Das neue Kompetenzzentrum (Quelle: Joachim Grothus)
Die geschwungene Außenhülle mit ihren 26.000 Schindeln vermittelt mit eine gewisse Leichtigkeit. Ein Algorithmus legt die Reihenfolge der Schindeln fest und sieht vor, dass sich die Farbtöne nach oben hin immer mehr aufhellen. (Quelle: Joachim Grothus)

Technik

08. March 2022 | Teilen auf:

Wechselspiel der Farben

 Metallfassaden: 26.000 Schindeln, davon 7.000 Unikate aus Farb-Aluminium planen, produzieren und montieren – das waren die Aufgaben, die Volker Reinhardt für die  Fassadenbekleidung eines außergewöhnlichen Möbelhauses bewerkstelligen musste. Ein Algorithmus sorgte dafür, dass sich die Farbtöne von unten nach oben langsam aufhellen.

Dass ein Möbelhaus nicht nur funktional und zweckdienlich gebaut werden muss, sondern auch optisch ein „Hingucker“ sein kann, beweist der Bau des Möbelhauses Rieger im baden-württembergischen Heilbronn. Auf über 36.500 Quadratmetern Verkaufs- und 52.600 Quadratmeter Betriebsfläche werden den Kunden nicht nur Möbel sondern eine riesige Vielfalt an Produkten angeboten. Aber nicht nur innen ist das Gebäude etwas ganz Besonderes.  Der geschwungene Bau schmiegt sich durch seine weichen Formen und die durchdachte Fassadengestaltung harmonisch in die Landschaft ein und ist mittlerweile zu einem der architektonischen Highlight Heilbronns geworden. Sechs unterschiedlichen Kupfer-, Ocker- und Rottöne der Gebäudehülle sind wie ein Mosaik zusammengesetzt und verfolgen, trotz ihrer anscheinend planlosen Anordnung einen bestimmten Zweck. Der Neckar befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Möbelhaus. Wenn die Abendsonne auf sein Wasser fällt, spiegelt sich die Fassade in vielen Farben darin. Diese Farbenspiel diente als Vorlage für die Gestaltung von 8.000 qm Fassade. Bei der Suche nach den geeigneten Elementen für die Umsetzung dieses vielfältigen Farbspiels, stellten sich Aluminiumschindeln als optimale Lösung heraus.

Der Plan: CO2 neutrale Architektur

Über die Hälfte des in der EU verwendeten Aluminiums stammt aus wiederverwerteten Rohstoffen. Der ökologische Vorteil von recyceltem Aluminium liegt in dem extrem niedrigen Energieverbrauch bei der Herstellung. Zudem sind Metallhüllen langlebig und wenig pflegeintensiv. Bei hoher Sonneneinstrahlung dienen die vorgehängten Aluminiumelemente der Reflektion und die Wärme wird in die Hinterlüftungsebene abgeleitet. Ein weiterer Vorteil von ist das niedrige Gewicht des Werkstoffes, das statischen Reserven bietet. Diese Argumente überzeugten Architekten und Bauherren, deren Ziel es war, das Gebäude so klimaschonend wie möglich zu planen. Zudem ist der Werkstoff nicht brennbar, ein Sicherheitsaspekt, der gerade bei Bauten dieser Art äußerst relevant ist.

Die Umsetzung: Handwerkskunst

Den Auftrag zur Umsetzung der Metallhülle erhielt die Reinhardt GmbH aus Bad Rappenau. Die Firma ist auf Fassadenbau spezialisiert und stellt Fassadenschindeln auch in Lohnfertigung her. 26.000 einzelne Aluminiumschindeln – davon ca. 7.000 Unikate – wurden zugeschnitten und gekantet. Ein Algorithmus legt die Reihenfolge der Schindeln fest und sieht vor, dass sich die Farbtöne nach oben hin immer mehr aufhellen. Die Falzverbindung erlaubt eine sichere, nicht sichtbare Befestigung auf der Unterkonstruktion aus Trapezblech. Jede einzelne der 26.000 Schindeln hat ihre eigene Nummer und Spezifikation. Das machte die Montage der Elemente zur anspruchsvollen Detailarbeit, bei der jeder Fehler gravierende Folgen gehabt hätte. Präzise Planung und eine ausgefeilte Baulogistik waren notwendig, um die schillernde Fassade termingerecht fertigstellen zu können. Nach ca. 5 Monaten Montagezeit erstrahlt das Gebäude mit den stattlichen Maßen von 100 x 170 m in seinem Glanz und mit dem Neckar um die Wette.

Die Reinhardt GmbH mit Sitz in Bad Rappenau bei Heilbronn ist ein traditionsreiches, mittelständisches Handwerksunternehmen. Das 1967 als Blechnerei gegründete Unternehmen hat sich in den letzten Jahren zu einem modernen Fachbetrieb für Metallfassaden, Metalldächer, Edelstahlflachdächer sowie Sanitärinstallationen entwickelt. Der Firmensitz umfasst 2.500 m² Hallenfläche für Lagerung und Produktion mit modernsten Blechbearbeitungsmaschinen. Durch ein engagiertes Projektmanagement und rationelle Arbeitsabläufe ist das Team um Volker Reinhardt in der Lage, auch deutschlandweite und internationale Großprojekte erfolgreich umzusetzen. Neben privaten und gewerblichen Aufträgen hat das Unternehmen eine Vielzahl individueller öffentlicher Projekte umgesetzt. Der Tätigkeitsschwerpunkt liegt im südwestdeutschen Raum. Erfahrungen mit Auslandsprojekten kann das Unternehmen in der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Indien, Eritrea und Tansania nachweisen. Weitere Informationen: www.reinhardtgmbh.com

Anja Wörner

Die einzeln gefertigten Aluminiumschindeln wurden auf einer Trapezblech-Unterkonstruktion befestigt. (Quelle: Vitali Benz)
zuletzt editiert am 22.03.2022