Jede Schindel ein Unikat: Die Erweiterung des Wester­turmensembles ist das architek­tonische und klempner­technische Highlight in Duderstadt. Foto: Markus Hattwig

Technik 2014-01-22T00:00:00Z Prismatisch gefaltet und schräg gekippt

Mitten in Duderstadt sorgt zwischen rund 600 historischen Fachwerkhäusern eine moderne, golden glänzende Klempnerfassade für einen besonderen Blickfang. Herausforderung war die kleinteilige Bekleidung: Jedes Fassadenelement ist ein Unikat.

Das niedersächsische Duderstadt liegt in der Nähe von Göttingen und wurde bereits 929 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort zählt durch sein mittelalterliches Stadtbild und seine Baudenkmäler zu den sehenswertesten Fachwerkstädten Deutschlands. Um im Mittelalter die Stadtfreiheiten zu schützen und die Bürger vor feindlichen Übergriffen zu bewahren, wurden Befestigungsanlagen errichtet. Hierzu zählt zum Beispiel das sogenannte Westerturm-Ensemble mit dem ältesten Abschnitt der Duderstädter Stadtmauer und einem Wehrgang, der später rekonstruiert wurde. Eingebunden in die Stadtmauer bildet der Turm den Mittelpunkt des Westerturm-Ensembles. Sein markanter, der Sage nach vom Teufel verdrehter Helm macht den Westerturm zum unverwechselbaren Wahrzeichen Duderstadts.

Um leer stehende Fachwerkgebäude innerhalb dieser Befestigungsanlage zu revitalisieren, entstand die Idee einer modernen Erweiterung, das ein Museum beherbergt. Es sollte ein architektonisches Highlight und werbewirksames Zeichen in dieser mittelalterlich geprägten Stadt darstellen. Für die Umsetzung der guten Idee sorgten das Berliner Architekturbüro Gnädinger und der ortsansässige Klempner- und Dachdeckerbetrieb Eduard Koch: Hinter den zwei original sanierten Fachwerkhäusern gestalteten sie einen prismatisch gefalteten Neubau mit schräg gekippten drei- und mehreckigen Fassadenflächen sowie einer golden glänzenden Bekleidung, bestehend aus einer Kupfer-/Aluminiumlegierung (CuAl5) mit der Bezeichnung Tecu Gold. Aus Brandschutzgründen musste die Erweiterung in der engen Altstadtgasse aus Beton errichtet werden, im Inneren als Sichtbeton und außen mit einer nichtbrennbaren Fassadenkonstruktion. Das Besondere an der Oberflächengestaltung neben der Materialwahl ist, dass sie mit zahlreichen Linien gegliedert ist, die sich kreuzen. „Durch diese Anordnung ergaben sich Hunderte Einzelteile, die wie bei einer Rautendeckung mit Einfachfalzen verbunden werden mussten. Das Besondere ist, dass kein einziges Element zweimal vorkommt – eine Serienfertigung war völlig ausgeschlossen“, erklärt Klempner- und Dachdeckermeister Matthias Koch.

Hinterlüftet konstruiert

Als Fassadenkonstruktion wählten die Berliner Planer eine vorgehängte hinterlüftete und wärmegedämmte Fassadenkonstruktion. Eine sehr gute Wahl, denn diese typische Klempnerfassade stellt eine dauerhafte Funktionstüchtigkeit sicher, da sie alle bauphysikalisch und statisch notwendigen Anforderungen erfüllt. Hierzu zählen der nachhaltige Wetterschutz, die Abfuhr von Bau- oder Nutzungsfeuchte durch den Hinterlüftungsraum, der zudem ein angenehmes und gesundes Raumklima schafft. Auch die hohen Anforderungen an den Brandschutz können hiermit problemlos und kostengünstig erfüllt werden. Bei dem Erweiterungsbau kam eine unbrennbare, zweiteilige Aluminiumkonstruktion, bestehend aus L-Konsolen mit Thermostopp und T-Profilen zur Ausführung. „Als Dämmung kamen formstabile, kunstharzgebundene und nichtbrennbare (A1) Fassadendämmplatten aus Steinwolle zum Einsatz. Die Platten weisen einen Schmelzpunkt von über 1.000 Grad Celsius auf, sie sind wärme- und schalldämmend, durchgehend wasserabweisend, diffusionsoffen und zudem problemlos zu verlegen. Sie haben also alles, was zu einem idealen Fassadenaufbau gehört. Zum Einsatz kam die Fixrock von Rockwool mit schwarzer Vlieskaschierung, da sie widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse während der Montage ist, wie Schlagregen und Windsogbeanspruchungen. Dies ist ein wichtiger Faktor bei der Materialauswahl, denn der Dämmstoff darf nicht expandieren und den Lüftungsquerschnitt einengen“, so Koch. Ganz nebenbei können mit dieser Fassadenvariante die sonst üblichen Blitzableitungen entfallen, wenn sie Teil der Blitzschutzanlage wird. Zusammen mit der elektrisch leitenden Metallbekleidung entsteht so ein äußerst wirtschaftlicher und hochwirksamer Gebäude- und Elektronik-Blitzschutz.

Multiprofessionell planen

Da eine Fertigung der 348 unterschiedlichen Rautenschindeln im Betrieb unwirtschaftlich war, richtete die Firma Koch vor Ort eine wetter­geschützte Klempnerwerkstatt mit dem passenden Equipment ein. Foto: Fa. Koch

Dass das Erstellen von Metall-Fassadenkonstruktionen kein Hexenwerk ist, hat der Duderstädter Handwerksbetrieb Koch bei zahlreichen bereits umgesetzten Projekten erfahren können – auf die richtigen Partner kommt es dabei an. So kümmerte sich am Westerturm-Ensemble der Hersteller der Unterkonstruktion und Deckunterlage, Firma Laukien aus Kiel, um die komplette statische Fassadenberechnung. Hierin enthalten war ein detaillierter Verlegeplan für die Montage vor Ort mit der präzisen Anordnung der Haltekonsolen sowie eine übersichtliche Stückliste aller erforderlichen Bauteile. Auch die notwendigen Angaben der laut Statik festgelegten Befestigungsmittel für die Verankerung auf dem Traggrund gingen hieraus hervor. Tipps für die fachgerechte Verarbeitung und Endmontage der goldfarbenen Metallrauten – dem „Oberflächenfinish“, gab Guido Weigmann von KME.

Klaus Siepenkort

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 01.2014.

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zuletzt editiert am 15. April 2021
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