Um die Anforderungen des Bauherrn zu erfüllen, fiel die Wahl auf ein kleinteiliges Metalldachdachsystem aus Oxid Rot farbbeschichteten Aluminium-Dachrauten. Grate sind mit „Froschmaulluken“ entlüftet. Quelle: Bauspenglerei Schuster, Lindenberg (Quelle: Bauspenglerei Schuster, Lindenberg)
Um die Anforderungen des Bauherrn zu erfüllen, fiel die Wahl auf ein kleinteiliges Metalldachdachsystem aus Oxid Rot farbbeschichteten Aluminium-Dachrauten. Grate sind mit „Froschmaulluken“ entlüftet. (Quelle: Bauspenglerei Schuster, Lindenberg)

Technik

15. November 2021 | Teilen auf:

Ein schöner Hut für klein Paris

Die Philosophie der Bauspenglerei Schuster ist, mit ihren Restaurierungen einen Beitrag zum Erhalt des Stadtbildes zu leisten. Eindrucksvoll gelungen ist ihr dies am Dach eines Altstadthauses aus dem Jahr 1908 in der Bergstadt Lindenberg, dem „klein Paris“ des Allgäus.

Die Stadt Lindenberg, wurde als Hutstadt geprägt und ist Firmensitz der Bauspenglerei Schuster. In diesem Ort, der aus diesem Grunde auch „klein Paris“ genannt wird, ist die Spenglerei bekannt für ihre besondere Handschrift, die sie mit ihren vielfältigen Metallbekleidungen an Dach- und Fassade hinterlässt. Hierzu zählte auch die Bauaufgabe für ein sanierungsbedürftiges Altstadthaus aus dem Jahr 1908, die die Bauspenglerei in ihrer Heimatstadt lösen musste. Das Haus sollte nach modernsten Gesichtspunkten der EnEV und unter Erhalt des optischen Charakters grundlegend saniert werden. Die energetische Sanierung umfasste Kellertrocknung und Wandentfeuchtung, Brandschutzisolierung mit Steinwolle, den Einbau dreifacher Sonnenschutzverglasung, Brennstoffzellenheizung zur Eigenstromerzeugung, sowie einer kontrollierten Ent- u. Belüftung mit Wärme und Feuchterückgewinnung. Anschließend musste eine komplette Dachstuhlerneuerung mit verschiedenen Gauben und innenliegender Dachterrasse umgesetzt werden. Die Dachgaube mit Balkon auf der Westseite ist, mit Blick auf die Nutzung als Kita und Volkshochschule, als Fluchtweg gemäß den Anforderungen der Gebäudeklasse 4 konzipiert.

Alter Dachaufbau: • Kaltdachboden ohne Dämmung u. Isolierung • von innen sichtbare Ziegeldeckung • Geschossdeckendämmung ca. 80 mm Glaswolle (Quelle: Bauspenglerei Schuster, Lindenberg)

Das Stadtbild im Blick

„Zielsetzung bei jedem unserer Projekte ist Entwicklung und Umsetzung eines nachhaltigen Sanierungskonzeptes. Dabei haben wir immer mit im Blick, auch einen Beitrag zum Erhalt des Stadtbildes zu leisten“, beschreibt Spenglermeister Rainer Schuster: „Hierbei ist einerseits die Liebe zum Handwerk mit der besonderen Handschrift, aber gleichzeitig auch die Senkung der Betriebskosten und Nutzung vorhandene Ressourcen verbunden.“ Um die Anforderungen des Bauherrn nach einer sturmsicheren, bruchfesten, sowie umweltfreundlichen Dachgestaltung erfüllen zu können, fiel die Wahl in den 52 Grad geneigten Dachflächen auf ein kleinteiliges Metalldachdachsystem aus Oxid Rot farbbeschichteten Aluminium-Dachrauten. Der Farbton wurde in Anlehnung der vorherigen Biberschwanzdeckung aus rotem Ton gewählt. Der Grat wurde mit Lüfterhauben, sogenannten „Froschmaulluken“ entlüftet. Die Entlüftung Dachflächen erfolgte am Übergang zum Walmdach. Die flachgeneigten Gauben- und Walmdachflächen wurden in Doppelstehfalztechnik mit Prefalz Aluminum ebenfalls in Oxid Rot und Oberflächenqualität Stucco P10 eingedeckt. Um das gesamte Farbkonzept der Gebäude-Außenwände aufzunehmen, wurden die Fronten und Leibungen der Gaubenfenster in hellgrau Stucco P 10 ausgeführt. Die Dachentwässerung mit ihren oxidroten Ablaufrohren setzt zusätzlichen Kontrast und farbliche Akzente.

Neuer Dachaufbau: • Sparrendicke 240 mm • Zwischensparrendämmung Mineralwolle 240 mm • Holzfaserdämmung 60 mm • Unterspannbahn (Quelle: Bauspenglerei Schuster, Lindenberg)

Schneelasten in Griff

Mittlerweile wird in Lindenberg bei Schneelastzone 3 ein charakteristischer Wert von 475 kg/m² angesetzt. 1975 waren dies im Vergleich nur 255 kg /m². „Das gewählte kleinteilige Dachsystem kann diesen höheren Anforderungen problemlos gerecht werden. Um die Sicherheit vor Schneelawinen zu gewährleisten, haben wir in der Dachfläche sechs Schneestopper pro m² angeordnet und an den Traufen zusätzliche Schneefangrechen“, erklärt Rainer Schuster. Der entstandene Mehrwert der umfassend überarbeiteten Dachkonstruktion wird im nachstehenden Vergleich der Dachaufbauten - vor und nach der Sanierung - sehr deutlich. Der Dachboden ist als Wohnung mit zwei Ebenen, einer Galerie und Dachterrasse ausgebaut, in der es sich heute wunderbar leben lässt.

Als Innungs- und Ausbildungsbetrieb sind interessierte junge Menschen mit Ausbildungsabsicht bei der Bauspenglerei Schuster stets herzlich willkommen. Sie sind eingeladen, an Schnupperwochen teilzunehmen um das schöne Klempner-/Spenglerhandwerk kennenzulernen und live zu erleben. Sowohl bei interessanten Projekten auf der Baustelle als auch in der Klempnerwerkstatt mit modernem Maschinenpark erhalten sie Einblick in die Welt der handwerklichen und maschinellen Blechbearbeitung.

Das ist eine richtig gute Idee! Weitere Informationen: www.bauspenglerei-schuster.de.

zuletzt editiert am 15.11.2021