Die Deckung der alten St. Alban Kirche musste aufgrund von Rissbildungen durch Wind- und Dehnungsbewegungen immer wieder repariert werden und wurde somit zum kostspieligen „Pflegefall“.  Quelle: Bennert GmbH (Quelle: Bennert GmbH)
Die Deckung der alten St. Alban Kirche musste aufgrund von Rissbildungen durch Wind- und Dehnungsbewegungen immer wieder repariert werden und wurde somit zum kostspieligen „Pflegefall“. (Quelle: Bennert GmbH)

Technik

15. November 2021 | Teilen auf:

Neu bekrönt, sturmsicher gedeckt

Immer heftigere Starkwindereignisse sorgten bereits für verschiedene Reparaturen am rund 60 Jahre alten Kupferdach der Kirche St. Alban in Effelder. Zur Schadensabwendung entschied sich die Gemeinde für eine vollständige Neudeckung. Der beauftragten Firma Bennert gelang dabei eine preisverdächtige Neudeckung.

Die Kirche St. Alban in Effelder ist ein Gotteshaus mit einer Intensität der Nutzung, wie man sie in einem Dorf von zwölfhundert Einwohnern kaum noch erwarten würde. Die Kirche liegt im Landkreis Eichsfeld, einer Region in Deutschland, deren Bild in besonderer Weise durch Kirchen, Kapellen, Wegkreuze und Wallfahrtsorte geprägt wird. Hier weisen die Gottesdienstordnungen an Werktagen eine Fülle angekündigter Gottesdienste auf – wohl kein anderes Gebiet in Deutschland ist so katholisch ist wie das Eichsfeld. In einem solchen Umfeld ist es auch nicht verwunderlich, wenn ein Tausend-Seelen-Dorf wie Effelder eine dreischiffige Hallenkirche von 42 Meter Länge und 20 Meter Breite mit Platz für 670 Besucher intensiv nutzt. Die heutige Kirche ist – wie schon ihre Vorgängerin – dem heiligen Albanus geweiht. Sie ist nicht der erste Sakralbau an dieser Stelle; 1717 war hier eine vergleichsweise kleine barocke Vorgängeranlage entstanden, die 1890 als höchstgelegene Kirche des Eichsfelds aufgrund eines Blitzschlages abbrannte. Mit staatlicher Hilfe war beim Neubau nicht zu rechnen. So organisierte die Dorfbevölkerung den Kirchenbau fast vollständig aus eigenen Mitteln und zum großen Teil auch mit eigener Arbeitskraft. Für den zeittypischen neugotischen Kirchenbau berief die Kirchgemeinde keinen teuren Architekten, sondern den Franziskanerbruder Paschalis Gratze. Den mächtigen, landschaftsbeherrschenden Bau errichtete man aus örtlichem Muschelkalk und versah ihn mit einem 56 Meter hohen Glockenturm sowie einem Dachreiter. Die dreischiffige Hallenkirche wird aufgrund ihres Gesamteindrucks auch als Eichsfelder Dom bezeichnet. Am 4. Mai 1893 erfolgte die Grundsteinlegung, und nur neunzehn Monate später konnte am 6. November 1894 die Kirche geweiht werden. Wir fragen uns, ob eine solche Bauleistung heutzutage noch möglich wäre.

Die Tafeldeckung im Doppelstehfalzsystem erfolgte nach historischen Vorbild im Halbversatz. (Quelle: Bennert GmbH)

Nachhaltig saniert

Wegen der exponierten Lage des Bauwerks ist seine Dachdeckung mit witterungsbeständigem gefalztem Kupferblech sehr sinnvoll. Was bei der Ausführung und Befestigung der Kupferdeckung jedoch damals noch richtig war, genügt den heutigen Anforderungen zumeist nicht mehr. Grundsätzlich ist die Tafeldeckung im Doppelstehfalzsystem durch den schlüssigen Falzverbund für exponierte Bauwerke das geeignete Dachsystem. Doch bei den heutigen Witterungsverhältnisse mit heftigen Starkwindböen halten die 60 Jahre und älteren Deckungen den hohen Windlasten nicht mehr Stand. Aus diesen Gründen wurden die Regelwerke des ZVSHK und des ZVDH hinsichtlich der Befestigung und Falztechnik grundlegend geändert. Auch die Deckung der alten St. Alban Kirche musste aufgrund von Rissbildungen durch Wind- und Dehnungsbewegungen immer wieder repariert werden und wurde somit zum kostspieligen „Pflegefall“. Die Forderungen der Versicherung und des Denkmalschutzes zur Schadensabwendung ermöglichten eine außergewöhnliche Bezuschussung aus Kirchensteuermitteln für eine nachhaltige Sanierung sämtlicher Dachbereiche der Kirche. Die Finanzierung für die Neudeckung des Turms und des Kirchenschiffes inklusive dem Austausch der Schalung aus Vollholz als Unterkonstruktion war damit sichergestellt.

Die umlaufenden Gesimsrinnen wurden vollständig erneuert und mussten individuell in den Bennert-Werkstätten vorgefertigt werden. (Quelle: Bennert GmbH)

Falzen mit Geschick

Die Tafeldeckung im Doppelstehfalzsystem erfolgte nach historischem Vorbild im Halbversatz, die Falzverbindungen und Befestigung jedoch gemäß den geltenden Handwerksregeln. Besonderes Geschick in der handwerklichen Blechbearbeitung erforderten die Bekleidung und Verwahrung der Dachgauben. Die umlaufenden Gesimsrinnen wurden vollständig erneuert und mussten individuell in den Bennert-Werkstätten vorgefertigt werden. Die zwei Turmbekrönungen des Turmhelmes und des Dachreiters wurden restauriert und zum Teil neu vergoldet. Ebenfalls in Werkstattarbeit fertigten die Spengler die vier neuen Schallluken des Dachreiters an. Die Arbeiten am Turmhelm (220 qm + Bekrönung) als erster Bauabschnitt starteten im Juli und wurden im Dezember fertiggestellt. Ab Januar wurden die Arbeiten am Schiff (1.400 qm) mit seinem Dachreiter aufgenommen. Hinzu kamen 115 Meter individuell angefertigte Gesimsrinnen, die Verkleidung für die Lamellenfenster der Glockenstube sowie Gauben und Dachkästen. Eine besondere Herausforderung waren dabei die zeitweise extremen Witterungsbedingungen in großer Höhe, sogar für die abgehärteten Dachspezialisten. Hervorzuheben ist die sehr gute und angenehme Zusammenarbeit mit allen Baubeteiligten über die gesamte Bauzeit. Hierzu zählte natürlich das Team vor Ort und in der Werkstatt mit den Vorarbeitern Rainer Svatosch und Rüdiger Föhre sowie Jens Poschmann, Uwe Barth, Heino Ludwig, Maik Hecker und den Auszubildenden Nick-Justin Schmidt. Auch Pfarrer Steffen Riechelmann freute sich: „Mit der gelungenen Dachsanierung unserer schönen Kirche ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Die über Jahre entstandenen Schäden an der Kupfereindeckung machten ein Handeln dringend notwendig. Durch das großzügige Entgegenkommen des Bistums Erfurt war für dieses große Projekt auch endlich die Finanzierung gesichert. Der relativ niedrige Eigenanteil unserer Gemeinde von circa 12% lässt uns auch in Zukunft für künftige notwendige Baumaßnahmen handlungsfähig bleiben.“

Uber die Bennert GmbH

Als Spezialbetrieb für die Bauwerksicherung blickt das Unternehmen auf derzeit rund 4.500 Sanierungsprojekte zurück, die zumeist unter den Auflagen des Denkmalschutzes bearbeitet werden mussten. Mit seinem Mitarbeiterstamm der klassischen Gewerken Klempner, Zimmerer, Maurer und Dachdecker sowie Mauerwerksanierung, Bauwerksdiagnostik und Freiflächengestaltung bis hin zum Spezialtiefbau bietet die Firmengruppe das gesamte Spektrum der Bauwerkssanierung aus einer Hand. „In jedem Gewerk stehen unseren Kunden erfahrene Facharbeiter, Meister und Restauratoren im Handwerk und selbstverständlich auch unsere Ingenieure und Fachbauleiter zur Verfügung“, versichert Geschäftsführer Andreas Bugiel. „Wir garantieren unseren Mitarbeitern und Auftraggebern nicht nur die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens, sondern sichern auch dessen personelle Zukunftsfähigkeit. Deshalb bilden wir in allen Gewerken aus. In den letzten 5 Jahren wurden kontinuierlich 15 bis 20 neue Lehrlinge aufgenommen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Klettbach, weitere Zweigstellen sind in München und Leipzig angesiedelt. Weitere Informationen: www.bennert.de.

St. Alban ist die röm-kath. Pfarrkirche von Effelder im Obereichsfeld in Thüringen. Im Volksmund wird sie, neben der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt, auch als Eichsfelder Dom bezeichnet. Sie ist auf einer Höhe von 497 m erbaut und damit die am höchsten gelegene Kirche des Eichsfeldes. Durch ihren hoch aufragenden Turm ist sie weithin sichtbar: vom Hohen Meißner, vom Klüschen Hagis, vom Hülfensberg, vom Heldrastein und bei klarer Sicht sogar vom Harz.

zuletzt editiert am 17.11.2021