Die Thomaskirche Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Seit ihrer Einweihung im November 1960 beklagt die Ev. Martins-Kirchengemeinde viele Sturmschäden; ein bei Dachdeckerarbeiten entstandener Brand führte zum Totalschaden der Dachkonstruktion, die aus einem komplexen Gerüst aus Stahl und Holz errichtet wurde.
Ziel des Hamburger Architekten Gerhard Langmaack war es, für den Kirchenneubau 1960 nicht die Baustile vergangener Zeiten zu kopieren, sondern dem Bauwerk eine moderne Gestalt zu verleihen. Gelungen ist ihm dies mit der charakteristischen Form eines steil geneigten „Satteldaches“, geformt mit Wölbungen an den Traufen und Rundungen an den Giebeln, die im fließenden Übergang vorstehende Gebäudebereiche überspannen. Aufgrund der Anpassungsfähigkeit an komplexe Gebäudegeometrien, kam für die Deckung der Thomaskirche eine handwerkliche Tafeldeckung aus Kupferblech zum Einsatz.
Kupferblech für den Turm
Extreme Wetterlagen mit Starkwind führten in den Jahren 1967 und 1971 zu jeweils zwei Sturmschäden, bei denen größere Teile der Deckung abgetragen wurden - zum Glück, ohne Verletzte. Diese Schäden konnten noch mittels Reparaturmaßnahmen beseitigt werden, nicht jedoch das, was am 8. März 2018 um 11.57 Uhr passierte: Bei Dachdeckerarbeiten entstand auf einer Zwischendecke des Gemeindezentrums ein Brand, der auf den Glockenturm überschlug. Trotz des intensiven Einsatzes mehrerer Feuerwehren konnte das Feuer aufgrund des schwierigen Zugangs erst gegen 21.00 Uhr gelöscht werden. Auch hier kamen glücklicherweise keine Personen zu Schaden. Die Begutachtung des Brandschadens ergab den Verlust der statisch erforderlichen Eigenschaften der Stahlkonstruktion, sodass der Turm vollständig neu errichtet werden musste.


Deckung der geschwungenen Dachbereiche
Im September 2018 wurde der Turm eingerüstet, was die Gerüstbaufirma aufgrund der Gebäudeform vor besondere Herausforderungen stellte. Anschließend konnte die vom Brand beschädigte, obere Stahlkonstruktion demontiert und durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Anfang Januar 2020 war Baustart für Zimmerer und Klempner. Den Auftrag für die Neudeckung aus Kupferblech erhielten die und Klempner- und Dachdeckerbetriebe Wiens Dach- & Holzbau GmbH & Co. KG aus Espelkamp in Zusammenarbeit mit M. Pech Bedachungen aus Soest.
Die Besonderheiten der Bausauführung war für die Dachdecker- und Klempnermeister Daniel Wiens und Björn Dobener nicht nur die Deckung der geschwungenen Dachbereiche; aufgrund der von Gerüststellungen verbauten Arbeitsbereiche mussten die beiden Dachspezialisten auch die Arbeitsabläufe kreativ gestalten. Wie sie die Problemstellungen lösten, erfahren Sie in unserer Projektdokumentation der KlempnerMagazin Ausgabe 4/2021.

Evangelische Martins-Kirchengemeinde Espelkamp / Kurt Henning