Zwei Auszubildende in der Metallbearbeitungswerkstatt, die jeweils Metallplatten in den Händen halten. Hinter ihnen ist ein Ausbilder zu sehen, der an einer Maschine arbeitet.
Lisa Reitmeier vom Ausbildungsbetrieb Steinmetz GmbH aus Güglingen lieferte mit 98,46 Punkten das beste Werkstück ab. Ellen Pottiez von der Baublechnerei aus Ettenheim meisterte ihr Ausgussbecken mit umlaufender Wulst aus Titanzink. (Quelle: RBS-Ulm / Förderverein)

Wissen 2024-09-10T07:19:01.213Z Klempnerinnen vorn 

Klempnerausbildung: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – das ist leicht gesagt. Doch wenn es bei der Arbeit um die Berufs-Abschlussprüfung geht, dann hat das Wort „Arbeit“ eine ganz besondere Bedeutung – wie 81 Klempner-Azubis in Ulm erfahren durften.

Klempnerlehrlinge an der Robert Bosch-Schule in Ulm (RBS) haben ein besonderes Privileg gegenüber ihren Berufskollegen in den anderen Bundesländern: Nach der bestandenen Abschlussprüfung zum Gesellen/zur Gesellin bekommen sie ihre eigene Lossprechungsfeier. Diese Tradition ist einmalig und wird von der Schule, dem Förderverein Klempner und Partnern der Klempner-/Spenglerbranche immer gerne unterstützt. In diesem Jahr haben sich 27 Auszubildende der Landesfachklassen Baden-Württemberg bemüht, beim abschließenden Teil 2 der Gesellenprüfung nicht nur als Gast an der Feier im März nächsten Jahres teilnehmen zu dürfen.

Der Kundenauftrag (Fachprüfung Teil 2)

Mit ihrem Kundenauftrag, einem Dachmodell und einem kundenorientierten Fachgespräch legten 27 Prüfungsteilnehmende in den Werkstätten der RBS Ulm den zweiten Prüfungsteil ab. Anzufertigen war ein Doppelstehfalzdach aus verzinktem und beschichtetem Stahlblech GreenCoat bei 10 Grad Dachneigung. Darin mussten sie einen Kamin mit Wandanschluss und ein Strangbelüftungsrohr mit Abdeckhut einbinden. Mit 92,97 Punkten im Kundenauftrag und 96,33 Punkten in der Theorie hat Laura Wahl vom Ausbildungsbetrieb Dangel Lenningen dazu nicht nur den besten Kundenauftrag erfüllt. Mit 95,37 Punkten im Gesamtergebnis lieferte sie die professionellsten Leistungen in allen Bereichen ab.

Ein Außenkamin mit Dachziegeln in einem modernen Design. Der Kamin besteht aus Metall und ist mit einer speziellen Abdeckung ausgestattet, die den Rauchabzug optimiert.
Eine Prüfungsaufgabe war, ein Holzmodel im Doppelstehfalzsystem zu decken und darin einen Kamin und Strangentlüfter einzubinden. (Quelle: RBS-Ulm / Förderverein Klempner)

Der Arbeitsauftrag (Fachprüfung Teil 1, ehemals Zwischenprüfung)

Die 54 Prüflinge im Teil 1 mussten bei der theoretischen Fachprüfung 240 Minuten praxisbezogene Aufgaben in Fertigungs-, Montage- und Instandhaltungsarbeiten bearbeiten und innerhalb von 60 Minuten ihre Arbeitsplanung und Schablonen für die Prüfungsstücke erstellen. Eine Woche später galt es, im fachpraktischen Teil ihr geplantes Ausgussbecken mit umlaufender Wulst und schräg geschnittenem Ablaufstutzen aus Titanzink zu fertigen. „Hierzu mussten sie ein 15-minütiges Fachgespräch führen – eine Herausforderung nicht nur für die Klempner und Klempnerinnen – aufgrund der engen Zeittaktung ebenso für die Prüfer“, berichtet Klempnermeister und Prüfungsvorsitzender Peter Mast. „Bei den 54 teilnehmenden Klempner-Azubis konnten wir zum Teil hervorragende Werkstücke bestaunen. So hatte beispielsweise Lisa Reithmeier im Teil 1 vom Ausbildungsbetrieb Steinmetz GmbH aus Güglingen mit 98,46 Punkten das beste Werkstück abgeliefert – das ist die positive Nachricht. Herzliche Glückwünsche für die hervorragenden Leistungen dieses Klempner-Nachwuchses!“, gratuliert Peter Mast und ergänzt: „Leider waren aber auch einige unzureichende Arbeiten dabei, die wir – und das muss man ganz klar sagen – auf eine unzureichende Unterstützung durch die Ausbildungsbetriebe zurückführen. Meist mangelt es bereits an Grundlagen wie schweifen, bördeln, Umfänge berechnen und Materialzugaben ermitteln. Hier ist bei verschiedenen Unternehmen noch viel Luft nach oben. Das Schlimme dabei ist: Am Ende verlieren beide, der Ausbildungsbetrieb und vor allem die Lernenden“.

Schüler in einer Werkstatt machen handwerkliche Arbeiten an einer Werkbank.
In diesem Sommer haben sich 54 Lernende der Landesfachklassen Baden-Württemberg bemüht, ihre Ausbildung zum Klempnergesellen und zur Klempnergesellin erfolgreich abzuschließen. (Quelle: RBS-Ulm / Förderverein Klempner)

Der Klempner – ein systemrelevanter Beruf

„Bauphysikalische Grundlagen, Berechnungen der Entwässerung, Materialeigenschaften, Wärmedurchgang und thermisch abhängige Längenänderungen sind in unserem Berufsbild wesentliche Elemente der theoretischen Ausbildung. Die Grundlagen der dreidimensionalen Denkweise in den Fertigungsskizzen werden bis zum Konstruieren der Abwicklungen einer komplexen Baugruppe fortgeführt“, informiert Peter Mast. „Wir haben mit unseren Metallen einen Werkstoff, der wirtschaftlich günstig, pflegeleicht, wetterbeständig, langlebig und zu 100% recyclingfähig ist. Deshalb sind die zukünftigen Klempnergesellen und -gesellinnen die Gebäudemanager mit dem grünen Daumen – ein systemrelevanter Beruf mit Zukunft“, so das Statement für den Klempner-Nachwuchs von Peter Mast.

Die feierliche Lossprechung der Klempnergesellinnen und -gesellen findet nächstes Jahr wieder in der Schulaula der Robert Bosch-Schule Ulm statt. 

Weitere Informationen:
www.rbs-ulm.de
www.foerderverein-klempner.de

zuletzt editiert am 10. September 2024
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