Technik

13. July 2016 | Teilen auf:

Gewebe mit Spannung

Die neue gewebte Sonnenschutzfassade sorgt bei einer Bahnhofstation nicht nur für ­ Licht- und Wärmeschutz. Eine mit Zugvögeln gestaltete Oberfläche macht sie zu einem kleinen Kunstwerk. Bei der ­Befestigung spielte die Gewebevorspannung eine bedeutende Rolle.

Zum Schutz vor der Sonne erhielt der Bahnhof ein künstlerisch gestaltetes Metallgewebe mit eingearbeitetem Muster und scherenschnittartigen Zugvögeln. Foto: Nancy Blum

Die Region der Städte Saint Paul und Minneapolis gehört mit 3,5 Millionen Einwohnern zu den 20 größten Metropolregionen der Vereinigten Staaten. Täglich pendeln Zehntausende zwischen diesen Städten und Gemeinden, um zur Arbeit, Universität oder Schule und wieder zurück zu ihrer Wohnung zu kommen. Um die über 100 Jahre alte Infrastruktur aus Bussen und völlig überlasteten Straßen an diese Anforderungen anzupassen, realisierte der Bundesstaat ein umfassendes regionales Schnellbahnkonzept. Ein Kernelement dieses Mammutprojektes ist der Bahnverkehrsknotenpunkt West Bank Station. Für diesen Standort entwarf das Architekturbüro Aecom einen zweigeschossigen Bahnhof, der zum Schutz gegen die Sonne großflächig mit Metallgewebe der Typen Omega 1510 und 1550 der Firma GKD – Gebr. Kufferath AG verkleidet wurde. Die mit der Realisierung beauftragten Architekten setzten bei der Gestaltung der Bahnhöfe dieser Linie nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf Ästhetik; die schimmernde Fassade erhielt eingearbeitete Muster und nachträglich montierte scherenschnittartige Abbildungen von typischen Zugvögeln der Region und wurde somit zu einem ausdrucksstarken Kunstwerk gestaltet.

Wenig Aufheizung, viele Effekte

Für die besonders stark frequentierte West Bank Station wählten die Planer eine metallgewebte Sonnenschutzfassade, die vor dem großflächig verglasten Bahnhof die Sonneneinstrahlung reflektiert und im Sommer eine unerwünschte Aufheizung verhindert. Ihre Transparenz erlaubt dennoch ungehinderte Sicht nach außen und durch die Innenbeleuchtung des Gebäudes auch von außen nach innen. Zugleich schafft der hohe Lichtdurchlass der gewebten Struktur eine angenehme, tageslichtdurchflutete Atmosphäre. Außen angebrachte Strahler setzen zudem gezielte Lichteffekte, die sich je nach Position des Betrachters verändern. Trotz seiner filigranen Optik widersteht das robuste Edelstahlgewebe dabei dauerhaft den hier oftmals herrschenden widrigen Witterungsbedingungen mit Wind, Regen, Schnee oder Frost. Auch vor dem gerade an öffentlichen Haltestellen weit verbreiteten Vandalismus bietet die Textur wirksamen Schutz und ihre Langlebigkeit und Wartungsfreiheit gewährleistet die für Verkehrsbauten gebotene Wirtschaftlichkeit.

Der Dürener Hersteller realisierte diese künstlerische Idee mit speziellen Bearbeitungstechniken des Gewebetyps Omega 1510. Dessen glatte Oberseite und relativ dichte Struktur ist für dieses Verfahren, bei dem die Oberfläche des Gewebes leicht modifiziert wird, besonders geeignet. Auf Basis der entworfenen Muster fertigte GKD eine Maske, die alle Flächen, die nicht verändert werden sollten, sorgsam abdeckte. Mit einem Strahlmittel bearbeitete der Gewebespezialist anschließend die metallische Oberfläche exakt nach der künstlerischen Vorgabe. Die so entstandenen Muster waren ohne weitere spezielle Behandlung sofort dauerhaft witterungs- und UV-beständig. Auch der Tageslichtdurchlass blieb unverändert hoch. Je nach Lichteinfall und Blickwinkel wirken die Motive transparent oder blickdicht.

Vertikal fixiert

Die 140 Metallgewebepaneele wurden vertikal gespannt. Hierbei erfolgt die Lastabtragung ausschließlich über die vertikalen Seile. Die Gewebe mussten dafür an den gegenüberliegenden Rändern jeweils an den Enden der Kettenseile gefasst und einachsig verspannt werden. Dieses sogenannte System „Fusiomesh“ mit Gabelschrauben bettet das Metallgewebe ein und wird mithilfe zusätzlicher Sicherungsschrauben zwischen zwei Flachprofile geklemmt.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 05/2016.