Metallfassaden: In Würzburgs Gewerbegebiet entstand ein modernes Bürogebäude mit vielen Raffinessen. Das spezielle Deckensystem sorgt für Energieeinsparung und behagliches Raumklima, die gefaltete Spenglerfassade für Licht und Schatten.
Die außergewöhnliche Gebäudehülle für ein fünfgeschossiges Bürogebäude nach den Plänen von Oechsner Architekten Ingenieure GmbH war genau das, womit sich die Firma Lummel am liebsten beschäftigt. Georg Lummels Ziel ist, die Wünsche der Architekten zu erfüllen. Dies ist ihm mit der individuell gestalteten Mäanderfassade aus veredelten, elektrolytisch passivierten Aluminiumprofilen wieder einmal gelungen.
Im Neubau des Würzburger Gewerbegebiets „Skyline Hill“ befinden sich auf fünf Vollgeschossen moderne, zukunftsorientierte Arbeitswelten, die ein flexibles und dynamisches Arbeiten ermöglichen. Das Gebäude mit den zugehörigen Nebenflächen sowie einer Tiefgarage wurde als Einzelnutzerobjekt konzipiert. Es kann jedoch technisch jederzeit auch in fünf separate Nutzungseinheiten unterteilt werden, also je Etage eine Mieteinheit. Das Tragwerk besteht aus einem Stahlbetonskelettbau mit einem speziellen integrierten Deckensystem (Ceiltec), das Betonkernaktivierung, Lüftungsführung und Akustikabsorption in einem System vereint. Ergänzende Außenwandbereiche wurden in Holzbauweise ausgeführt, um den Betonanteil zu reduzieren.

Konsolen aus Stahl, feuerverzinkt
Die Gebäudehülle variiert nach Himmelsrichtung sowohl konstruktiv als auch architektonisch: Ost- und Westseite sind mit klassischen Fensterreihen ausgebildet. Die Nordfassade mit ihrer großzügigen Pfosten-Riegel-Konstruktion vermeidet sommerliche Überhitzungsrisiken bei hoher Tageslichtausbeute. An der Südfassade schützt ein feststehender Lamellenschirm aus eloxierten Aluminium-Rechteckrohren das Treppenhaus vor direkter Sonneneinstrahlung – sie prägt das Erscheinungsbild des Gebäudes nach außen und nach innen. Zur Ableitung der Eigenlasten sowie den veränderlichen Lasten aus den bauseitigen Fensterelemente mit der dazugehöriger Holzunterkonstruktion sowie der späteren Metallfassade kamen Konsolen schwerer Ausführung aus Stahl feuerverzinkt t=5,0 mm zum Einsatz. Leichte Konsolen (t = 3,0 mm) leiten die Windlasten an Brüstungen und Deckenstirn ab. Die vertikale und horizontale Unterkonstruktion besteht aus zinkmagnesium-beschichtetem Stahlblech (t = 2,0 mm). Für Fensterbänke, Attika und Jalousiekästen mussten die vertikalen Profile mit entsprechenden Auflagekanten versehen werden. Angesichts wechselnder Untergründe - Holz und Beton - wurden zudem unterschiedliche Ausführungen für die Stützenbekleidung zwischen den vielen Fenstern entwickelt.


Mäandrierende Fassadenprofile
Die Fassaden-Profiltafeln für die Brüstungs- und Deckenstirnbekleidung aus veredeltem Aluminium im Farbton „Ultra Dark" wechseln zwischen Vor- und Rücksprung. Dabei variiert auch die Breite der Hochsicken; fünf unterschiedliche Querschnitte wurden entwickelt und gefertigt - optimiert nach Zuschnitt, Verlegerichtung, Gerüstankerlage und dem gewünschtem Sickenbild. Die Elemente sind nicht starr verbunden. Die horizontalen Dehnungsbewegungen werden über gegenseitig eingehängte Stöße aufgenommen, vertikale über eingestanzte Langlöcher. Die vorgestanzten Lochungen sind gleichmäßig und unauffällig angeordnet.
Die umlaufende Fassadentrennung im „goldenen“ Farbton (Medium Bronze B40) hebt sich von der dunklen Fassadenbekleidung ab und sorgt für die klare optische Gliederung der Geschosse. Die Profile sind ebenfalls mittels elektrolytischer Passivierung veredelt und setzen sich aus vielen Einzelstücken zusammen. „Hierbei unterscheiden wir zwischen Fensterbank und Anschlussblech vor der Fensterstütze, die jeweils in der Bauteiltiefe variieren. Die Stütze zwischen den Fenstern besteht zweiseitig aus den ebenen Fensterleibungen und vorderseitig aus der gefalteten Fassadenbekleidung“, erklärt Spenglermeister Georg Lummel. „Wärmebrücken vor der Stützenverkleidung wurden damit vermieden und zugleich schadlose Dehnungsbewegungen ermöglicht. Die Stöße sind überhöht ausgeführt und mit einem Schiebedeckel regensicher abgedeckt.“
Lamellenschirm schützt vor direkter Sonneneinstrahlung
An der Südfassade schützt ein feststehender Lamellenschirm aus eloxierten Aluminiumrechteckrohren das Treppenhaus vor direkter Sonneneinstrahlung und prägt das Erscheinungsbild des Gebäudes - nach außen wie nach innen. Er besteht aus stranggepressten Aluminiumrechteckrohren in drei verschiedenen Querschnitten, eloxiert in E6C32 entsprechend der Farbgebung der umlaufenden Fassadentrennung. „Der Öffnungsgrad nimmt mit steigender Geschosszahl ab, der Anteil des größeren Rohrquerschnitts nimmt nach oben zu und der kleinere Querschnitt tritt zurück - eine einfache, regelbasierte Maßnahme mit direkter klimatischer und optischer Wirkung“, so die Beschreibung der Oechsner Architekten.
Nachhaltigkeitsklasse erreicht
Der Neubau orientiert sich an den Standards eines Effizienzgebäudes 40 – Erneuerbare-Energien-Klasse bzw. Nachhaltigkeits-Klasse und erreicht einen hohen Grad an CO₂-Neutralität. Das Gebäude wurde mit dem Ziel maximaler Energieeffizienz und Autarkie errichtet. Ein Anschluss an das Fernwärmenetz war nicht erforderlich, da das Objekt als Pilotprojekt weitgehend energieautark betrieben werden kann. Eine Photovoltaikanlage mit ca. 60 kWp dient der Deckung des Eigenstrombedarfs und versorgt eine Wärmepumpe, die sowohl die Gebäudeheizung als auch die -kühlung übernimmt. Auch die Vorgaben der DIN 18040-1 „Barrierefreies Bauen – öffentlich zugängliche Gebäude“ wurden erfüllt.
Vom Wunsch zur Lösung
„Alles beginnt mit einer Idee“, so Georg Lummel. „Entwicklung und Konzeptionierung stehen zu Beginn eines jeden Projekts, das bei uns vor seiner Umsetzung steht. Dabei gilt, schon im frühen Planungsstand die wichtigen Gesichtspunkte der Architektur zu berücksichtigen, die technische Machbarkeit zu entwickeln und zuletzt auch die Kostensituation darzustellen. So werden Risiken bei einer späteren Durchführung minimiert und eine hohe Ausführungsqualität gewährleistet – wie bei der Realisierung dieses architektonisch gelungenen Projekts.“
Weitere Informationen:
www.oeai.de
www.lummel.de