ZDM_02_2012_105_BU_03.jpg
Manfred Schulze setzt die 18 getriebenen Einzelteile zu einem Teilstück zusammen. Fotos: Manfred Schulze

Technik 2012-04-16T00:00:00Z Giebelvasen für das Schloss

Für das Sommerpalais in Greiz mussten zwei Giebelvasen aus Titanzink restauriert werden. Welche Arbeitsprozesse und Handwerkstechniken für deren Herstellung erforderlich waren, schildert Klempner- und Gürtlermeister Manfred Schulze aus Ronneburg.

Das Sommerpalais in Greiz liegt im Südosten von Thüringen, unmittelbar an der Landesgrenze zu Sachsen. Es wurde um 1780 erbaut und beherbergt heute die staatliche Bücher- und Kupferstich-Sammlung und das Greizer Satirikum, in dem bis 1989 eine einzigartige Sammlung von DDR-Karikaturen zusammengetragen wurde.

Bis vor einigen Jahrzenten zierten noch zwei alte Giebelvasen das im Stile des Frühklassizismus errichtete Sommerpalais. Aufgrund mangender Standsicherheit wurden die knapp zwei Meter hohen Bauornamente aus Zinkblech im Zuge einer Dachsanierung noch zu DDR-Zeiten demontiert. Im Jahr 2011 entschied sich die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ( www.thueringerschloesser.de ), das Palais wieder zu vervollständigen und den Giebeln das historische Erscheinungsbild zurückzugeben. Im Rahmen einer Ausschreibung erhielt mein Unternehmen, die Schmuck- und Korpusgürtlerei Manfred Schulze aus Ronneburg, den Zuschlag für die Rekonstruktion der alten Ornamente. Eine demontierte historische Giebelvase, die vor der endgültigen Entsorgung gerettet wurde, diente als Vorlage. Wie der zuständige Restaurator Stephan Keilwerth berichtete, wurde sie 1885 von einem Greizer Klempner erbaut. Eine Restaurierung des alten Ornamentes kam aufgrund des schlechten Zustandes nach über 100 Jahren Freibewitterung nicht mehr in Frage. Dennoch waren alle Details deutlich erkennbar und originalgetreu zu reproduzieren.

ZDM_02_2012_105_BU_05.jpg
Die fertiggestellten Zinkbekrönungen erhielten einen abschließenden Anstrich im Farbton des Sandsteins und wurden wenige Tage später auf die vorbereiteten Sockel gestellt.

Messen, kopieren, formen

Zur Vorbereitung der Arbeiten haben wir den Grundkörper der Vase in zwölf horizontale Arbeitsabschnitte plus Standsockel geteilt. Die Abschnitte bestehen aus Bauteilen mit bis zu 18 glatten und getriebenen Einzelsegmenten, die alle miteinander verlötet sind. Bis auf einige wenige Bauteile mussten die Segmente von Hand gefertigt werden. Als Werkstoff verwendeten wir Rheinzink in 0,8 Millimeter für die glatten Segmente und 1,2 Millimeter Dicke für die zu treibenden Einzelteile. Zunächst stellten wir in den ersten sechs Arbeitsschritten den großen Hauptkörper her. Hierfür war eine Innenkonstruktion erforderlich, die der Giebelvase beim Zusammenbau der Einzelteile und später auf dem Dach die notwendige Stabilität gibt.

Manfred Schulze

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 02.2012.

Weitere Bilder der Restaurierung der Giebelvasen finden Sie in unserer Bildergalerie .

zuletzt editiert am 15. April 2021
Newsletter