Der Link zum Siegerfilm auf youtube: https://youtu.be/mVlPULG4ywI Quelle: VDSS
Der Link zum Siegerfilm auf youtube: https://youtu.be/mVlPULG4ywI Quelle: VDSS

Wissen

10. September 2021 | Teilen auf:

„Goldene Spenglerarbeit 2021“ ist die Schokoladenfabrik Ibach

Der Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz VDSS ermittelt alle drei Jahre im nationalen Wettbewerb die beste Spenglerarbeit. Die „Goldene Spenglerarbeit 2021“ geht an die Arbeitsgemeinschaft Bless/Gisler/Annen+Schibig. Herzlichen Glückwunsch!

Metalldeckungen und Fassadenbekleidungen haben in der kreativen und gestalterischen Architektur einen besonderen Stellenwert. Um diese Architektur und das Handwerk mit Dünnblech der breiten Öffentlichkeit vorzustellen, prämiert und publiziert der Verein diplomierter Spenglermeister der Schweiz (VDSS) mit dem nationalen Wettbewerb „Goldene Spenglerarbeit“ alle drei Jahre bemerkenswerte Bauten und Gebäudehüllen. Auch der mittlerweile achte Wettbewerb brachte wieder einmal außergewöhnliche Gebäudehüllen aus Metall hervor. In diesem Jahr erreichten die Fachjury 26 Bauprojekte der Schweizer Spengler, die um den Preis in Höhe von 10.000,- CHF kämpften. Die feierliche Preisverleihung des 2008 von Alex und Jeanette Zehnder ins Leben gerufenen Wettbewerbes fand am 2. September einem Kino in Luzern statt. Dort wurde ein 40-minütiger Film zur Vorstellung aller 26 Projekte sowie das Sieger-Video gezeigt. Alex Zehnder leitete bis zu seiner Pensionierung in Basel einen Haustechnik-Betrieb. Als der VDSS 1963 gegründet wurde, war Alex Zehnder Mit-Initiant und Gründungsmitglied.

Die 3 Spenglermeister und Patrons der ARGE-Firmen: Gregor Bless, Peter Gisler und René Schibig Quelle: VDSS

Feierlich als Wettbewerbssieger der Goldene Spenglerarbeit 2021 kührte die Jury die Spenglermeister der Arbeitsgemeinschaft aus den Firmen Bless Gebäudehüllen AG, Erstfeld, Paul Gisler AG, Cham und Annen + Schibig AG, Ibach. Gregor Bless, Peter Gisler und René Schibig teilen sich Preisgeld und Lob für die Umsetzung der japanisch anmutenden komplexen Dachform des Neubaus der Schokoladenfabrik Felchlin in Ibach. Der Entwurf stammt von Meili, Peter & Partner Architekten AG aus Zürich. Damit ein solch hochwertiges Werk gelingt, brauchte es die Max Felchlin AG als Partner und weitsichtige Bauherrschaft, ebenso weitere Fachleute, die ihren Einsatz leisteten, so etwa der Spengler-Fachplaner Benno Lees, Lees Consulting, Altikon, die Holzbauspezialisten Pirmin Jung Ingenieure AG, Hecht Holzbau AG, Bisang Holzbau AG und die Neue Holzbau AG. Speziell und besonders prägend wirken zudem die Holzfassade, die Dach-Holzkonstruktion und die Dachform mit seinen gewölbten, langen Blechbahnen und seine markanten Lichtöffnungen.

Gruppenbild aller anwesenden Spenglermeister, die am Wettbewerb teilgenommen haben. V.l.n.r hinten: Patrick Feusi, Dalibor Martinovic, Marcel Truninger, Marcel Filli, Roger Voney, Beat Brönnimann, Stephan Fankhauser V.l.n.r vorne: Peter Gisler, Stefan Aerni, Gregor Bless, Heinz Hunziker, Thomas Knubel und Beat Schmutz. Quelle: VDSS

Die Max Felchlin AG Schokoladenfabrik hat mit dem 2019 fertiggestellten Firmensitz ihre bisher verteilten Standorte in Ibach konzentriert. Im rechten Winkel und mit bewusstem Abstand zu den bereits vorhandenen Produktionsgebäuden entstand das neue Verwaltungsgebäude bis zum dritten Obergeschoss als Stahlbeton-Skelettbau mit einer Fassade aus dunkel gebeiztem Tannenholz und geschwungene Dachdeckungen mit Doppelstehfalzbahnen aus Titanzink. Gregor Bless, einer der involvierten Spenglermeister, vergleicht die außergewöhnliche Dachform mit dem Bild der Berge und mit allem, was diese verheißen: Beständigkeit und Erhabenheit. Die Architekten Meili, Peter & Partner Architekten AG aus Zürich, betonen indes den regionalen und handwerklichen Aspekt ihres Werks: „In der Dachkonstruktion mobilisieren wir das ganze Arsenal der lokalen Zimmermannskunst und formen die pyramidalen Faltwerke zu einem imposanten Dachstuhl, der elegant und simpel die Auskragungen in eine Stabkonstruktion einwebt. Der Schattenwurf der feinen horizontalen Linien und die sinusförmig geschwungene Silhouette verleihen dem Ganzen etwas Japanisches, eine Poetik, in der sich Strenge und Leichtigkeit bedingen.“

Architektonisch zusammengefasst wird die Dachlandschaft von einer rund 2400 m² großen Titanzink-Deckung aus Rheinzink-prePatina blaugrau im Doppelstehfalzsystem. „Titanzink ist ein formbares Material, dass die Kurvenradien gut nachvollziehen kann“, erklärt Lukas Eschmann von Meili, Peter & Partner die Entscheidung: „Seine Verarbeitung folgt wie beim Dachstuhl dem Gedanken der Förderung des regionalen Handwerks. Gleichzeitig steht es für die von den Beteiligten und der Bauherrschaft angestrebte Qualität und Langlebigkeit. Das Gebäude und sein Dach können in Würde altern.“

Handwerker schließen sich zusammen

Schon früh in der Ausschreibungsphase wurde Gregor Bless gefragt, ob er sich am Wettbewerb um die Spengler- und Bedachungsarbeiten beteiligt. Die Größe des Projektes veranlasste ihn, Partner zu suchen, mit welchen er das Objekt realisieren könnte. Die Paul Gisler AG aus Cham und die mit Heimvorteil antretende Annen + Schibig AG aus Ibach schlossen sich mit der Bless AG zu einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zusammen. Gemeinsam gaben sie ihr Angebot ab und erhielten den Auftrag. Für die Planung perfekter Details wurde zusätzlich Benno Lees aus Altikon als Fachplaner eingesetzt. Damit entstand ein fachliches Dream-Team.

Preisübergabe durch den Ehrenpräsidenten und Preisstifter Alex Zehnder und Vereins- und Jury-Präsident René Fasler, an die Sieger Peter Gisler und Gregor Bless (René Schibig war verhindert) Quelle: VDSS

Die drei Firmen habe zusammen die gesamte Spenglerarbeiten am Dach und an der Fassade in über 8000 Arbeitsstunden ausgeführt. Dabei wurden über 2.400 m² Dachfläche gedeckt, 260 m Rinnen ausgebildet und rund 1.000 m Fensterbänke, Storenblenden und Fassadenbänder erstellt; insgesamt wurden rund 25 Tonnen Rheinzink-Bänder und Tafel abgerollt, gekantet, geformt und montiert.

Das neue Verwaltungsgebäude der Max Felchlin AG in Ibach glänzt in spezieller Architektur mit japanischem Flair und einer Dachform mit Bezug auch auf die Dachlandschaft.

Kommentar Jury (Auszug)

Die Beziehung zu den Themen Chocolat-Bräune, Bergwelt und den Auslandskunden aus Japan geht aus der Architektur erkenntlich hervor. Die expressive Konstruktion ist individuell, mutig und bestimmt auch eigenwillig. Der Dachaufbau ist fachtechnisch sowohl bezüglich des Holzbaus wie auch den Spenglerarbeiten äusserst sorgfältig geplant und ausgeführt. Die Zergliederung der großen Dachflächen, die Führung in den steigenden Gräten und Lichtöffnungen und die geschickt eingebauten, teils auch rund geführten Abtreppungen sind gut gelöst und handwerklich perfekt ausgeführt. Dies gilt auch für alle sichtbaren An- und Abschlüsse der langen Blechbahnen mit Doppelstehfalz. Schon die Wahl der Ausführungsvarianten, wie der Gebirgsabschluss bei allen Traufanschlüssen, bestätigt die klare Zielsetzung, hier die beste Ausführungsqualität zu bieten. Das Gebäude und seine Spenglerarbeiten sind fachgerecht in außergewöhnlich hoher Spenglerqualität ausgeführt.

Unter der Leitung des Vereins- und Jury-Präsidenten René Fasler hat die aus erfahrenen Spenglermeistern sowie dem Architekten Daniel Schweizer aus Baden zusammengesetzte Jury zum achten Mal seit 1999 den in der Branche und Presse bekannten Preis für eine qualitativ hochstehende, metallische Gebäudehülle verliehen. Die Prämierung und Bekanntgabe des Siegers erfolgte dieses Jahr infolge Corona-Massnahmen des Bundes nicht im Mai, sondern während dem Herbstausfluges des Vereins am 2. September 2021. Gleichzeitig erschien die Broschüre mit allen 26 am Wettbewerb teilnehmenden, attraktiven Bauten aus der ganzen Schweiz. Diese Broschüre wird in diesen Tagen allen Architekten, Dach- und Fassadenfachleute, Baufachleute und Liegenschaftsverwaltungen des Landes zugestellt. Attraktive und nachhaltige Metallbekleidungen verlangen eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Architekten, dem Bauherrn und dem Handwerker, welcher die Visionen der beiden ersteren technisch und handwerklich kompetent umsetzen muss. Wichtig sind auch die Wahl der Konstruktion und die Materialisierung. Der kreative Wurf soll für das Auge stimmen und die Bekleidung soll die Kriterien der Langlebigkeit, Unterhaltlosigkeit und Nachhaltigkeit erfüllen.

Bernard Trächsel/VDSS