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Nach dem Entfernen des Turmgerüstes musste noch die Deckung der 15 Grad geneigten Dachfläche über dem Kircheninnenraum ausgeführt werden. Rechtzeitig zu den anstehenden Weihnachtsfeierlichkeiten der Gemeinde wurde die Sanierungsmaßnahme abgeschlossen.Foto: Siepenkort

Technik 2011-01-28T00:00:00Z Filmreif saniert

Verzinntes Kupfer: Erst 50 Jahre alt, schön in der Form, aber unsicher im Sturm die Befestigungselemente der Metalldeckung an der Auferstehungskirche in Marl hielten den Witterungseinflüssen nicht mehr stand. Wir beschreiben, wie Klempnermeister Frank Henke Dach und Stahlbetontragwerk mit einer Metallkombination sanierte.

Die Auferstehungskirche in Marl wurde erst 1959 nach modernen Plänen erbaut und hebt sich von der Kirchenarchitektur der Region ab. Die vorhandene Doppelstehfalzdeckung des achteckigen, etwa 27 Meter hohen Turmhelms hielt nach vergleichbar kurzer Zeit den Windlasten nicht mehr stand. So ließ die Gemeinde bereits vor einigen Jahren die Metalldeckung provisorisch sichern. Eine Untersuchung in 2008 ergab, dass die Haften und die Befestigungsmittel nicht mehr mit der Holzunterkonstruktion verbunden waren. "Im gesamten Turmbereich wurde die Kupferdeckung mittels Messingwinkeln und Messingschrauben mechanisch zusätzlich befestigt. Diese Sicherungskonstruktion war bereits 25 Jahre alt und wurde im Turmbereich an nahezu jedem Stehfalz ausgeführt. Auch im unteren flachgeneigten Dachbereich wurde eine Vielzahl Falze auf diese Weise gesichert. Die Winkel hatten unterschiedliche Längen von etwa zwei bis fünf Metern. Im Schraubbereich war eine zusätzliche Dichtungsmasse eingebracht. Das punktuell untergelegte Dichtungsmaterial war lange ausgehärtet und unwirksam, alle Winkel und Schrauben waren bereits wieder lose. Wir mussten davon ausgehen, dass die Lagesicherung der Kupferbleche nicht mehr gegeben ist, sodass, schon aus Sicherheitsgründen, eine umfassende Sanierung notwendig war", beschreibt Architekt Diplomingenieur Steinke das Schadensbild.

Die Konstruktion des Turmhelms besteht aus einem Stahlbetontragwerk, das in Teilbereichen als Sichtbetonkonstruktion ausgeführt wurde. Die tragenden Streben sind jeweils mittels umlaufender horizontaler Stahlbetonbalken und einer Stahlbetondecke auf Höhe der Glocke miteinander verbunden. Die Unterkonstruktion für die Metalldeckung in den Zwischenfeldern besteht aus Stahlträgern, einer Holz-Sparschalung und -Lattung sowie einer etwa 10 Millimeter dicken Korkdämmung. Die Stehfalzeindeckung erfolgte auf der Sparschalung und war mit Kupferhaften im Regelabstand von etwa 60 Zentimetern befestigt. Der obere, unbeheizte Turmbereich blieb ungedämmt. Dieser Bereich war durch die offenen Schallluken belüftet. Den Abschluss zum Innenraum bildete eine geneigte Betondecke mit Anstrich und das durch die Schallluken eindringende Niederschlagswasser wurde über die Betondecke nach außen abgleitet. Diese Art der Turmentwässerung führte jedoch bereits zu Schäden im Sockelbereich, speziell an den Stahlträgern, die Korrosion aufwiesen. Auf den Wetterseiten des Turmhelms wurden Undichtigkeiten der Dachdeckung festgestellt, die Schalung zeigte in diesen Bereichen Durchfeuchtungen.

Konzept aus einem Guss

Mit der Ausarbeitung des Sanierungskonzepts war das Architekturbüro Steinke und Zils aus Herten beauftragt. Unterstützung holten sich die Planer von Michael Giebler, Klempnermeister und Fachberater bei KME in Osnabrück. "Michael Giebler stellte uns verschiedene Kupferoberflächen vor und erläuterte die technische Verarbeitung der Werkstoffe. Dabei spielte die Haftbefestigung mit Fest- und Schiebehaften nach den Klempnerfachregeln und der neuen DIN 1055 eine wichtige Rolle. Für die Auswahl des Werkstoffes waren Nachhaltigkeit und Langlebigkeit die ausschlaggebenden Argumente", so Steinke. Nach dem Willen aller Beteiligten sollte auch die Beton-Strebenkonstruktion in das Sanierungskonzept einbezogen werden. Voraussetzung jedoch war, das architektonische Gesamtbild zu erhalten. Für die weitere Planung und spätere Ausführung entschieden sich Planer und Bauherr am Ende für den Einsatz von unbehandeltem Kupferblech für die Dachflächen und für verzinntes Kupferblech zur Bekleidung der Betonstreben. Das beidseitig verzinnte Material erhält in der Freibewitterung eine mattgraue Oberfläche. Somit heben sich die Streben in der gewünschten Art von den Dachflächen ab und die Tragkonstruktion ist dauerhaft vor Witterungseinflüssen geschützt. Die Kombination der beiden farblich unterschiedlichen Kupferoberflächen erhält nahezu das charakteristische Bild der Kirche, Urheberrechtsprobleme waren nicht gegeben.

"Auch aus klempnertechnischer Sicht war die Einbindung der Streben sinnvoll, da es an den Übergängen zur Dachfläche keine sensiblen Wartungsanschlüsse mit Kappleisten und Dichtungsfugen mehr gibt. Die verzinnte Oberfläche ist zudem nur unwesentlich teurer als das walzblanke Material", ergänzt Michael Giebler.

Eine weitere Maßnahme war die Erneuerung der Dachflächen, die den Kirchen-Innenraum begrenzen. Sie erhielten eine neue Holzkonstruktion mit Hinterlüftung und wurden mit einer Wärmedämmung sowie den zugehörigen Funktionsschichten ausgerüstet. Darüber hinaus erhielt der Dachraum des Turmhelmes Wartungsplattformen mit entsprechenden Leitergängen und das Stahl- Sekundärtragwerk musste teilweise überarbeitet werden.

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Um Zeit zu sparen, richteten sich die Klempner in etwa 10 Metern Höhe auf einer Gerüstplattform eine kleine Open-Air-Klempnerwerkstatt ein. Die letzten Zuschnitte und Kantungen der vielen Passbahnen wurden mit mobilen Biegemaschinen und Handrollformern vor Ort gefertigt. Foto: Siepenkort

Problemfall Logistik

Da der Turmhelm und die flachgeneigten Dachflächen des Kircheninnenraums klempnertechnisch leicht zu trennen waren und unabhängig bearbeitet werden konnten, erfolgte zunächst die Sanierung des Turmhelmes. So konnte das Gerüst ohne besondere Schutzmaßnahmen auf die alte Metalldachkonstruktion gestellt werden, Beschädigungen der neuen Deckung durch Gerüste oder herabfallende Teile wurden somit ausgeschlossen.

Den Auftrag für die Ausführung der Klempnerarbeiten erhielt die Firma Prange Klempnertechnik GmbH. Das Briloner Unternehmen stellte zur Erleichterung des Materialtransports einen kleinen ferngesteuerten Baukran bereit und begann mit der Demontage der alten Dachdeckung. In Zusammenarbeit mit dem Zimmermann wurde die Unterkonstruktion nach und nach überarbeitet und statisch abgesichert. Auf die vorhandene Schalung brachten die Zimmerer eine weitere 30 Millimeter dicke Lage Schalung sowie eine Trennlage auf. Die offenen Schallluken wurden in diesem Zuge verschlossen, sie sollten später durch regensichere Lamellengitter ersetzt werden.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin Ausgabe 1|2010.

zuletzt editiert am 15. April 2021
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