Ein hochauflösender Luftbild-Blick auf den markanten neugotischen Kirchturm der Johanneskirche in Düsseldorf, umgeben von modernen Bürogebäuden, städtischer Architektur und grünen Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.
Die Neudeckung des etwa 30 Meter hohen Turmhelms mit seinem achteckigen Grundriss erfolgte abschnittsweise von oben nach unten. Komplizierte Anschlussdetails und die Arbeit in großer Höhe erforderten ein hohes Maß an Handwerkskunst. (Quelle: Prange Klempnertechnik GmbH)

Technik 2026-10-19T07:43:50.626Z Ein Schmuckstück aus Spenglerhand

Denkmalschutz: Die Johanneskirche zählt zu den bedeutenden Baudenkmälern Düsseldorfs. Sturmschäden und eine mangelhafte Befestigung erforderten die Neudeckung für den historischen Turmhelm mit schmückenden Verzierungen – eine passende Spezialaufgabe für Firma Prange Klempnertechnik aus Brilon.

Unübersehbar und mitten in der Düsseldorfer Innenstadt ragt die Johanneskirche mit ihrem weithin sichtbaren Turm empor. Sie ist die größte evangelische Kirche Düsseldorfs und zählt zu den bedeutenden Baudenkmälern der Landeshauptstadt. Die Geschichte der Johanneskirche reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Nach der Vereinigung der lutherischen und reformierten Gemeinden Düsseldorfs im Jahr 1824 entstand der Wunsch nach einer gemeinsamen evangelischen Stadtkirche. 1859 wurde der Bau grundsätzlich beschlossen und 1875 der Grundstein gelegt. Die Pläne stammten von den Architekten Walter Kyllmann und Adolf Heyden. In Anlehnung an den Rundbogenstil entstand eine repräsentative Backsteinkirche mit Werksteingliederungen, deren rund 86 Meter hoher Turm bis heute die Silhouette der Düsseldorfer Innenstadt prägt. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1943 wurde die Johanneskirche während des sogenannten Pfingstangriffs auf Düsseldorf durch Bomben schwer getroffen. Teile des Daches stürzten ein, das Innere wurde erheblich beschädigt, doch blieben wesentliche Teile der historischen Bausubstanz erhalten. Am 10. Juni 1951 konnte der Wiederaufbau begonnen werden; am 28. März 1953 wurde die wiederhergestellte Kirche erneut eingeweiht – aus dieser Zeit stammt auch die Kupferdeckung, um die es in diesem Bericht geht.

Eine Hand hält eine metallene Rohrmanschette an eine Tuffsteinverzierungen.
Für die Herstellung der Halbwulste für die Tuffsteinverzierungen wurden zunächst passende Schablonen angefertigt. (Quelle: Prange Klempnertechnik GmbH)
Eine detaillierte Aufnahme der mit Kupfer verkleideten Turmspitze einer Kirche, die von einem Baugerüst umgeben ist. Im Hintergrund erstreckt sich die Stadtlandschaft von Düsseldorf, inklusive moderner Gebäude und Rhein.
Der etwa zwölf Meter hohe Mittelteil umfasst neben den Kupferflächen zahlreiche trapezförmig angeordnete Zierwulste. Sie überdecken die rundgeformten Tuffsteinverzierungen. (Quelle: Prange Klempnertechnik GmbH)
Ein Mann in Freizeitkleidung steht in einem Kirchenraum neben einer sehr großen, runden Taufkugel aus Kupfer, die auf einem hölzernen Ständer ruht. Im Hintergrund ist ein Holzkreuz mit dem Gekreuzigten zu sehen.
Frank Henke bereitet die Kugel zum feierlichen Einlassen der Zeitkapsel vor. Die Turmkugel mit etwa 1,20 Meter Durchmesser wurde im Auftrag der Firma Prange bei Nakra restauriert. (Quelle: Prange Klempnertechnik GmbH)
Eine detaillierte Ansicht einer restaurierten Kupferturmspitze mit einer markanten Kugel an der Spitze, umgeben von einem Baugerüst vor dem Hintergrund eines weiten Stadtpanoramas und eines Flusses unter blauem Himmel.
Den oberen Abschnitt bildet die etwa sechs Meter hohe Turmspitze mit der Turmkugel, insgesamt fünf Ornamentringen und einem ersten Abschnitt der Deckung. (Quelle: Prange Klempnertechnik GmbH)

Seit Ende 2022 wird die Johanneskirche im Rahmen einer umfassenden baulichen Revitalisierung denkmalgerecht instand gesetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sicherung und Erhaltung der historischen Bausubstanz, die Beseitigung von Schäden an Dächern und Fassaden sowie energetische und funktionale Verbesserungen. Ein besonders anspruchsvoller Teil der Sanierungsmaßnahme ist die Erneuerung der Turmdeckung. Der exponierte Turm stellte an Planung, Material, Befestigung sowie an die handwerkliche Ausführung besondere Anforderungen. Für die Ausführung der Metallarbeiten, bestehend aus Turmdeckung einschließlich aller Bauornamente aus Kupfer, erhielt die Prange Klempnertechnik GmbH aus Brilon den Auftrag. Firmeninhaber und Klempnermeister Frank Henke übernahm mit seinem Team damit eine anspruchsvolle Aufgabe. Es galt, traditionelles Klempnerhandwerk, präzise Detailarbeit und moderne Befestigungstechnik in Einklang zu bringen. Die nachfolgend beschriebenen Arbeiten geben einen Einblick in die handwerklichen Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Bauaufgabe.

Hafte ohne Rückhalt

Die „Nachkriegsdeckung“ des etwa 30 Meter hohen Turmhelms mit achteckigem Grundriss erfolgte in der damals üblichen Tafeldeckung aus Kupferblech. Als Untergrund diente ein etwa 13 cm dicker Tuffsteinaufbau, die Eckbereiche sind aus massivem Naturstein ausgebildet. Erst im Zuge der Demontage der vorhandenen Kupferdeckung wurde der konstruktive Aufbau der Befestigung im Detail sichtbar. Hierzu berichtet Frank Henke, Geschäftsführer von Prange Klempnertechnik: „Die Hafte der Tafeldeckung waren an einzementierten Holzklötzen in den Tuffstein befestigt. Die Fixierung der Hafte erfolgte dabei mit Eisennägeln, was sich nach rund sieben Jahrzehnten als wesentlicher Schwachpunkt der Konstruktion erwies. Die Demontage offenbarte zudem ein umfangreiches Schadensbild der Kupferdeckung. Neben zahlreichen Durchdringungen durch Granatsplitter waren Schäden infolge von Blitzeinschlägen sowie Dehnungsrisse festzustellen. Die metallischen Befestigungsmittel aus Eisen waren stark und teilweise vollständig korrodiert – somit war auch die Deckung nicht mehr standsicher mit dem Untergrund verbunden.“ Hinzu kamen ältere Sturmschäden, deren Sanierung eher provisorisch als dauerhaft ausgeführt war. Schon aus Gründen der mangelhaften Standsicherheit bei den immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen war eine vollständige Erneuerung der Turmdeckung nun erforderlich.

Denkmalschutz und moderne Technik im Einklang

Das Sanierungskonzept sah eine denkmalgerechte Umsetzung der Neudeckung vor. Somit hatte das Prange-Team zunächst die Aufgabe, im Rahmen der Demontagearbeiten alle vorhandenen Bauornamente fachgerecht auszubauen, zu kartieren und einzulagern. Die Bestandsstücke sollten in der Werkstatt restauriert oder, falls erforderlich, neu angefertigt werden. Auf dem vorhandenen Tuffstein musste ein neuer, belastbarer Befestigungsgrund aus 30 mm dicken Birkensperrholzplatten BFU 100 verlegt werden. Zum Schutz des Holzwerkstoffs in der Bauphase und als Trennlage zur Kupferdeckung diente eine Unterdeckbahn. Die neue Kupferdeckung war wieder als Tafeldeckung im Doppelstehfalzsystem auszuführen. Zur sicheren und nachhaltigen Fixierung sowie für die schadlose Aufnahme von Dehnungsbewegungen mussten korrosionsbeständige Fest- und Schiebehaften aus Edelstahl eingesetzt werden.

Vorarbeiten und Bauausführung

Eine erste Baubegehung fand Ende 2022 statt, Baustart für Frank Henke und Team war Oktober 2023, abgeschlossen wurden die Arbeiten im November 2025. „Sobald die Gerüste standen, haben wir zunächst detaillierte Aufmaße aller Ornamente für Restaurierung, Sanierung und Erneuerung erstellt und auch deren Einbaulage für den Wiedereinbau dokumentiert“, erklärt Frank Henke: „Mit den Gerüsten sind wir gut zurechtgekommen. Der Bauaufzug für Personal und Material reichte immerhin bis auf etwa 75 Metern Höhe. Die Arbeitsbedingungen in den Herbst- und Wintermonaten waren zum Teil extrem. Zeitweise mussten die Arbeiten am Turm komplett eingestellt und in die Werkstatt verlegt werden. In dieser Zeit haben wir dann Ornamente, Anschlussprofile und die Tafeldeckung mit allen erforderlichen Umfalzungen gefertigt.“ Die vielen Bauornamente und Verzierungen wurden in der Klempnerwerkstatt bei Prange in Brilon sowie bei Michael Messerschmitt/Nakra in Fambach zum Teil saniert und zum Teil neu erstellt.

Die Neudeckung des etwa 30 Meter hohen Turmhelms mit seinem achteckigen Grundriss erfolgte abschnittsweise von oben nach unten in drei Etappen:

1.) Turmspitze: Den oberen Abschnitt bildet die etwa sechs Meter hohe Turmspitze mit der Turmkugel, insgesamt fünf Ornamentringen und einem ersten Abschnitt der Deckung. Die Turmkugel mit etwa 1,20 Meter Durchmesser wurde im Auftrag der Firma Prange bei Nakra restauriert. Auch die vier kreisrunden Rundwulste sind in der Ornamentschmiede von Michael Messerschmidt neu erstellt und mit speziellen Drückwerkzeugen ausgeformt worden. Der Zusammenbau der Elemente erfolgte in der Briloner Klempnerwerkstatt. Unterhalb der großen Wulst wurde die Deckung, abweichend von der ursprünglichen Bekleidung aus gerundetem Glattblech, aus Gründen der besseren Standsicherheit nun in Stehfalztechnik ausgeführt. Mit der starken Profilierung der 16 Segmente ergab sich eine hohe Stabilität. Zudem ermöglichte dies die sturmsichere Fixierung mit zahlreichen Fest- und Schiebehaften in den Falzen. Ein rund ausgeformter Kragen bildet den Übergang zum Mittelteil des Turmhelms.

2. Mittelteil: Der etwa zwölf Meter hohe Mittelteil umfasst neben den Kupferflächen zahlreiche trapezförmig angeordnete Zierwulste sowie Rundfenster bzw. „Bullaugen“, die zugleich eine Lüftungsfunktion übernehmen. Zur besseren Turmentlüftung wurden zusätzlich noch weitere Luftaustritte innerhalb der trapezförmigen Dachflächen geschaffen. Halbwulste aus Kupferblech überdecken die rundgeformten Tuffsteinverzierungen. Die Rundfenster als Schnittstelle zum Turmhelmsockel mussten nach historischem Vorbild, ebenfalls bei Nakra, komplett neu angefertigt werden.

3. Turmhelmsockel: Den unteren, ebenfalls etwa zwölf Meter hohen Abschnitt bildete der Turmhelmsockel mit seinen Zierelementen und den vier seitlich angeordneten kleinen Türmen. Zur Turmlüftung wurden auch hier Lüftungsöffnungen innerhalb der trapezförmigen Dachflächen geschaffen. Wie beim Mittelteil überdecken Halbwulste aus Kupferblech die rundgeformten Tuffsteinverzierungen. An den seitlich angeordneten kleinen Türmen konnten zwei Turmspitzen durch eine fachgerechte Restaurierung erhalten werden.

Doch auch nach den Turmdeckungsarbeiten wartete auf das Team Prange noch eine Menge Arbeit. Insgesamt mussten rund 200 Meter, teilweise kompliziert geformte Mauerabdeckungen, Gesimsprofile und Mauerköpfe sowie Brüstungen aus Naturstein mit Kupfer abgedeckt werden. Etwa genau so viele Wandanschlüsse mussten eingefräst und wartungsfrei mit Bleiwolle verstemmt werden. Damit umfasste die Bauaufgabe weit mehr als die Erneuerung einer klassischen Kupfer-Tafeldeckung. Die Kombination aus einem geometrisch komplexen, achteckigen Turmhelm, historischen Ornamenten, komplizierten Anschlussdetails und der Arbeit in großer Höhe erforderte ein hohes Maß an Handwerkskunst.

Über Prange Klempnertechnik GmbH

Die Prange Klempnertechnik GmbH mit Sitz in Brilon ist auf anspruchsvolle Metallarbeiten, historische Dachlandschaften und denkmalgerechte Sanierungen spezialisiert. Firmeninhaber Frank Henke ist Klempnermeister und ausgewiesener Experte für Metallarbeiten im Denkmalbestand. Präzision, handwerkliche Sorgfalt und die Leidenschaft für die Erhaltung historischer Bausubstanz prägen die tägliche Arbeit des Teams. Die Sanierung des denkmalgeschützten Turmhelms der Johanneskirche in Düsseldorf steht beispielhaft für diesen Anspruch.
Bemerkenswert ist die frühzeitig von Frank Henke eingeleitete Nachfolgeregelung des Unternehmens. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Auszubildenden Dennis Hentschel, heute Klempnermeister und Teilhaber der Gesellschaft, gestaltet Frank Henke die Zukunft des Betriebs. Damit wird wertvolles Fachwissen generationenübergreifend weitergegeben und die langfristige Entwicklung des Unternehmens gesichert. Aktuell beschäftigt die Prange Klempnertechnik GmbH am Stammsitz in Brilon und in der Niederlassung Dortmund zwölf Klempnergesellen sowie einen Auszubildenden. Ein besonderer Meilenstein in der Unternehmensgeschichte wird der 13. Oktober 2026 sein: An diesem Tag erhält Frank Henke den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege. Nachzulesen in der nächsten KlempnerMagazin Ausgabe 6/2026.

zuletzt editiert am 19. Oktober 2026
Newsletter