Schwerpunkt des ersten Klempnertreffs war, die Vorteile der vorgehängten hinterlüfteten Metallfassade gegenüber den Billig-Polystyrol-Dämmsystemen herauszuarbeiten. Ergebnis: Metallfassaden sind im Vergleich extrem sicher und trotzdem wirtschaftlich.
Der Zuspruch war gut, die Themen passend und die Fortsetzung des klempner magazin Klempnertreffs gemäß der Teilnehmerbefragung erwünscht. Knapp vierzig Teilnehmer aus Handwerk, Industrie und Verbänden waren der Einladung zur Auftaktveranstaltung des neuen Branchentreffs nach Münster gefolgt. Der Einzugsbereich der angereisten Metallexperten ging zum Teil weit über die Grenzen von NRW hinaus – bis hin zum Bodensee, Hamburg und den Niederlanden. Eine rege Beteiligung in Form von Vorträgen, Diskussionen rund um das Betätigungsfeld Fassade sowie der fachliche Austausch in Pausen sorgte für ein kurzweiliges Tagungsprogramm, das beim geselligen Abendessen seinen Abschluss fand – dies als kurze Einleitung vorweg.
Dass die Fassade ein Betätigungsfeld ist, das exakt in unser Klempnerhandwerk passt und reichlich Auftragspotenzial bietet, zeigte nicht nur der Sanierungspreis 2013, sondern auch die Referenten des ersten Klempnertreffs. Sie bewiesen, dass vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) im Vergleich zu Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) mit Polystyrol (Styropor) extrem sicher sind und mit Blick auf die bauphysikalischen Eigenschaften, die Langlebigkeit und den Umweltschutz trotzdem wirtschaftlich. Innen Schimmel, außen Moos – vom Brandschutz ganz zu schweigen: der objektive Bauherr kommt also an den Vorteilen einer vorgehängten hinterlüfteten Metallfassade für sein Gebäude nicht vorbei. Nur muss er dies auch wissen – und hierin besteht die gemeinsame Aufgabe der Klempnerbranche, da waren sich alle Teilnehmer einig.
„Verdämmt und zugeklebt“ …
… war das Thema zu Polystyroldämmungen, über das Uwe Nagel von VM Zinc referierte. „Seit vier Jahrzehnten verschärfen Bundesregierungen aller Couleur Gesetze, Baurichtlinien und Energieeinsparverordnungen. Bis 2050 soll jedes der rund 19 Millionen Häuser der Republik isoliert und klimafreundlich saniert sein – Senkung CO2-Ausstoß von Wohnhäusern um 80 Prozent. Und das soll am besten mit Styropor gehen?“, führte der Architekt und Anwendungsberater mit der provokanten Frage in das Thema ein. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil (?) des Werkstoffs Polystyrol ist, dass er billig ist – hier ein Vergleich pro Quadratmeter mit alternativen Dämmwerkstoffen: Polystyrol WDVS 125 Euro, Mineralwolleplatten 150 Euro und Mineralschaum 200 Euro. „Wenn ein Polystyrol-WDVS nur 22 Jahre hält, wie das Fraunhofer-Informationszentrum angibt, ein Haus aber 100 Jahre, macht dessen Einsatz keinen Sinn. Immer häufiger wird jedoch beobachtet, dass WDVS-Fassaden sich schon bereits nach wenigen Monaten grün verfärben. Eine Sanierung kostet dann im Schnitt pro Haus 18.000 Euro – ohne die teuren Entsorgungskosten in speziellen Verbrennungsanlagen. Die Amortisation erfolgt nach optimistischer Kalkulation erst nach 20 Jahren. Kurzfristig bekommt der Bauherr mehr für weniger Geld, jedoch sind die Zyklen für Wartung und Erneuerung viel kürzer als versprochen und die Kosten später sehr viel höher als geplant“, ordnet Uwe Nagel den Begriff „billig“ ein und bezieht sich hierbei auf einen aktuellen Bericht der Zeitschrift Capital, Ausgabe 3/2013. Außerdem verspräche die Dämmlobby bis zu 70 Prozent weniger Wärmeverlust – wobei hierbei nur die Wände berücksichtigt sind. Der wirkliche Einspareffekt liege deutlich unterhalb von 20 Prozent. Dass Fassaden kostengünstig in Klempnertechnik bekleidet werden können, zeigte Uwe Nagel am Beispiel eines neuen Forschungszentrums im Münster. Hier schaffte es der Klempnerfachbetrieb, mit präziser Planung und einem hohen Vorfertigungsgrad einen Quadratmeterpreis von 180 Euro zu realisieren und Metall anstelle eines Wärmedämmverbundsystems zu platzieren. Einen ausführlichen Bericht hierzu veröffentlichen wir im kommenden klempner magazin Ausgabe 6/2013.
Feuerwerk mit Styropor
Insbesondere das Brandverhalten der Polystyrol-Fassadendämmungen ist in die Diskussion geraten; das Material wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der unheimlich hohe Temperaturen verursacht. Hat Styropor einmal Feuer gefangen, so setzt es eine enorme Hitze und giftige Gase frei. Brandfälle mit WDVS in der Vergangenheit gaben Veranlassung, die Anforderungen an den Brandschutz von Fassaden in der Musterbauordnung (MBO) genauer zu spezifizieren. Die letzten Änderungen beschloss die Bauministerkonferenz am 21.09.2012. Rüdiger Niewind von Rheinzink erklärte in seinem Vortrag, dass sich dies auch auf die Konstruktion hinterlüfteter Klempnerfassaden auswirke, obwohl hier noch keine Brandschutzprobleme bekannt geworden sind. So müssten beispielsweise jetzt bei über Brandwände hinweggeführten hinterlüfteten Fassaden (§ 30 MBO) und ab Gebäudeklasse 4 (Höhe der Fußbodenoberkante des obersten Geschosses > 7 m) und geschossübergreifenden Luft- oder Hohlräumen (§ 28 MBO) Brandsperren vorgesehen werden. Bei der Planung seien jedoch die jeweiligen Landesbauordnungen zu beachten, die von der Musterbauordnung abweichen können.
Klaus Siepenkort
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 05.2013.
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