen kann ebenfalls auf zahlreiche komplexe Bauaufgaben und Referenzen außerhalb des Klempneralltags zurückblicken, wie beispielsweise das Jüdische Zentrum in Mainz. Die komplizierte Dachgeometrie erforderte seinerzeit ein individuelles Entwässerungskonzept, für das Klempnermeister Mike Fleischer eine schlaue Lösung entwickelte (siehe auch klempner magazin 6/2010). Herausforderung am neuen Bürgerzentrum Litzendorf waren der Aufbau der Unterkonstruktion für die Streckmetallhülle und der Ausgleich von Maßtoleranzen.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 02.2013 des klempner magazins.

zuletzt editiert am 15. April 2021
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