Schweizer Spenglertag 2026: Der Spenglertag versammelte am 11. März 2026 die Branche im Kursaal Bern. Ein abwechslungsreicher Themenmix rund um Technik, Umwelthemen und die Stellung des Spenglers als Klimaschützer sorgten für angeregte Diskussionen.
Kurz vor der Baustellensaison nutzten rund 450 Teilnehmende die beliebte Fachtagung der suissetec, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und sich über Lösungen im Spenglerhandwerk auszutauschen. Das Motto der Tagung 2026 lautete: „Stürmische Zeiten, auf das Handwerk ist Verlass.“ Remo Wyss, Präsident Fachbereich Spengler/Gebäudehülle, gab zur Begrüßung einen Überblick über die vielfältigen Themen des Tages. Durch das recht „stürmische“ Programm führte zum wiederholten Male die in der Schweiz beliebte Fernsehmoderatorin Annina Campell – und dies wieder zwei- bis dreisprachig: in Hochdeutsch, Schwyzerdütsch und Französisch. Als erstes bat sie Dennis Reichardt, Zentralpräsident der suissetec, für die Begrüßungsrede auf die Bühne. Der Inhaber und Geschäftsführer von „Die Klimamacher AG“ mit 120 Mitarbeitenden im SHK Bereich ist erst seit dem 1. Januar 2026 im Amt. In seiner Grußbotschaft unterstrich er die Bedeutung der gesamten SHK-Branche als zentraler Treiber zur Erreichung der Klimaziele. Er setze sich besonders für eine hohe Qualität der Dienstleistungen und für eine innovative Nachwuchsförderung ein. Um den Weg aus dem Fachkräftemangel zu finden, gab er den Rat: Der erste Schritt des Unternehmers sei: „Nicht klagen. Handeln!“
Und beim Handeln ist der Schweizer Fachverband, vergleichbar mit dem ZVSHK, ganz weit vorn, was sich auch im Tagungsprogramm zeigte. Es galt, wie bei jedem Spenglertag, die besten Arbeiten des begleitenden Kreativwettbewerbs der lernenden Spengler und Spenglerinnen auszuzeichnen.
Bemessungsgrundlagen anpassen
Der Vormittag stand ganz im Zeichen der sich verändernden klimatischen Bedingungen. Dr. Jan Rajczak von MeteoSchweiz beleuchtete in seinem Vortrag die bereits heute deutlich messbaren Folgen des Klimawandels auf Niederschläge in der Schweiz und deren Bedeutung für Planung und Baupraxis. Dr. Jan Rajczak zeigte anhand langfristiger Messreihen, dass sich die Schweiz seit vorindustrieller Zeit wesentlich stärker erwärmt hat als der globale Durchschnitt. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen, was das Potenzial für intensivere und häufigere Starkniederschläge deutlich erhöht. Gleichzeitig nehmen sommerliche Trockenperioden und Verdunstung zu, während im Winter mehr Niederschlag immer öfter als Regen statt als Schnee fällt. Besonders betonte der Referent die Zunahme kurzzeitiger, sehr intensiver Gewitterregen, die Entwässerungssysteme und Infrastrukturen stark belasten. Die Klimaszenarien zeigen, dass diese Entwicklungen weiter zunehmen werden. Für Planung, Normierung und Ausführung bedeutet dies, mit veränderten Bemessungsgrundlagen zu arbeiten und den Klimawandel konsequent in die Auslegung von Gebäuden und Entwässerungssystemen einzubeziehen.
Im thematisch passenden Vortrag „Blech unter Beschuss“ zeigte Martin Jordi (Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF) auf, warum der Hagelschutz für Metallbedachungen und Fassadenelemente stärker an Bedeutung gewinnt und welche Konsequenzen sich daraus für Planung und Ausführung ergeben. Zentrales Thema waren genormte Hageltests nach VKF, bei denen Bauteile mit definierten Eiskugeln beschossen und hinsichtlich Funktionalität, Wasserdichtheit und optischer Beeinträchtigung beurteilt werden. Diese Prüfungen bilden die Grundlage für die Einstufung in Hagelwiderstandsklassen (HW) und ermöglichen eine objektive Vergleichbarkeit von Produkten.
Starkregen ausbremsen
Adrian Loretz von der Paul Bauder AG erläuterte, wie Dächer auf neue klimatische Anforderungen vorbereitet werden können. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen Retentionsdächer als praxisgerechte Lösung für das anwachsende Problem von Starkregen und überlasteten Entwässerungssystemen. Anhand konkreter Systeme zeigte Adrian Loretz auf, wie begrünte Dachaufbauten Regenwasser temporär zurückhalten und kontrolliert ableiten können. Unterschieden wurde dabei zwischen Retention über den Spitzenabflussbeiwert (Cs) und gedrosselten Entwässerungslösungen mit fest vorgegebener Einleitmenge. Während Cs-Systeme vor allem Abflussspitzen in den ersten Minuten eines Starkregenereignisses puffern und kleinere Entwässerungsquerschnitte ermöglichen, sorgen Drosselsysteme für eine dauerhafte Reduzierung des Abflusses und vereinfachen die Dimensionierung nachgeschalteter Anlagen. Er wies darauf hin, dass Retentionsdächer frühzeitig und ganzheitlich geplant werden müssen. Dabei seien stets Abdichtung, Statik, Gefälle, Begrünung sowie die Kombination mit Photovoltaik zu berücksichtigen.
Sonnenenergie nutzen
Mit der zunehmenden Sonneneinstrahlung beschäftigten sich Heinz Simmler (Energie Netzwerke GmbH) und Dr. Roland Krischek von der staatlich organisierten Unfallversicherung in der Schweiz „Suva“. Heinz Simmler verdeutlichte, dass Photovoltaik zunehmend integraler Bestandteil der Gebäudehülle wird und damit das Dachhandwerk direkt betrifft. Vor dem Hintergrund energie- und klimapolitischer Ziele sowie des Ausbaus der inländischen Stromproduktion zeigte der PV-Gutachter auf, welche technischen und organisatorischen Anforderungen künftig auf Dächer zukommen. Neben der Integration von PV-Anlagen in Dächer und Fassaden gewinnen Speicherlösungen, Eigenverbrauch und flexible Energiesysteme an Bedeutung. Für Spengler- und Dachdeckerbetriebe eröffnet dies neue Geschäftsfelder, erfordert jedoch fundiertes Fachwissen, präzise Ausführung und eine enge Zusammenarbeit mit Planung und Elektrotechnik. Der Referent betonte, dass nachhaltiger Erfolg im Photovoltaikbereich nicht durch Einzelgewerke, sondern durch interdisziplinäre Teamarbeit, kontinuierliche Weiterbildung und einen hohen Qualitätsanspruch erreicht werde.
Achtung Hautkrebs
Dr. Roland Krischek warnte vor der UV‑Strahlung als ernstzunehmendes und häufig unterschätztes Berufsrisiko im Bau‑ und Ausbauhandwerk. Seit 1984 ist heller Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt, dennoch bestehen nach wie vor große Informationslücken bei Betrieben und Beschäftigten. Vor dem Hintergrund steigender Temperaturen und veränderter Ozonkonzentrationen ist künftig mit einer weiter zunehmenden UV‑Belastung zu rechnen. Anhand aktueller Zahlen und Pilotuntersuchungen zeigte Dr. Roland Krischek auf, dass insbesondere „Outdoorworker“ ein deutlich erhöhtes Risiko tragen und Präventionsmaßnahmen bislang unzureichend umgesetzt werden. Der Suva-Sicherheitsingenieur stellte klar definierte Schutzmaßnahmen vor, die in der Schweiz von April bis September während der Hauptarbeitszeit verbindlich gelten – darunter geeignete Arbeitskleidung, wirksame Kopfbedeckungen, Beschattung sowie die konsequente Anwendung von Sonnencreme. Zudem wies er auf die verstärkte Kontrolltätigkeit der Suva hin. Ziel ist, den UV‑Schutz in der Schweiz als festen Bestandteil der Arbeitssicherheit zu etablieren und langfristig Hautkrebserkrankungen im Handwerk wirksam zu reduzieren.
Digitale Werkzeuge für Spengler
Im Vortrag „News vom Huus“ zeigte Florian Schnyder, Fachbereichsleiter Spengler/Gebäudehülle, wie suissetec das Spenglerhandwerk konkret auf die wachsenden technischen, normativen und wirtschaftlichen Anforderungen vorbereitet. Ein zentraler Schwerpunkt lag auf neuen und überarbeiteten Merkblättern, Wegleitungen und Fachpublikationen, insbesondere zur sicheren Befestigung von Photovoltaikanlagen sowie zur Integration von Solartechnik in die Gebäudehülle. Für die Praxis besonders relevant ist der neue Normpositionskatalog NPK 368 für Photovoltaik‑ und thermische Solaranlagen. Dieser wurde konsequent entlang des Montageablaufs strukturiert und ermöglicht eine deutlich präzisere Ausschreibung und Kalkulation. Ergänzend stellte Florian Schnyder die Web‑Applikation „Metalldach“ sowie die angekündigte Lösung zur Dach‑ und Regenwasserentwässerung vor, mit denen Planungssicherheit und Effizienz im Betrieb erhöht werden sollen. Abgerundet wurde der Überblick durch Neuerungen in der höheren Berufsbildung, revidierte Lehrgänge und neue suissetec‑Zertifikate. Sie unterstützen Betriebe gezielt dabei, Fachkompetenz aufzubauen und sich als qualifizierte Anbieter für komplexe Gebäudehüllensysteme und Photovoltaiklösungen zu positionieren.
Herausforderungen meistern
Um ein spannendes Bauprojekt, die Dachsanierung des Paul Scherrer Instituts in Villigen (CH), ging es im Vortrag von Thomas Knubel von der Knubel Bauspenglerei AG. Der diplomierte Spenglermeister gab einen praxisnahen Einblick in die Spenglerarbeiten. Die Gebäudehülle aus konisch gewölbten Aluminium-Industriefalzbahnen mit PV-Laminaten weist gigantische Dimensionen auf: 18.000 m² Dachflächen, 1,4 Kilometer Schweißnähte und 84 mm Dehnungsbewegungen, um nur einige Zahlen zu nennen. Er zeigte die besonderen technischen und organisatorischen Herausforderungen dieses Großprojektes. Neben dem technisch komplexen Aufbau standen ebenso Anforderungen an die Sicherheit, die Baustellenorganisation und Montageabläufe bei laufendem Forschungsbetrieb im Mittelpunkt.
„Blickfänge der Baukunst“
Besonders viel Aufmerksamkeit beim Spenglertag erhielt der Nachwuchs. 16 Lernende präsentierten stolz ihre ganz eigenen „Blickfänge der Baukunst“, denn so lautete das Motto des diesjährigen Kreativwettbewerbs. Dabei wurde nichts ausgelassen: ob Windmühle, Mausoleum oder Alpenhütte. Die Jury hatte es schwer, bei den vielen kreativen handwerklich aus Blechen gefertigten Kunstwerken einen Sieger zu ermitteln. Am Ende der Auswertung ging Livio Dux von der A. Ziegler Spenglerei mit „Kunst am Bau(m)“ als Sieger des Wettbewerbs hervor. Auf Platz zwei landete Dominik Jung von BHS Gebäudeschutz GmbH mit seinem Kunstwerk „Verdrehter Rinnenkasten“. Für ihr kunstvolles Mausoleum, den berühmten Taj Mahal, erhielt die Spengler-Auszubildende Madeleine Brülisauer von der Scherrer Metec AG mit dem dritten Platz und dem Publikumspreis gleich zwei Auszeichnungen. Herzlichen Glückwunsch, auch allen anderen Teilnehmenden für die schönen Kunstwerke!
Auch neben dem offiziellen Programm bot der Spenglertag zahlreiche Gelegenheiten zum Austausch. In der Fachausstellung präsentierten Hersteller und Lieferanten ihre Lösungen und Produkte. Die Stände waren gut besucht, es wurde intensiv diskutiert und gefachsimpelt. Die positive Stimmung im Kursaal Bern zeigte einmal mehr: Trotz stürmischer Zeiten und sich wandelnder Rahmenbedingungen bleibt das Spenglerhandwerk ein verlässlicher Pfeiler der Bauwirtschaft.
Save the Date: Der nächste Spenglertag findet am 22. März 2028 wieder im Kursaal Bern statt.
Weitere Informationen:
www.suissetec.ch