Fachtagung: Seit Jahrzehnten ist der Klempnertreff das Herzstück des baden-württembergischen Klempnerhandwerks. So trafen sich am 12. März die Spezialisten der Blechumformung wieder zur beliebten Fachtagung im Herzen des Schwarzwalds.
Rund 120 Teilnehmer folgten der Einladung zur zweitägigen Fortbildungsveranstaltung in Titisee mit abendlichem Klempnertreff. Technikreferent Vincent Fanenbruck und Kollegin Lisa Brunner moderierten ein interessantes Tagungsprogramm mit ausgewählten Fachreferenten und sorgten für den reibungslosen Ablauf. Die Themen des jährlich stattfinden Seminars reichten von der Digitalisierung im Handwerksbetrieb bis hin zur Nachwuchsgewinnung. Gleich nach der Begrüßung von Landesfachgruppenleiter Robert Smejkal griff Andreas Seltmann das Thema Fachkräftemangel auf. Mit seinem Impulsvortrag „Der Weg zum Chef, bei dem alle arbeiten wollen!“ machte er deutlich, dass erfolgreiche Mitarbeitergewinnung und ‑bindung im Handwerk weniger von einzelnen Maßnahmen als von der gelebten Führungskultur abhängen. Attraktivität als Arbeitgeber komme vor allem durch Wertschätzung und glaubwürdige Kommunikation auf. Seltmanns Kernaussage: Wer authentisch führt, Orientierung gibt und Menschen ernst nimmt, wird zum Chef, bei dem Mitarbeitende nicht nur anfangen – sondern bleiben wollen.
Auf die Struktur kommt es an
Im Vortrag „Erst denken, dann klicken“ stellte Ruben Kaltenbach klar, dass die größten Herausforderungen im Handwerk selten durch fehlende Software entstehen, sondern durch mangelnde Struktur. Er muss es wissen, denn seine Wurzeln gründen bis heute in einem SHK-Familienbetrieb, der Kempf GmbH in Schonach. Seine Aufgabe war und ist dort, Strukturen aufzubauen und Prozesse weiterzuentwickeln. „Ich habe selbst erfahren, wie sehr Digitalisierung und Teamarbeit ein Unternehmen tragen – oder auch bremsen können“, so Ruben Kaltenbach. Seit vier Jahren begleitet er Handwerksunternehmer als Sparringspartner, die ihren Betrieb klar führen, ihr Team stärken und Digitalisierung einsetzen wollen. Digitalisierung beginne nicht mit neuen Tools, sondern mit der richtigen Analyse der betrieblichen Engpässe. Anhand des von ihm entwickelten F.E.U.-Systems zeigte Kaltenbach praxisnah auf, wie Betriebe zuerst Fokus schaffen, Energie durch klare Rollen, Verantwortlichkeiten und Führung freisetzen und erst danach in die Umsetzung mit Prozessen und Software gehen sollten. Besonders betont wurde die Bedeutung eines strukturierten Büros als Fundament für digitale Baustellenprozesse. An einem Praxisbeispiel aus dem eigenen Betrieb zeigte der Referent, wie klare Abläufe, digitale Dokumentation und eine transparente Verbindung zwischen Büro und Baustelle zu weniger Rückfragen, sauberer Nachtragsabwicklung und höherer Effizienz führen. Kaltenbachs Fazit: Gute Software verstärkt ein gutes System – ersetzt es aber nicht.
Planen mit Punktwolken
„Digitale Werkzeuge für die Praxis – Chancen für Betriebe und Projekte“ lautete der Vortrag von Felix Brunold, Inhaber der Designschmiede VektorNode (www.vektornode.com). Der Vortrag zeigte praxisnah auf, wie digitale Werkzeuge das Spenglerhandwerk bei Planung, Ausführung und Gestaltung unterstützen können. Die präzise 3D‑Bestandserfassung ermögliche eine verlässliche Planung, reduziert Messfehler und schafft objektive Entscheidungsgrundlagen. Sogenannte Parametrische Modelle helfen, komplexe Geometrien zu beherrschen, Änderungen problemlos umzusetzen und Abläufe zu automatisieren. Gleichzeitig betonte er, dass digitale Werkzeuge fachliches Know‑how, Kreativität und Verantwortung nicht ersetzen, sondern verstärken. Erfolgreiche Digitalisierung beginne daher mit der richtigen Fragestellung, klaren Prozessen und dem gezielten Einsatz passender Werkzeuge – nicht mit Technik.
In den Pausen laden Hersteller der Branche in der begleitenden Fachschau stets zum fachlichen Austausch zu Produkten und Dienstleistungen im Spenglerhandwerk ein. Nach Ende des ersten Fachtages treffen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen traditionell zum gemeinsamen Abendessen und Netzwerken im Bergseerestaurant von Titisee – ein bedeutender Programmpunkt, der immer ankommt.
Kleine Fehler, große Schäden
Schäden an Metalldächern und deren Vermeidung war das Thema von Diplomingenieur Stefan Holz, Inhaber der Metallbüro Holz GmbH. Als Sachverständiger (BVFS) für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, Flachdach- und Fassadenabdichtung sowie Spenglerarbeiten verfügt er über weitreichende Kompetenzen und langjährige Berufserfahrung. Darüber hinaus ist Stefan Holz Qualitätsprüfer für den Metallleichtbau beim IFBS e. V. Metalldächer sind eine der Hauptaufgaben des Klempners. Doch schon durch kleine Fehler können gravierende Schäden am gesamten Gebäude entstehen. Anhand mehrerer Fallbeispiele erläuterte Stefan Holz, dass Feuchteschäden häufig nicht auf fehlerhafte Metalldeckungen zurückzuführen sind, sondern auf Schnittstellenprobleme an den Gewerkegrenzen, fehlerhafte Anschlüsse oder Fremdeingriffe, etwa durch Gerüstbefestigungen. Besonders bei Sandwichdächern wurde deutlich, wie unzureichende Maßhaltigkeit, falscher Schraubenanpressdruck oder offene Längsfugen zu Kondensation, versteckter Durchfeuchtung und letztlich zu Holzschäden an tragenden Konstruktionen führen können. Stefan Holz betonte die Bedeutung fachgerechter Planung, normkonformer Montage in Verbindung mit einer sorgfältigen Bauüberwachung. Sein Fazit: Viele Schäden lassen sich durch Detailkenntnis, Kontrolle der Ausführung und das Verständnis bauphysikalischer Zusammenhänge von vornherein vermeiden.
Wie in jedem Jahr gehörte auch zum Ende des Klempnertreffs 2026 die Vorstellung einer gelungenen Spenglerarbeit. Die beiden Spenglermeister Michael Kirchen und Gerhard Schuler zeigten ein interessantes Gemeinschaftsprojekt mit Fassaden- und Deckenbekleidungen aus Cortenstahl. Die Profilfertigung erfolgte im Unternehmen Ferisol von Michael Kirchen, die Montage erledigte GSP-Dachtechnik von Gehard Schuler. Nicht nur die Arbeiten, auch die Zusammenarbeit sei reibungslos und sehr erfolgreich verlaufen – eine Spenglerarbeit, die es nicht „von der Stange“ gibt. Ergänzend gab Michael Kirchen einen interessanten Einblick in sein Unternehmen mit modernster Maschinenausrüstung.
Mit einem Resümee zu den erlebten zwei Seminartagen beendete Robert Smejkal den mittlerweile 29. Klempnertreff. Schon vormerken:
Der 30. Klempnertreff in Titisee findet vom 11.–12. März statt.
Weitere Informationen:
www.fvshkbw.de
