Metalldächer sind die besten Dächer. Deshalb werden auch in den französischen Alpen Dachdeckungen im handwerklichen Doppelstehfalzsystem eingesetzt. Die für die Arbeitsbedingungen können für die „Zingueurs“ jedoch extrem hart sein – aber auch extrem schön.
Schroffe Felsen, Sonne, Regen, Schnee und Sturm und eine atemberaubende Naturlandschaft sind die Extreme, denen sich die Wanderer, Bergsteiger und Wintersportler rund um die einmalig gelegene Berghütte „Refuge de Presset“ aussetzen. Die Schutzhütte liegt 2.514 Meter über dem Meeresspiegel in den französischen Alpen, im Beaufortain Massiv – eine kleine Region in Savoyen, südwestlich des Mont Blanc. Sie wurde 1966 erbaut und musste aufgrund der gestiegenen Übernachtungszahlen im Jahre 1972 vergrößert werden. Nach 40 Jahren Nutzung unter den extremen Wetterbedingungen war die Bausubstanz so mitgenommen, dass das Gebäude von außen und innen grundlegend saniert werden musste – keine leichte Aufgabe, da für die Bautätigkeit nur ein kurzes Zeitfenster von Mai bis September zur Verfügung stand. Zudem gibt es keine ausgebauten Verkehrswege zur Hütte, so dass das gesamte Material nur per Helikopter angeliefert werden musste.
Bauherr ist der Club Alpin Français, der zahlreiche Berghütten bis in die entlegensten Gegenden betreibt und mit vielen interessanten Angeboten Urlauber in die französischen Alpen lockt. Der Verein legt bei Neubau und Sanierung ihrer Refugien Wert auf eine nachhaltig wetterfeste Gebäudehülle. Angesichts der logistischen Herausforderungen hat der Begriff Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung. Immerhin kostet ein Heli-Flug rund 30 Euro pro Minute. Da kann man nicht nach jedem Sturm, und hiervon gibt es in dieser Gegend reichlich, einen Dachdecker rufen, um Ziegel auszuwechseln. Deshalb ist für den Bauherrn der Einsatz von Metalldeckungen im handwerklichen Stehfalzsystem die allererste Wahl.
Startschuss für die Bauarbeiten der Presset-Berghütte war der 29. Mai 2012. Dabei galt es, zunächst die äußere Hülle in Angriff zu nehmen, um in der Winterzeit den Innenausbau fortführen zu können. Den Auftrag erhielt die Firma Alti Bois aus dem nahe gelegenen Argonay, die sich auf ökologische und energetische Holzbauweise spezialisiert hat. Zwölf Klempner, Dachdecker und Zimmerer arbeiten in dem Unternehmen Hand in Hand und sanieren Bestandsbauten oder errichten komplette schlüsselfertige Häuser. Grundlage des Firmen- und Baukonzepts von Alti Bois ist die Einbeziehung der Baunormen und Bauvorschriften der Nachbarländer, so dass der Wirkungskreis nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz reicht.

Sicher entwässern
Aufgabe der vierköpfigen Klempnerabteilung war es, rund 300 Quadratmeter Dachdeckung und 100 Quadratmeter Fassadenbekleidungen regendicht und sturmsicher auszuführen. Architekt und Bauherr entschieden sich für eine Doppelstehfalzdeckung aus falzbarem Farbaluminium in 0,7 Millimeter Dicke mit grauer Farbbeschichtung. Sie harmoniert ideal mit dem Steingrau des nahen Felsmassivs. „Da in der Schutzhütte große Mengen Nutzungsfeuchte anfallen, die bei Schnee und Regen schon mit der Kleidung von den Gästen eingetragen wird, haben wir eine gut hinterlüftete Dachkonstruktion gewählt. Dies war bei dem einfachen Pultdach auch problemlos möglich. Die trauf- und firstseitigen Scharabschlüsse haben wir identisch ausgeführt und auf eine Dachrinne komplett verzichtet. Eine Dachrinne würde sowieso ständig überlaufen und den Schneelasten regelmäßig nachgeben. So wird das Dach frei entwässert und der Schnee rutscht schadlos über die Traufenkante ab. Auch die Fassadenbekleidung ist hinterlüftet. Die durchgehenden Lüftungsschlitze sind mit Insektenschutzgittern abgedeckt und an Fassadenfußpunkt, Fensterbank, Fenstersturz und unterhalb des Traufenabschlusses bzw. am Pultfirst angeordnet“, erklärt Noé Landragin.
Klaus Siepenkort
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 08.2013.
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