Die drei Spitzen über der Dachgrundfläche von 22 × 100 Metern stehen in Beziehung zu den Gipfeln der umgebenden Bergwelt und erinnern an die japanische Tempelbauweise. (Quelle: Rheinzink)
Die drei Spitzen über der Dachgrundfläche von 22 × 100 Metern stehen in Beziehung zu den Gipfeln der umgebenden Bergwelt und erinnern an die japanische Tempelbauweise. (Quelle: Rheinzink)

Technik

05. May 2021 | Teilen auf:

Schadlos dehnen, sicher entwässern

Metalldächer: Mit der beeindruckenden Zimmermannskonstruktion und seiner geschwungenen Titanzinkdeckung zeigt sich das Dach eines besonderen Firmengebäudes in Ibach (CH). Etwas Besonderes für die Schweizer Spengler waren überlange Schare von mehr als 22 Meter sowie die komplexe Dachentwässerung.

Thomas Bühlmeier

Mit seiner spannungsvoll geschwungenen Zimmermannskonstruktion und der sachlich klaren Titanzinkdeckung zeigt sich das Dach am neuen Firmensitz des Schokoladenherstellers Max Felchlin. Er ist nicht nur ein bedeutender Teil der modernen Architektur; in der Ausführung ist das neue Firmengebäude gleichzeitig auch Bekenntnis zu den Werten der regionalen und handwerklichen Tradition rund um den Hauptort des gleichnamigen Kantons Schwyz. Die drei Spitzen, die sich über der Dachgrundfläche von rund 22 × 100 Metern erheben, stehen in Beziehung und Gleichklang mit den Gipfeln der umgebenden Bergwelt. Sie erinnern zudem an eine japanische Tempelbauweise, wie die Architekten Meili, Peter & Partner Architekten AG aus Zürich bestätigen, betonen aber vor allem den regionalen und handwerklichen Aspekt ihres Werks: „In der Dachkonstruktion mobilisieren wir das ganze Arsenal der lokalen Zimmermannskunst und formen die pyramidalen Faltwerke zu einem imposanten Dachstuhl, der elegant und simpel die Auskragungen in eine Stabkonstruktion einwebt.

Jede spitze Haube wird von einem sichtbar bleibenden „Sprengwerk“ gebildet, das große, stützenfreie Räume im Inneren des Gebäudes entstehen lässt. (Quelle: Meili, Peter & Partner Architekten AG)

Der Schattenwurf der feinen horizontalen Linien und die sinusförmig geschwungene Silhouette verleihen dem Ganzen etwas Japanisches.“ Architektonisch zusammengefasst wird die Dachlandschaft mit einer 2.400 m² umfassenden Doppelstehfalzdeckung aus vorbewittertem Titanzink des Fabrikats Rheinzink prePATINA blaugrau. „Das sehr gut formbare Material kann die Kurvenradien gut nachvollziehen“, erklärt Lukas Eschmann von Meili, Peter & Partner die Entscheidung. „Seine Verarbeitung folgt wie beim Dachstuhl dem Gedanken der Förderung des regionalen Handwerks. Gleichzeitig steht es für die von uns und der Bauherrschaft angestrebte Qualität und Langlebigkeit. Das Gebäude und sein Dach können in Würde altern.“

Sprengwerk schafft Freifläche

Die Max Felchlin AG hat mit dem 2019 fertig gestellten Firmensitz ihre bisher verteilten Standorte in Ibach bei Schwyz konzentriert.

Im rechten Winkel und mit bewusstem Abstand zu den bereits vorhandenen Produktionsgebäuden entstand das neue Verwaltungsgebäude bis zum dritten Obergeschoss als Stahlbeton-Skelettbau mit einer Holzelement-Fassade aus dunklem Fichten- bzw. Tannenholz. Das darüber liegende vierte Geschoss ist eine Holzkonstruktion, die wie ein großer Wolkenbügel die Produktion und die Verwaltung miteinander verbindet und deutlich über die Gebäudefluchten auskragt. Unter den drei markanten Dachspitzen befinden sich der Verpflegungsraum für die Mitarbeiter und zwei Schulungsräume des sogenannten Condiramas, in dem das Unternehmen seinen Kunden Seminare zur Herstellung und Verarbeitung von Schokolade anbietet.

Das Dach wurde mit Scharlängen von über 22 Meter ohne Querstöße gedeckt. Sorgfältig geplante Langschiebehafte und der großzügige Freiraum zu den Rinnen ermöglichen schadlose Längenänderungen bei Temperaturwechsel. (Quelle: Lukas Eschmann)

Jede der drei Hauben wird von einem sichtbar bleibenden „Sprengwerk“ gebildet, das große, stützenfreie Räume entstehen lässt. Bei dieser Konstruktion werden die Lasten des Trägers in vertikale und horizontale Kräfte aufgeteilt und mittels Streben auf das Auflager „abgesprengt“.

Die Holzbauingenieure der Pirmin Jung Ingenieure AG aus Rain kombinierten im Tragwerk die Kunst früherer handgefertigter Knotenverbindungen mit der hochpräzisen maschinellen Herstellung moderner Zimmermannstechnik. Die Holzverbindungen sind optimal auf den Kraftfluss abgestimmt und bilden ein beeindruckend klar strukturiertes Stabtragwerk ohne irritierende Knotenbleche.

Die hier gezeigte umlaufende äußere Rinne sowie die zwei Rinnen zwischen den Bauteilen entwässern die mit rund 2200 m² großen Dachgrundflächen. Die gewählte Profilform „Clip Relief“ erleichtert Längs- und Querdehnungsbewegungen der Scharen und verhindert ein Scheuern an Haften, Nagel- oder Schraubenköpfen. (Quelle: Bless AG)

Den ganzen Artikel können Sie in der aktuellen Ausgabe 3.2021 des KlempnerMagazins nachlesen.

zuletzt editiert am 05.05.2021