Der Kirchturm der Herz-Jesu Kirche in Münster.
Nach der umfassenden Dachsanierung ist der Turmhelm der Herz-Jesu Kirche in Münster nun fit für die nächsten 100 Jahre. (Quelle: Klaus Siepenkort)

Technik

05. September 2022 | Teilen auf:

Turmdeckungen

Sturmsicher ins nächste Jahrhundert

Nach rund neun Monaten Sanierungsarbeiten ist der Turmhelm der Herz-Jesu Kirche in Münster fit für die Stürme der nächsten 100 Jahre. Der Zimmermann ertüchtigte noch die Statik des rund 60 Tonnen schweren Holzkonstruktion und nach einigen Restarbeiten fiel das Gerüst.

Die katholische Herz-Jesu-Pfarrkirche liegt im nach ihr benannten Stadtviertel Herz-Jesu. Das neugotische Kirchengebäude ist in den Jahren 1895 bis 1900 nach Plänen des Münsteraner Architekten Wilhelm Rincklake erbaut worden. Sie besteht aus einem dreischiffigen Langhaus mit einem Querhaus. An das Langhaus schließt im Süden der weit sichtbare 96,63 Meter hoch Glockenturm an. Er ist und damit der höchste Kirchturm Münsters.

Eine Nahaufnahme der Turmspitze.
Die vorhandene Deckung wurde als Tafeldeckung im Halbversatz (ca. 430 x 1000 mm) auf einer 24 mm Holzschalung ausgeführt. (Quelle: Architekturbüro Ubbenhorst und Partner, Münster)

Nach einem Sturmereignis im März 2020 wurde festgestellt, dass sich die Kupfereindeckung des Kirchturmes der Kirche abgelöst hat und keinen Haftverbund mit dem Untergrund, der Holzschalung, aufweist. Sofort wurden durch die Kirchengemeinde Notsicherungsmaßnahmen eingeleitet, welche vorerst als Interimslösung die Verkehrssicherheit um den Kirchturm wieder herstellen konnte. Im Zuge der Verkehrssicherungspflicht und der Bauwerkserhaltung veranlasste die Kirchengemeinde St. Mauritz eine umfassende Instandsetzung und Restaurierung des Turmdaches. Nach einer aufwändigen Gerüststellung wurden die  kompletten Dachbeläge des Kirchturmes demontiert und eine die Kupferdeckung einschließlich der Holzschalung neu aufgebaut.

Planung und Vorarbeiten

Vor der Bauausführung musste eine „Denkmalrechtliche Erlaubnis“ für die Dachsanierung vom Stadtplanungsamt der Stadt Münster eingeholt werden. Sie beinhaltete die denkmalrechtliche Prüfung des Leistungsverzeichnisses, der geplanten, regelgerechten Ausführungsdetails und der geforderten werkseitigen Vorpatinierung im Farbton der Kupferdeckung aus 1900. Grundlage für die Farbbestimmung war ein Bereich von ca. 9 m unterhalb der Turmkugel. Die Dachflächen darunter waren ursprünglich mit Schieferplatten gedeckt und wurden um 1960 durch die nun erneuerte eine Kupferdeckung ersetzt. Die vorhandene Deckung wurde als Tafeldeckung im Halbversatz (ca. 430 x 1000 mm) auf einer 24 mm Holzschalung ausgeführt. Die Neudeckung erfolgte gemäß den ZVSHK Fachregeln für Turmdeckungen mit einem Versatz von 20 cm (Versatz ohne Hafte), Scharbreite  430 mm x 2000 mm auf einer 30 mm Holzschalung mit neuer Trennlage als Notdeckung. Die Befestigung erfolgte mit Schiebehafte im Längs- und mit Haftstreifen im Querfalz.

Als letzte Handgriffe vor dem Gerüstabbau Klempnermeister steckten Christian Bagge (links) und Lars Freytag den neu vergoldeten Hahn auf befestigten die neue Turmspitze.
Als letzte Handgriffe vor dem Gerüstabbau Klempnermeister steckten Christian Bagge (links) und Lars Freytag den neu vergoldeten Hahn auf befestigten die neue Turmspitze. (Quelle: Klaus Siepenkort)

Klempner-Imagefilm

Nicht nur Nachwuchssorgen, auch das bekannte Imageproblem, das mit der Berufsbezeichnung des Klempners verbunden ist, veranlassten das Bauteam, dieses exponierte Turmprojekt für die Öffentlichkeitswerbung zu nutzen. Weit geöffnete Türen ergaben sich deshalb bei der Anfrage an Carsten Haack von der Handwerkskammer Münster, das Vorhaben aktiv zu unterstützen. Die Umsetzung des Filmprojektes finden Sie auf Youtube unter: https://www.youtube.com/watch?v=3xX1QmuJ_B4

Die vollständige Dokumentation des Sanierungsprojektes lesen Sie in unserer KlempnerMagazin Ausgabe 5/2022.

zuletzt editiert am 05.09.2022