Eine große, bauchige Metallvase mit abwechselnden gold- und silberfarbenen Streifen und kupferfarbenen Rosenapplikationen steht vor einem neutralen weißen Hintergrund. Eine lächelnde Person in dunkler Arbeitskleidung lehnt locker an der Vase und vermittelt den Maßstab. Die Vase hat eine polierte, reflektierende Oberfläche und dekorative Kupferdetails am Fuß und in der Mitte.
Spenglermeister Aaron Umscheid: „Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, das viele Jahre erhalten bleibt, hat mich immer fasziniert.“ (Quelle: Spengler-Meisterschule Würzburg)

Wissen 2026-08-06T09:53:12.321Z 62 Teile bis zum Titel

Serie Meisterstücke: „Als ich 2021 meine Ausbildung zum Spengler begonnen habe, wusste ich direkt, dass ich die Weiterbildung zum Spenglermeister machen möchte“ – jetzt ist er es. Den Titel erfalzte sich Aaron Umscheid im Meisterkurs bei Arno Fell in Würzburg, das Ergebnis: Eine kunstvolle Vase im XXL-Format.

Seit April 2026 ist Aaron Umscheid Spenglermeister. Er ist in einer sehr ländlichen Gegend aufgewachsen, in der bei vielen Dingen selbst Hand angelegt wird. Schon früh entwickelte er großes Interesse an praktischer Tätigkeit. „Mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, das bei richtiger Ausführung noch viele Jahre danach erhalten bleibt, hat mich immer fasziniert. Dies hat auch zu meiner Entscheidung geführt, den Beruf des Spenglers zu erlernen. Erste praktische Einblicke in das Spenglerhandwerk bekam ich schon vor der Ausbildung zum Spengler durch zwei Praktika in Spenglereien“, schildert der Jungmeister. Im September 2021 startete er seine Ausbildung, die er in der Spenglerei Harald Höfer und in der Dachdeckerei Peter Ott GmbH absolvierte sowie den schulischen Teil in der Berufsschule Obernburg-Miltenberg. Das duale System mit schulischer Ausbildung und praktischer Arbeit im Betrieb ermöglichte ihm, Fähigkeiten weiterzuentwickeln und fachliche Sicherheit und Präzision zu verbessern. „Während dieser Zeit habe ich in meinen Lehrbetrieben praktische Erfahrungen und handwerkliches Geschick hinzugewinnen können. Dazu gehörten schon das Arbeiten auf kleineren Baustellen sowie die Fertigstellung auch größerer Projekte.“

Konstruktionszeichnung mit den exakten Abwicklungen sämtlicher Elemente und Details.
Grundlage aller Arbeiten war die Erstellung einer Konstruktionszeichnung mit den exakten Abwicklungen sämtlicher Elemente und Details. (Quelle: Aaron Umscheid)

Mit dem Gesellenbrief zum Schulabschluss

Durch seine Leistungen während der Ausbildung wurde er Kammersieger 2025 und bester Absolvent seines Ausbildungsjahrgangs 2025. In der Landesmeisterschaft Bayern erreichte Aaron Umscheid den dritten Platz. Zu seinem beeindruckenden Werdegang berichtet der fast 21-jährige Jungmeister: „Mein schulischer Weg war nicht geradlinig. Ich konnte die Schule zunächst nicht abschließen. Mit der bestandenen Gesellenprüfung hatte ich jetzt automatisch einen Hauptschulabschluss erworben, was für mich ein wichtiger persönlicher Schritt war. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass es durch den Einsatz von Zeit und konsequentem Arbeiten möglich ist, sich selbst viele neue Möglichkeiten zu schaffen. Für mich war aber von Beginn an klar, dass der Spengler-Gesellenbrief noch nicht das Ende meiner Karriere sein sollte. Das Ziel war es, mein handwerkliches Können auf das höchstmögliche Niveau zu bringen und meine fachlichen Fähigkeiten zu erweitern“.
Jetzt ist er Spenglermeister! Herzlichen Glückwunsch!

Nahaufnahme einer geschweißten Messing-Stahl-Skulptur aus gewellten Blechstreifen mit sichtbaren Schweißnähten und Markierungen auf einer Werkbank in einer Werkstatt.
Alle Nähte der Segmente sind stumpf gestoßen und per Tropfnaht zusammengelötet. (Quelle: Aaron Umscheid)

Entwerfen und Entwickeln

Die Idee für das Meisterprojekt entwickelte Aaron Umscheid nach der Praxiswoche in der Spengler-Meisterschule Würzburg. Das Thema war die Herstellung kunsthandwerklicher Gegenstände. Sein Übungsstück war eine achtteilige Vase, die viel Übung und handwerkliches Geschick erforderte – aber genau die passende Herausforderung für sein Meisterstück war. Letztendlich sollte es eine mehrteilige Vase mit Außen- und Innenkörper von 1,40 Metern Höhe und 70 Zentimetern Breite werden. Hierfür waren 62 Elemente aus Titanzink, Messing und Kupfer vorgesehen.

Planen, skizzieren und konstruieren

Die drei Metallwerkstoffe für sein Projekt wählte Aaron Umscheid, um einen gleichmäßigen Kontrast und starke Akzente zu schaffen. Messing und Titanzink sind die formgebenden Bestandteile der ein- und ausgeschwungenen Vase. Sonderelemente wie der trichterförmige Sockel, die kreisrundgeformte Wulst der oberen Vasenöffnung und handgetriebene Rosenranken als Zierelemente sind aus Kupfer gefertigt. Die Materialauswahl mit Blechen aus 1,0 mm Dicke verschafft der Vase sowohl traditionelles als auch zeitloses Design. Grundlage aller Arbeiten war die Erstellung einer Konstruktionszeichnung mit den exakten Abwicklungen sämtlicher Elemente und Details. Dies setzte bereits einen hohen Kenntnisstand in der Anwendung einer CAD-Software voraus.

Schneiden, runden und fügen

Zunächst mussten die vielen Segmente des Vasen-Außen- und -Innenkörpers gemäß den aufgeklebten Papierschablonen exakt zugeschnitten werden. Um die Rundungen präzise anzuformen sowie die Teile zusammenzubauen, kam eine extra dafür angefertigte Holzschablone zum Einsatz. „Die besondere Herausforderung bei diesem Stück war die exakte Maßhaltigkeit beim Fügen vom ersten bis zum letzten Segment. Zudem mussten die Nahtverbindungen perfekt den Rundungen folgen; am Ende sollte der Vasenkörper schließlich wie aus einem Guss wirken“, erklärt Aaron Umscheid. Alle Nähte der Segmente und Verbindung von Außen- und Innenkörper der oberen Vasenöffnung sind stumpf gestoßen und per Tropfnaht zusammengelötet. Ein gerundetes, aufgeschlitztes Kupferrohr überdeckt die Verbindungsnaht und rundet, im wahrsten Sinne des Wortes, den Vasenkörper sehr gelungen ab. Veredelt ist das Spengler-Kunstwerk mit einer Rosenranke aus gedrehtem 3,0 mm Kupferdraht in fünf Strängen. Die Kupferrosen und -blätter sind natürlich handgetrieben.

Finish mit Hochglanz

Die Oberfläche und die Stöße wurden nach dem Zusammenbau feinkörnig geschliffen und anschließend mit Hochglanzpolitur poliert. Um zu verhindern, dass die Metalle oxidieren und Glanz verlieren, erhielten sie eine Behandlung mit mikrokristallinem Wachs. „Eine bekannte Marke ist ‚Renaissance Wachs‘, das in den 1950er-Jahren vom British Museum entwickelt wurde. Dieses spezielle Wachs wird bis heute in Museen und Restaurierungswerkstätten verwendet, um empfindliche Oberflächen aus Holz, Metall, Stein und Elfenbein zu schützen. Es bietet eine stabile und langlebige Schutzschicht, die nicht verharzt oder vergilbt, im Gegensatz zu natürlichen Wachsen wie Bienenwachs oder Karnaubawachs“, erklärt Aaron Umscheid.
Ambitionierte Zukunftspläne hat der junge Spenglermeister auch: „Der Unterricht in der Spengler-Meisterschule mit Arno Fell hat mir nicht nur geholfen, mein Meisterstück umzusetzen, sondern auch mein Verständnis für das Handwerk deutlich erweitert. Dafür bin ich sehr dankbar. Mit dem Meisterbrief in der Tasche werde ich nun meinen beruflichen Weg bei einer berufsbegleitenden Weiterbildung zum Betriebswirt fortsetzen. Hiermit erlange ich ein sehr gutes Verständnis betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge. Dabei geht es nicht nur um Zahlen, Kalkulationen und betriebswirtschaftliche Grundlagen, sondern auch um Unternehmensführung, Personalplanung und strategische Abläufe. Für mich ist diese Weiterbildung besonders wertvoll, da sie es mir ermöglicht, mein Bildungsniveau auf die höchstmögliche Stufe im Handwerk zu bringen. Dies eröffnet mir die Möglichkeit, langfristig Verantwortung in einem Betrieb zu übernehmen und Entscheidungen auf einer bewussten Grundlage zu treffen.“

Weitere Informationen:
www.spenglermeisterschule.de

zuletzt editiert am 06. August 2026
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