Metallfassaden: So funktional die Grundidee des neuen Kinder- und Jugendhauses „Oase“ im Nürnberger Stadtteil Schweinau auch ist, so eigenständig präsentiert sich das Gebäude nach außen. Einen besonderen Akzent in drei Ebenen setzt dabei die individuell gestaltete Metallfassade aus eloxiertem Aluminiumblech.
Ein Jugendhaus muss mehr sein als ein Gebäude mit Aufenthaltsräumen. Es soll offen sein, Identität stiften und jungen Menschen einen Ort geben, den sie als ihren eigenen annehmen können. In dem neu errichteten Kinder- und Jugendhaus Oase im Nürnberger Stadtteil Schweinau können Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 8 und 27 Jahren heute ihre Freizeit verbringen - Billard, Tischtennis oder Playstation spielen, den Garten nutzen oder sich zum freundschaftlichen Austausch treffen. Die Oase bietet zudem Hilfen an, wenn es um persönliche Probleme oder Fragen um Beruf, Schule, Bewerbung oder sonstiges geht. All dies ist bereits in der städtebaulichen Konzeption des Jugendhauses ablesbar.

Gestaltungselement Fassade
So funktional die Grundidee ist, so eigenständig präsentiert sich das Gebäude nach außen. Einen besonderen Akzent setzt dabei die individuell gestaltete Metallfassade. Sie verleiht dem Baukörper eine unverwechselbare Identität und macht zugleich das Material selbst zum architektonischen Gestaltungselement. Genau hier beginnt die Geschichte, die das Klempnerhandwerk in den Fokus stellt: Hinter der auffälligen Gestaltung verbirgt sich eine anspruchsvolle Detailplanung, bei der Material, Form, Befestigung, Fügung und handwerkliche Ausführung eng miteinander verbunden sind. Die kupferfarbene Metallbekleidung aus 1, 0 mm eloxiertem Aluminium ist deshalb nicht nur dekorative Oberfläche, sondern ein wesentlicher Bestandteil der handwerklich präzise umgesetzten architektonischen Idee.

Experten für das Planen und Bauen
Für den Neubau des Kinder- und Jugendhauses übernahm die kklf architekten gmbh die architektonische Planung. Die kleyer.koblitz.letzel.freivogel architekten gmbh (KKLF) zählt zu den renommierten deutschen Architekturbüros mit einem breiten Portfolio an Bildungs-, Kultur-, Verwaltungs- und Forschungsbauten. Das Büro entwickelt Architektur mit hohem gestalterischem Anspruch und legt besonderen Wert auf die Verbindung von Funktionalität, Nachhaltigkeit und Identität. Projektleiter und verantwortlicher Architekt war Gábor Freivogel, unter dessen Leitung ein Gebäude entstand, das einen wichtigen Beitrag zur städtebaulichen Entwicklung des Nürnberger Stadtteils Schweinau leistete. Den Wettbewerb um die Ausführung der Fassadenbekleidung gewann die Firma Fleischer Metallfaszinationen aus dem thüringischen Lauscha am Rennsteig. Das Unternehmen ist spezialisiert auf hochwertige, individuelle Metallfassaden und architektonische Sonderkonstruktionen. Für die Umsetzung der Bauaufgaben verfügt die Firma Fleischer über den erforderlichen Maschinenpark zur Profilfertigung und Blechverformung. Somit ist er in der Entwicklung und Produktion der Fassadensysteme einschließlich der Unterkonstruktionen unabhängig von externen Dienstleistungen. Lediglich für statische Berechnungen arbeitet der Unternehmer mit einem Partnerbüro zusammen. Mit dem Auftrag ergab sich, zur Freude von Klempnermeister Mike Fleischer und KKLF Architekten, eine bewährte Partnerschaft aus vorangegangenen, bereits erfolgreich abgeschlossen Projektarbeiten.

Jedes Geschoss ein Unikat
Die Besonderheit des kubisch geformten Baukörpers ist die Fassadengestaltung der vier Geschossebenen, die sich teleskopartig nach oben „ausfahren“. Während die Außenwände des Erdgeschosses mit WDVS ausgeführt wurden, erhielten die darüber liegenden Geschosse eine vorgehängte hinterlüftete und wärmegedämmte Metallfassadenkonstruktion. Jede Ebene überragt die darunterliegende mit einem Überstand von etwa zehn Zentimetern und wirkt somit wie ein eigener Baukörper – nicht nur durch den Größenunterschied, sondern auch durch die individuell als im Zickzack gekanteten Bekleidungselemente aus bandeloxierten Aluminium.
Zickzack hört sich einfach an - jedoch stellte das entworfene Fassadendesign der Architekten Mike Fleischer bei der Umsetzung vor eine komplexe Aufgabe: „Es gab verschiedene zeichnerische Entwürfe, die wir biegetechnisch nicht eins zu eins umsetzen konnten. Zudem sollte das vertikale Faltmuster über alle drei Ebenen, vom Fußpunkt bis zum oberen Abschluss, in einer Linie durchlaufen. Hierzu mussten die Abmessungen der Faltmuster für die folgenden Ebenen hochskaliert werden. Auch dabei stießen wir an Grenzen der Biegetechnik. In enger Zusammenarbeit mit Architekt Gábor Freivogel haben wir verschiedene Anpassungen vorgenommen, bis die endgültigen Profilformen gefunden waren. Durch die Skalierung der Profilierung in den drei Ebenen sowie dem „wilden“ Profilmuster kommt kein einziges Fassadenelement zweimal vor – jedes Zickzackprofil ist ein Unikat“, erklärt Mike Fleischer.
Eloxal vom Coil
Mit dem Einsatz eines 1,0 mm bandeloxierten Aluminiumwerkstoffs „Matt Copper 30 Mill finish“ der Firma COIL konnte eine besondere technische und gestalterische Qualität der Fassadenbekleidung erreicht werden. Das zeigten schon die Testläufe und Modelle in den Metallwerkstätten der Firma Fleischer. „Im Gegensatz zum Tafelmaterial konnten wir die Fassadenelemente für das neue Kinder- und Jugendhaus „Oase“ bedarfsgerecht, verschnittoptimiert und ohne Längenbegrenzung aus Bandmaterial herstellen. Trotz der intensiven Umformung der geometrisch anspruchsvollen Profile blieb die hochwertige Eloxaloberfläche schadlos erhalten. Seit 2018 haben wir mittlerweile über 25.000 Quadratmeter Eloxal-Aluminium der Firma COIL in den unterschiedlichsten Oberflächen verarbeitet und verbaut“, bestätigt Mike Fleischer. „An der ‚Oase‘ waren dies 2.730 m² vom 7,5 Tonnen schweren Muttercoil für netto 1.250 m² verlegte Fläche. Daraus ergibt sich ein Falt- bzw. Biegeverlust für das Profil von fast 120 Prozent.“
Von außen nach innen gedacht
Die Planung und sehr individuelle architektonische Gestaltung des Gebäudes erfolgte von außen nach innen, also mit dem Finish – „so, wie es immer sein sollte“, merkte Mike Fleischer an. „Damit mussten alle Durchdringungen der unterschiedlich großen und frei in den Ebenen angeordneten Fenster der vertikalen Linienführung der Metallfassade folgen. Jeder Anschluss an die Fensterlaibung schließt oder beginnt mit einem Profiltal der anliegenden Fassadenelemente. Auch dies bedeutete für uns eine anspruchsvolle Planung - von der Gestaltungsebene bis zum Traggrund aus Beton.“
Denn auch der Aufbau der Unterkonstruktion lag in den Händen der Firma Fleischer Metallfaszinationen. Zusammen mit einem langjähren Partnerunternehmen für Baustatik und der notwendigen maschinellen Ausrüstung fertigt das Unternehmen ein eigenes UK-System aus Edelstahl, bestehend aus Konsolen, Thermostop und Distanzelementen nicht. „Zur Aufnahme der Metallbekleidungen oder Tragschalen setzen wir zumeist Vierkantrohre ein. Sie sind statisch besser und erzielen größere Spannweiten, sodass weniger Konsolen benötigt werden. Die Auskragungen mit Zuluftfunktion der drei Ebenen von 220, 280 und 390 Millimetern haben wir mit unseren Distanzelementen realisiert. Für Festpunkte verwenden 6,0 mm, für Gleitpunkte 4,0 mm Edelstahl“, erklärt Mike Fleischer.
Transparenz im Treppenhaus
Eine Besonderheit stellt der Fassadenbereich mit integrierter Fluchttreppe dar. Die Metallbekleidung ist gelocht und bietet die gewünschte Transparenz. Auf eigene Veranlassung hat Firma Fleischer die hierfür erforderliche, aber durchscheinende Unterkonstruktion im Fassadenfarbton beschichten lassen. Sie bleibt somit unauffällig, die Fassade wirkt wie aus einem Guss. „Auch alle sichtbaren Befestigungsmittel der Fassadenprofile haben wir im passenden Farbton individuell bestellt und verarbeitet. An die Qualität unserer Fassaden stellen wir hohe Ansprüche, da gibt es in diesem Punkt keine Kompromisse“, sagt Mike Fleischer.
Symbiose aus Architektur und Handwerk
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts war die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Architektur und ausführendem Handwerk. In dem konstruktiven Austausch zwischen dem verantwortlichen Architekten Gábor Freivogel und Mike Fleischer, Geschäftsführer der Fleischer Metallfaszinationen GmbH, konnten gestalterische Anforderungen und handwerkliche Umsetzung optimal aufeinander abgestimmt werden. Die gemeinsame Suche nach technisch durchdachten und zugleich gestalterisch hochwertigen Lösungen trug entscheidend dazu bei, die architektonische Qualität des Neubaus bis ins Detail umzusetzen. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie aus dem partnerschaftlichen Zusammenspiel von Planungskompetenz und handwerklicher Präzision nachhaltige und identitätsstiftende Architektur entstehen kann. Am 5. März 2026 wurde das Projekt offiziell mit einer Bauabschlussfeier eröffnet. Die Gesamtkosten liegen bei rund 8,9 Mio. Euro.
Über Fleischer Metallfaszinationen GmbH
Im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie steht die Faszination für den Werkstoff Metall. Durch präzise Verarbeitungstechniken wie Kanten, Falzen, Stanzen, Lasern und Formen entstehen Gebäudehüllen aus Metall, die nicht nur funktionale Anforderungen erfüllen, sondern zugleich einen eigenständigen architektonischen Ausdruck schaffen. Jedes Projekt wird, wie auch die Oase in Nürnberg, mit interdisziplinärem Ansatz aus Gestaltung, Handwerk und moderner Fertigung individuell entwickelt und in enger Zusammenarbeit mit Architekturbüros und Bauherren realisiert. Die Referenzen des Unternehmens umfassen Projekte aus den Bereichen Kultur, Bildung, Wohnen, Büro und Industrie.
Den kompletten Beitrag lesen Sie in Klempner Magazin 03.2026