Klempnertreff: Auch die 17. Auflage des Klempnertreffs in Titisee zog wieder rund 100 Teilnehmer an den Fuß den Feldbergs. Interessante Vorträge von der Bewertung optischer Mängel bis hin zum Deckungsbeitrag ließen die Klempner im Kursaal nicht müde werden.
Der Zuspruch für die Teilnahme am Klempnertreff ist ungebrochen - die Teilnehmerzahl 100 eine feste Größe. Die Mischung macht´s: Mit der Kombination aus Fachseminar und kollegialem Austausch sorgte der Fachverband SHK Baden-Württemberg vom 31. Januar und bis 1. Februar wieder für viel Input zur Klempnertechnik und Unternehmensführung. Geschäftsführer Dietmar Zahn und Team setzten mit einem interessanten Vortragsprogramm viele Wunschthemen der Teilnehmer um. Für die Gestaltung des traditionellen Treffens der Metallexperten werden bereits in der Veranstaltung per Fragebogen Themen für das Folgetreffen abgefragt und im Arbeitskreis ausgewählt.
In diesem Jahr stellten die optische Bewertung von Klempnerarbeiten und die hiermit verbundenen Rechtsfragen ein bedeutendes Themenfeld dar, das Dietmar Zahn und Rechtsanwalt Norbert König behandelten. Viele Betriebe klagen in zunehmendem Maße über Ärger mit dem Bauherrn, der sich an Beanstandungen der Metalloberflächen entzündet. Die Ursachen sind so vielfältig wie die Metalloberflächen selbst: "Die Oberfläche entspricht nicht dem gelieferten Muster"; "Für die Verunreinigungen sind Sie verantwortlich"; Wir wollten eine beulenfreie Fassade" um nur einige der typischen Beschwerden zu nennen. In seinem Vortrag setzte sich Dietmar Zahn deshalb mit den verschiedenen Metallwerkstoffen und deren Herstellerrichtlinien, Bedienungs- und Wartungshinweisen auseinander. So wird bei folierten Blechen empfohlen, die Schutzfolie sofort nach dem Einbau zu entfernen. "Da stellt sich die Frage, wie die Oberfläche geschützt bleibt, wenn noch Nachfolgegewerke wie Stuckateur und Maler ihre Arbeiten verrichten. Bis zur Abnahme haftet immerhin der Klempnerbetrieb für die von ihm erstellte Leistung. Oft führen auch unsachgemäß ausführte Schutzmaßnahmen dieser Gewerke zu dauerhaften Veränderungen an der Metalloberfläche, beispielsweise ungeeignete Klebebänder oder Feuchtigkeit zwischen der Schutzfolie und Metall. Deshalb sollten hochwertige Bekleidungen so spät wie möglich, idealerweise nach den gefährdenden Arbeiten ausgeführt werden. Bei in sich geschlossenen Bauteilen sollten möglichst Zwischenabnahmen vereinbart werden", empfahl Dietmar Zahn.

"Über Optisches lässt sich bekanntlich trefflich streiten und die Frage, ob ein Erscheinungsbild als völlig mangelfrei gelten kann, ist im wahrsten Sinne des Wortes in vielen Bereichen eine Ansichtssache". Mit dieser Erkenntnis führte Rechtsanwalt Norbert König in seinen Vortrag zu optischen Mängeln ein. Zunächst erklärte der Jurist den Unterschied zwischen Besonderheiten optischer Beeinträchtigungen und Mängeln, die die technische Funktion der Werkleistung beeinträchtigen. Anhand verschiedener Praxisbeispiele zeigte er auf, wie die deutsche Rechtsprechung mit diesem Thema umgeht. Ein ausführlicher Bericht hierzu ist für die klempner magazin Ausgabe 3/2013 geplant.

((ZÜ)) Netzwerken im Bergsee
Ein weiterer Programmpunkt war der Begegnungsabend im Restaurant Bergsee, der in gemütlicher Atmosphäre zum Fachsimpeln und Netzwerken einlud. Auffällig hierbei war, dass zahlreiche neue und junge Kollegen im Teilnehmerkreis anzutreffen waren. Ein Zeichen dafür, dass in vielen Unternehmen zurzeit ein Genrationswechsel stattfindet.
Der zweite Seminartag drehte sich um Themen in der Fassadentechnik und der Betriebsführung. Über die Problemzonen der "Metallanschlüsse an Wärmedämm-Verbundsystemen" referierte Harry Luik. Der Architekt zeigte anhand variantenreicher Schadensfälle, was alles falsch gemacht werden kann und welche oft kostspieligen Folgen hieraus entstehen können.
VHF statt WDVS
Referent Andreas Dornheim von der GIP GmbH aus Braunschweig erläuterte in seinem Vortrag das Konstruktionsprinzip und die Vorteile der vorgehängten hinterlüfteten Fassadenkonstruktion (VHF). Darüber hinaus gab er Tipps für Planung und Ausführung. Die VHF ist ein mehrschichtiges Fassadensystem, bei dem die tragende Außenwand eine Vorsatzschale als Wetterschutz und als architektonische Gestaltungsebene erhält. Die Vorsatzschale besteht aus Metall oder anderen Werkstoffen wie Keramik oder Naturstein. Sie wird durch die Unterkonstruktion auf Abstand zur massiven Außenwand gehalten. Das System ermöglicht die sichere Abfuhr anfallender Baufeuchte, einen effektiven Brandschutz und lässt darüber hinaus die problemlose Integration haustechnischer Anlagen zu.
"Durch die Trennung der trag- und raumabschließenden Funktion von den Funktionen Wetterschutz und Wärmedämmung mit dazwischen liegender Belüftungszone wird eine bauphysikalisch hochwirksame Konstruktion geschaffen, die werkstoffabhängig für alle Gebäudehöhen und -nutzungen eingesetzt werden kann", erklärte Andreas Dornheim. Die VHF stellt somit die ideale Alternative zu den fehleranfälligen und zudem von zahlreichen Experten bauphysikalisch umstrittenen Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) dar auch im Kostenvergleich. Mit Blick auf das riesige Potenzial zu sanierender Gebäudehüllen eröffnet diese Fassadentechnik dem Klempner ein lukratives Betätigungsfeld.
Wie dies richtig kalkuliert werden kann, zeigte Betriebswirt Albrecht Oesterle vom Fachverband SHK Baden-Württemberg. Anschaulich präsentierte er Aufbau und Ziele der Vollkosten- und der Deckungsbeitragsrechnung und zeigte den Teilnehmern die wichtigsten kalkulatorischen Kennzahlen, die für die professionelle Steuerung eines Unternehmens unerlässlich sind: von Werbungskosten, Umsatz oder Cashflow bis hin zur Liquiditätsermittlung. Unter der dem Programmpunkt "Besondere Klempnerarbeiten" präsentierten die Jung-Klempnermeister Christian Smejkal und Michael Leib zum Abschluss der Veranstaltung interessante Gebäudehüllen aus Metall, die sie mit ihren Familienunternehmen bearbeitet haben. Der nächste Klempnertreff in Titisee ist wie gewohnt für Ende Januar/Anfang Februar 2014 geplant. Der genaue Termin stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
Klaus Siepenkort
Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in klempner magazin 02/2013
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