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Klempner durch und durch, drei Generationen Bagge. Von links: Christian, Wilhelm und Wilhelm Bagge sen. Foto: Siepenkort

Wissen 2013-08-26T00:00:00Z Klempner mit Herzblut

Sie können das Klempnern nicht lassen. Seit vier Generationen und 87 Jahren verarbeiten die Bagges aus Barnstorf in allen Variationen Metall an Dach und Fassade – und nicht nur das ….

Vorweg – eigentlich waren nur zwei bis drei Stunden für den Besuch bei Firma Bagge eingeplant, am Ende waren es sieben. Und eigentlich reichten die nicht einmal aus. Aus der kleinen Betriebsbesichtigung entwickelte sich unerwartet eine spannende Zeitreise durch die Klempnertechnik ab dem 17. Jahrhundert. Denn die Inhaber sind nicht nur leidenschaftliche Klempner, sondern auch leidenschaftliche Sammler. Und dies, seitdem Senior Wilhelm Bagge im elterlichen Betrieb tätig ist, also seit 1952. Unzählige Exponate aus Deutschland, den europäischen Nachbarländern und sogar aus den USA sind auf drei Standorte im kleinen niedersächsischen Barnstorf verteilt – wahre Fundgruben, in denen eingefleischten Klempnern das Herz aufgeht. Noch heute sorgen Wilhelm junior und Sohn Christian Bagge stets für Nachschub, sowohl auf Antik- und Trödelmärkten und als auch bei E-Bay, wo sie bereits so manches seltene Fundstück ersteigern konnten.

1926 hat alles begonnen. In dem Jahr, in dem auch die Deutsche Lufthansa erstmals ihren Betrieb aufnahm, gründete Kupferschmiede- und Pumpenmeister Johann Bagge seinen kleinen Einmannbetrieb. Zuvor war er als Geselle auf Wanderschaft in Deutschland und in der Schweiz, um Erfahrungen zu sammeln. Dort war das Kupferschmiedehandwerk in dieser Zeit in der Blüte. Anschließend absolvierte er während des 1. Weltkrieges seinen Militärdienst als Pumpenmeister auf verschiedenen Kriegsschiffen.
Das Geschäft mit der Klempnerei und dem Brunnenbau lief schon kurz nach der Eröffnung sehr gut, sodass das Unternehmen schnell wuchs. „Akkurate Arbeit ist das Markenzeichen unseres Betriebes, war die Devise meines Vaters. Und das gilt noch immer“, versichert der heute 86jährige Mehrfachmeister Wilhelm Bagge senior, der 1952 mit seiner Frau Inge den florierenden Betrieb übernahm.

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Firma Bagge blickt nicht nur zurück. Klempnertechnik für moderne Architektur gehört bei Firma Bagge zum Tagesgeschäft. Foto: Bagge/KME

Zukunft Fassade
Seit 1989 wird der Betrieb von Wilhelm Bagge junior geführt. Sein Engagement galt von Beginn an in besonderer Weise der Klempnertechnik in der modernen Architektur und dem Denkmalschutz – und das war gut so: „Ab 1994 entwickelte sich der Bereich Metalldächer nahezu explosionsartig. Seitdem haben wir unzählige öffentliche und private Gebäude mit Metall gedeckt, sodass dieser Bereich zu unserem Schwerpunkt wurde. Neben dem traditionellen Denkmalschutz zählen insbesondere architektonisch modern gestaltete Gebäudehüllen zu unserem Spezialgebiet. Bei einigen Wettbewerben des Handwerks und der Architektur haben wir in dieser Zeit sogar verschiedene Baupreise erhalten – wie gesagt, unser Motto „Akkurat arbeiten“ hat uns dazu verholfen. Wir haben zwar noch viele Jahre Heizung- und Sanitärinstallationen ausgeführt, aber jetzt sind wir ein reiner Klempnerbetrieb. In den 1990er Jahren haben wir Geld verdient, heute ist die Lage leider etwas anders: Größerer Wettbewerb, kleinere Preise. Dennoch sind wir gut zufrieden und sehen zuversichtlich in die Zukunft. Diese liegt heute im Sanierungs- und Fassadenbereich, in dem wir uns in den vielen Jahren das entsprechende Know how angeeignet haben. Hier ist der Wettbewerb geringer und die Wertschöpfungsmöglichkeiten sind für uns höher“, schildert Wilhelm Bagge.
Mit „wir“ sind Sohn Christian, mittlerweile die vierte Generation bei Bagge, sowie zehn Facharbeiter gemeint. Dabei ist eines sicher – auch sein Sohn Christian wird die Tradition des Klempner-Fachbetriebes weiterführen. „Das geht ja auch gar nicht anders. Ich war doch schon als Kind immer auf allen Antiquitäten- und Trödelmärkten mit dabei und kenne fast nichts anderes als Blech“, lacht Christian Bagge, der seit 2009 Geschäftsführer der Chr. Bagge Metall Bedachungen GmbH ist. „Klar – mir macht das Gestalten mit Metall einfach Spaß. In unserer kleinen Branche haben sich bei den unterschiedlichen Veranstaltungen zudem viele gute Kontakte zu Kollegen ergeben, beispielsweise beim Klempnertreff in Münster. Ich freue mich, so einen schönen Beruf erlernt zu haben“, sagt der 28jährige ((??)) Klempnermeister, der auch am HBZ in Münster seinen Meisterbrief erlangte.

Von der Wellenschaukelwanne zur Bombiermaschine
Zurück zum Museum. Das ist schon beeindruckend, was die Bagges zusammengetragen haben. Bei einem Besuch wird eines klar: so oft, wie der Begriff Klempner in den zahlreichen historischen Büchern und uralten Meisterbriefen vorkommt, hat sich der ZVSHK in der Wahl der viel diskutierten Berufsbezeichnung damals richtig entschieden. Wer es nicht glaubt, der kann sich im Klempnermuseum „Artificium“ der Firma Bagge selbst überzeugen.
Wussten Sie übrigens, dass die ersten Petroleumlampen vom Klempner hergestellt wurden? Diese Erkenntnis gewinnt man ebenfalls im Klempnermuseum Barnstorf. Speisenkarten aus Zinkblech? Kein Problem. Diese leistete sich der Zinkhütten-Verband in Oberschlesien anlässlich einer Gesellschafterversammlung am 5. Juli 1911 (es gab Krebsschwänze in Dillsoße und dazu Riesling, 1904er Oberemmeler Hütte).

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 06.2013.

Weitere Bilder des Betriebs finden Sie hier .

zuletzt editiert am 15. April 2021
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