Die verdrehte Hülle für das 25 × 25 × 30 Meter große IMAX-Kino entstand in nur zwölf Wochen. Es besteht aus selbst gekanteten, extrem flach gestalteten Steckfalzpaneelen. Fotos: George Westgeest, Elshof BV

Technik 2014-05-05T00:00:00Z Großes Kino in der Kugel

42 Meter Durchmesser, 4.000 Quadratmeter Zinkhülle und zwölf Wochen Fertigstellungs­zeitraum – eine der spannendsten Aufgaben für die Firma Elshof aus dem Niederländischen Olst. In multiprofessioneller Teamarbeit entstand in Bukarest ein Großkino der besonderen Art.

Als Finanz- und Wirtschaftszentrum Rumäniens bestreitet Bukarest seit dem EU-Beitritt 2007 eine bemerkenswerte Aufholjagd. Die Stadt wächst ständig und auch die Infrastruktur entwickelt sich rasant weiter. Es entstehen zahlreiche moderne Wohntürme, Bürokomplexe und Einkaufszentren. Das neue AFI Palace – ein Einkaufszentrum der Superlative – ist mit 220.000 Quadratmeter Ladenfläche heute das größte in Rumänien. Es gibt 300 Ladeneinheiten sowie 2.500 unter- und oberirdische Parkplätze. Der Unterhaltungsbereich umfasst einen Komplex mit Eislaufflächen, Kletterwänden, Kinderspielplatz und Wasserspielen sowie mit 20 Kinos und einem 3-D-IMAX-Kino von Cinema City – um bei den Zahlen zu bleiben. Das gelungene und erfolgreiche Projekt der MYS Architects aus Tel-Aviv wurde mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet.
Ausgezeichnet ist insbesondere die sehr komplexe Konstruktion des 3-D-­Kinos in Form einer Kugel mit 24 „Falten“. Es markiert den Eingangsbereich in die Kinowelt schon von Weitem. Mit dem integrierten Leuchtensystem in den 150 Millimeter hohen Versätzen entsteht bei Dunkelheit zudem ein sehr interessanter Lichteffekt.
Das Design des Gebäudes ist dem IMAX im Parc de la Villette in Paris angelehnt. Dieses Gebäude mit einer Hülle aus Edelstahl und einem Kugeldurchmesser von 36 Metern wurde mit spiegelblanken Dreiecken konstruiert. Ähnlichkeiten sind auch mit dem berühmten Glasgow Science Center von Cinema City zu erkennen. Jedoch unterscheidet sich das IMAX Bukarest sowohl in seiner äußeren Form sowie in den verwendeten Materialien. Genauso wertig, mit dem größeren Durchmesser von 42 Metern und bei deutlich geringerem Budget erarbeiteten zwei niederländische Unternehmen gemeinsam mit dem kreativen und kooperativen Architektenteam eine einmalige Kugelkonstruktion.
Frei formen
Bei der gestalterischen Planung bezogen die Architekten Moore Yaski Sivan (MYS) bereits in den frühen Phasen das Delfter Unternehmen Octatube ein, das sich insbesondere auf die gestalterische Umsetzung von Freiformen in der Architektur spezialisiert hat. Octatube bearbeitet Projekte im In- und Ausland und setzt sich aus Spezialisten im Hoch-, Tief- und Metallbau sowie dem Architektur- und Industriedesign zusammen. „Unsere Produktions- und Installationsabteilung fertigt (Edel-) Stahl- und Aluminiumprofile mit allen notwendigen Komponenten. In unserer Produktionsstätte entwickeln wir ständig Prototypen für die unterschiedlichsten Konstruktionsaufgaben und führen auch die mechanischen Prüfungen der Bauteile und Produkte durch. Einige Architekten nutzen unsere Produktionsstätte oft als übergroße „Modellwerkstatt“ für die Umsetzung ihrer Ideen“, informiert Nils Eekhout, Technischer Direktor bei Octatube.

Um den Treppenabsatz beziehungsweise die Falte zu erzeugen, mussten einzelne umgedrehte U-Profile als Traglattungs-Halter im passenden Abstand auf den Aluschienen der Grundkonstruktion justiert und befestigt werden.

Das Ziel war es, unter Verwendung von Dünnblechtafeln eine perfekte Kugel zu formen, um den kubischen 25 × 25 × 30 Meter großen Baukörper des 3-D-Kinos zu verhüllen. Hierbei ergab sich nicht nur aus der Unterkonstruktion, sondern auch aus der Gebäudehülle selbst eine Herausforderung für die Ingenieure und Techniker. Potenzialflächen, Netzoptimierung, Doppelbiegung und die Nutzung der Eigenschaften und Grenzen des Materials waren die Themen, mit denen sich die Konstrukteure beschäftigen mussten. Erste Ideen von Drittanbietern, wie ein System mit flachen dreieckigen Aluminiumplatten auf einer geodätischen Rahmenkonstruktion, wurden von den Architekten aus Gestaltungsgründen und wegen technischer Probleme schnell verworfen. In diese Phase kam die Umsetzung von Freiformen in Betracht und hiermit das Delfter Unternehmen zum Zuge, das verschiedene Modelle für verschiedene Ideen entwickelte – insgesamt waren dies sieben. Die ausgeführte Grundform, eine in „Falten“ verdrehte Kugeloberfläche, besteht aus fünf Konstruktionsebenen: 1. vertikale, gleichmäßig gerundete Doppel-T-Träger aus Stahl; 2. runde, horizontal/ringförmig verlegte verzinkte Stahlrohre; 3. vertikale, gleichmäßig gerundete Aluminium-Strangpressprofile (zwei ineinandergesteckte U-Profile); 4. in zwei Richtungen verdrehte Holzlattung; 5. Holzschalung, 30 Millimeter. Der Faltenwurf entsteht durch einen 125 Millimeter hohen Versatz in der Holzkonstruktion mit einem Regelabstand von etwa 3,00 Metern.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 3.2014.

zuletzt editiert am 15. April 2021
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