Metallfassaden: Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit entstand in Bad Cannstatt eines der modernsten Sportbäder für professionelle Trainings und Wettkämpfe. Ihre einzigartig gestaltete Metallfassade ist nicht nur Eyecatcher - mit ihren hunderten individuell angepassten Metallelementen erfüllt sie zudem zeitgemäße Anforderungen an den Klimaschutz.
Das neue Neckarbad in Bad Cannstatt bei Stuttgart ist barrierefrei und trotz der einfachen Gebäudegeometrie architektonisch interessant gelöst. Ausschlaggebendes Gestaltungselement ist die außergewöhnliche Fassadenbekleidung, bestehend aus individuell geformten und teilweise gelochten Metallprofilen. Der Entwurf und das Design für die Fassade stammen von den Lehmann Architekten aus Berlin und Offenburg, die das Gebäude in einer Arbeitsgemeinschaft mit AHM Architekten aus Berlin geplant haben. Grischa Lehmann nennt zwei für ein Sportbad ungewöhnliche Vorgaben als gestaltprägend: „Zum einen war die Kubatur des Gebäudes aus den städtebaulichen Vorgaben nahezu festgelegt. Zum anderen war es aufgrund der Lage in einem Heilwassergebiet nicht möglich, ein Untergeschoss zu bauen. Somit musste fast das komplette Erdgeschoss als Technikebene und das Obergeschoss als Badeebene ausgeführt werden, erläutert Grischa Lehmann: „Aufgrund der vorgegebenen städtebaulichen Parameter ist das Sportbad ein großer, abstrakter Kubus mit einem energetisch optimierten und reduzierten Verglasungsanteil. Gestalterischer Wunsch war daher von Anfang an, die großen Fassadenflächen architektonisch zu gliedern und über ein Farb- und Lichtspiel eine lebendige Oberfläche zu generieren.“
Individualität und Wirtschaftlichkeit im Fokus
Aufgabe für die Experten des Herstellers industrieller Dach- und Fassadensysteme war, die gewünschten scharfe Kanten und rechten Winkel der Fassadenelemente umzusetzen. Dazu musste eine Bekleidung mit individueller Formgebung, aber klarer Grundstruktur geschaffen werden, die zudem noch wirtschaftlich war. Individualität und Wirtschaftlichkeit – zwei wichtige Aspekt für das Sportbad, das von Anfang an unter kritischer Betrachtung stand. Es galt, die Investitionsgrenze mit einem Gesamtvolumen von 44 Mio. Euro zwingend einzuhalten.
Von der Keramik zum Metall
Um der Entscheidung pro Metallfassade näher zu kommen, wurden mehrere Mock-Ups, also Modelle der Fassadenlösungen, direkt vor Ort aufgebaut. Dabei standen den unterschiedlichen Herstellern jeweils 3 x 4 Meter große Flächen zur Verfügung, die mit der jeweiligen Bekleidung beplankt wurden. Die Montagearbeiten für das metallische Mock-Up übernahmen die BEMO-Vertriebsmitarbeiter von Andreas Randel und Roger Weihrauch persönlich, um nichts dem Zufall zu überlassen. Diese Leidenschaft für ein Projekt gehört neben der Beratung, Detaillierung und Ausschreibung für die beiden Vertriebsprofis einfach dazu. In einer Begehung und Besichtigung von Bauherr, Architekten und Projektleitung fiel dann die Entscheidung eindeutig zugunsten der Metallfassade des Systems UNIKO. Es handelt sich hierbei um Sonderpaneele mit linearer Struktur, die eine interessante Wirkung von Licht und Schatten erzeugen. Je nach Anforderung und Anwendungsfall werden die Elemente verdeckt, sichtbar oder frei gleitend zum Einhängen an der Fassade befestigt. Die Verlegerichtung am Gebäude kann variabel – waagerecht, senkrecht sowie diagonal - erfolgen. Die Paneele werden je nach Anforderung in nahezu allen Farben, Materialien und auch in gelochter Variante gefertigt. So überzeugte das System nicht nur aufgrund der Wirtschaftlichkeit, sondern besonders durch ihre anpassungsfähige Optik. Damit war der Grundstein für die weitere Arbeit gelegt: Es folgten die Abstimmung, Zuarbeit von Ausschreibungstexten, Detaillierung und Umsetzung.
Sicher konstruiert
Im ersten Schritt wurden die Farben und Oberflächen definiert und teilweise erneut bemustert. Architekt und Bauherr entschieden sich final für eine eloxierte Oberfläche in Hellbronze (C-32 nach VOA – Verband für die Oberflächenveredelung von Aluminium e. V.), die mittels Band-Eloxal auf den Grundelementen aufgebracht wurde. Die einzelnen Stäbe, die je nach Element wechselnd angebracht sind, erhielten wiederum einen hellen Eloxalton (Silber) sowie eine Pulverbeschichtung in Blau, ähnlich RAL 5004. Nach Freigabe aller Oberflächen und Farben erfolgte die konstruktive Planung des Wandaufbaus sowie deren statische Umsetzung und Berechnung. Die Grundkonstruktion besteht aus einer 3-teiligen vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF). Hiermit konnte die anspruchsvolle Ausführung der vertikalen Bekleidung mit ihren zahlreichen unterschiedlichen Untergründen präzise umgesetzt werden. Die Untergründe aus Stahlbeton (Ortbeton und fertige Elemente) sowie aus Stahl-Glas-Konstruktionen erforderten viele verschiedene Sonderkonsolen mit zum Teil sehr große Spannweiten und Auskragungen. Insbesondere in Bereichen mit Lichtelementen und Lüftungsanlagen wurden Verschattungselemente oder gelochte Paneele eingesetzt. Insgesamt wurden 58 individuell perforierte und teilperforierte Paneele gefertigt und verbaut.
Gestalten mit Stäben
Nachdem die konstruktiven und statischen Herausforderungen gelöst waren, mussten nun die gestalterischen Anforderungen gemeistert werden: Es galt, den Architektenwunsch nach Individualität in die Realität umzusetzen. Hierbei entwickelte BEMO zusammen mit dem hauseigenen Ingenieurbüro Metal Envelope Engineering ein Fassadengrundmodul, das sich mittels adaptierbarer farbiger Stäbe gestalten ließ. Es wurden mehrere Basisvarianten gefertigt und auf der Baustelle durch einzigartige farbige Stäbe ergänzt. Dadurch erreichte man sieben verschiedene Varianten, die auf Basis eines exakten Verlegeplans ihre genaue Position an der jeweiligen Fassadenseite erhielten. Durch die wechselnde Anordnung wurde zudem eine Wiederholung nahezu ausgeschlossen.
In Summe wurden rund 3.800 Paneele, 1.000 Meter Kantteile und dazu etwa 7.500 Meter Rechteck- und Quadratrohre produziert und verbaut. Die Planung umfasste insgesamt knapp 200 Dokumente.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in Klempner Magazin 04.
