In den Bergen bedeutet bauen, kurze Zeitfenster und exakte Planung. Hiermit kennt sich der Alpenverein sehr gut aus – und auch die Spenglerei Thaler. Mitte Mai kamen die ersten Bagger, im November hatte die Höllentalangerhütte ein winterfestes Edelstahldach.

Die Höllentalangerhütte ist für erfahrene Bergsteiger der ideale Ausgangspunkt, um die Zugspitze von ihrer anspruchsvollen Seite zu besteigen. Aber auch für bergbegeisterte Familien ist sie ein außergewöhnliches Ziel für Tagestouren oder als Wanderstützpunkt. Das ursprüngliche, 1893 erbaute und später erweiterte Gebäude entsprach in wesentlichen Punkten nicht mehr den heutigen Anforderungen an Brandschutz. Zudem gab es im Bereich der Bausubstanz erhebliche Mängel in der Statik sowie und Probleme mit Baufeuchte, sodass ein Ersatzbau notwendig wurde. Aufgrund der am Standort latent vorhandenen Lawinengefahr musste eine Baukörperform gewählt werden, die bei einem Lawinenabgang eine geringstmögliche Angriffsfläche bietet. Aus diesem Grund hat man sich für einen bergseitig in den Hang eingebauten, abgetreppten Baukörper mit flach geneigten Pultdächern entschieden, der landschaftsverträglich in den Hang hineingesetzt wird und somit den gestellten Anforderungen bestmöglich Rechnung trägt.
Logistik per Wanderschuh und Heli
Da die Höllentalangerhütte durch ihre exponierte Lage weder über eine Straßenanbindung, noch über eine temporäre Materialseilbahn mit Baustoffen versorgt werden kann, basiert die Konstruktion der Hütte weitestgehend auf Holz-Fertigelementen, die vormontiert mit dem Hubschrauber hinaufgeflogen und vor Ort dann zusammengesetzt werden. Bei der Wahl der Baustoffe dominieren Holz und Stein aus der unmittelbaren Umgebung der Hütte. Für den nachhaltigen Wetterschutz in dieser Extremlage mit den flachgeneigten Pultdächern wählte die Sektion München des Deutschen Alpenvereins e.V. eine extrem wetterfeste Metalldeckung im handwerklichen Doppelstehfalzsystem aus Edelstahlblech. Den Auftrag hierfür erhielt die Spenglerei Andreas Thaler aus Bayrischzell. Gute Planung der Einsätze, nichts vergessen und gute Wanderschuhe waren wichtig, um dieses Projekt wirtschaftlich und im gesteckten Zeitrahmen bearbeiten zu können. Denn alle Werkzeuge, Materialien und persönlichen Ausrüstungen mussten mit dem Helikopter eingeflogen werden – Sonderflüge waren nicht vorgesehen. Das Spenglerteam selbst, musste einen Fußweg von rund zwei Stunden bis zur Baustelle absolvieren. Aber Aufträge dieser Art kennt die Firma Thaler, ging in der gewohnten Routine an die Bauaufgabe heran.
Hinterlüftet und wasserdicht

Bei der Dachkonstruktion handelt es sich um eine wärmegedämmte und hinterlüftete Holzunterkonstruktion. Als Dämmstoff wurde trittfestes Material verwendet, das mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn abgedeckt ist. Eine Distanzkonstruktion sorgt für 60 Millimeter freien Hinterlüftungsraum. Eine 30 Millimeter dicke Schalung sowie eine zweilagige Abdichtung bilden die Deckunterlage für die rund 600 Quadratmeter Metalldeckungen. Die Zuluft erfolgt über unterhalb der Rinne, die Entlüftung unterhalb großen Pultfirstabdeckung. Wegen der Holzbauweise der Hütte legten die Planer besonderen hohen Wert auf eine funktionierende Bauphysik und den Feuchteschutz und somit auf die fachgerechte Ausführung und passende Materialwahl aller Funktionsschichten. In die Dachflächen integriert sind sieben runde Oberlichter, die in den darunter liegenden Räumen mit ihren kleinen Fenstern zusätzliches Tageslicht spenden, aber der Firma Thaler handwerkliches Geschick abforderte.
Klaus Siepenkort
Den ausführlichen Artikel lesen Sie in Ausgabe klempner magazin 01.2015.