In einem Gemeinschaftsprojekt setzten Kupferhersteller und Klempner-Fachbetrieb ein spannendes Sanierungskonzept um. Das Ergebnis ist die gelungene Kombination aus moderner Architektur und historischer Klempnertechnik.
Die erfolgreiche Ausführung komplexer Sanierungsaufgaben setzt komplexes Expertenwissen in der Bauplanung, in der Anwendungstechnik und in der handwerklichen Umsetzung voraus. Ein passendes Beispiel hierfür ist die Kernsanierung des denkmalgeschützten Rosenthal-Altenhaus, dem heutigen Rosenthalstift in Hamburg. Die Einrichtung gründet auf dem Testament des 1905 verstorbenen jüdischen Kaufmanns Semmi Schaia Rosenthal, der den größten Teil seines Vermögens unter bestimmten Auflagen der Vaterstädtischen Stiftung zur Errichtung von Freiwohnungen vermachte. 1909 entstanden auf T-förmigem Grundriss zehn Einzel- und 29 Familienwohnungen, die laut Satzung für ältere unbescholtene und bedürftige, dem Kaufmannsstand angehörige Personen paritätisch an -Juden und Christen vergeben werden sollten. Die Planung des Gebäudes erfolgte damals durch die Hamburger Architekten Stammann und Zinnow.
"Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude unbeschadet. Einige Jahre nach Kriegsende wurden zehn zusätzliche Wohnungen im Dachgeschoss errichtet. 1972 erfolgte eine völlig unzureichend geplante und ausgeführte Modernisierung von 20 Wohnungen, so dass diese Wohnungen schon bald nicht mehr belegt werden konnten. Bei der späteren, 1986 erfolgten Erneuerung der Dachkonstruktion mit dem Ausbau der Dachgeschosswohnungen kam eine unzureichende Wärmedämmung zum Einsatz. Auch das Dach war an verschiedenen Stellen undicht, so dass sich der Zustand der Wohnungen sehr schnell verschlechterte und diese einige Jahre später erneut leer standen", schildert René Schneiders vom Architekturbüro A-Quadrat aus Hamburg.
Vor der Frage einer erneuten Sanierung oder einer Sanierung mit möglicher Erweiterung entschied sich der Stiftungsvorstand zu einem kompletten Rückbau des gesamten Daches. Es sollten zwei neue Dachgeschosse mit insgesamt 19 Wohnungen entstehen und gleichzeitig die brandschutztechnische Ertüchtigung des Bestandes erfolgen. Mit einem überzeugenden Sanierungskonzept erhielten die Architekten A-Quadrat den Auftrag für die Umsetzung der Bauaufgabe: "Da das Gebäude zu den erkannten Denkmälern von Hamburg zählt, mussten wir in der Planungs- und Genehmigungsphase mit dem Baudezernenten von Eimsbüttel sowie mit dem Denkmalschutzamt viele gestalterische und technische Lösungen erarbeiten. Die Abstimmung nahm insgesamt zwei Jahre in Anspruch. Hierbei wurden unterschiedliche Formen des Daches und vor allem des Turmes für den Straßenraum untersucht. Wichtigstes Thema war hierbei eine deutliche gestalterische Zäsur zwischen Alt und Neu, ohne den Altbau in seiner Wirkung zu verletzen. Nach langen Diskussionen wurde im vorderen Bereich ein Mansarddach favorisiert, das in seiner zweiten Ebene aus dem Straßenraum kaum wahrnehmbar ist und die vorhandenen Proportionen optisch erhält", erklärt René Schneiders.

Vom Konzept zum Auftrag
In dieser Phase erhielt das Architekturbüro Unterstützung von der KME Architectural Solutions. Als Spezialist für alle Fragen zu Metalldach- und Metallfassadensystemen zeigte KME Fachberater Peter Hecht verschiedene Beispiele und Lösungsansätze auf der Grundlage bereits realisierter Bauvorhaben. Für die Gebäuderückseite der Aufstockung fiel die Wahl auf eine glatte Fassadengestaltung, die ganz bewusst den historischen Fassadenrhythmus nicht fortführt und Alt und Neu klar abgrenzt. In die Flächen wurden Loggien integriert, wie sie an den typischen Stiftsgebäuden nie zu sehen sind. "Bei der Materialität der Fassaden wurden große Kupfer-Verbundplatten mit den zwei Oberflächen Kupfer und Messing (Brass) gewählt und die Tafeln gemischt angeordnet. Somit wirken die großen glatten Flächen optisch kleingliedriger. Die gewählten Farben beziehen sich auf den Altbestand: Das goldfarbene Messing in Verbindung zum gelben Klinker und Kupfer Natur zum roten Klinker", ergänzt René Schneiders. Für die Aufstockung des Turmes an der Straßenseite des Stiftsgebäudes entwickelte das Planungsteam eine Sonderkonstruktion, ebenfalls aus Verbundwerkstoff. Bei der gestalterischen Umsetzung der Turmbekleidungen erstellten die Planer zunächst verschiedene Varianten als Anschauungsmodell. Als Metalloberfläche kam hier mit Tecu Brass nur eine Oberflächenvariante zur Ausführung.
René Schneiders, Peter Hecht, Marcus Deckerdt
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 06.2012.