wasserdichtes Flachdachsystem aus Edelstahlblech 111
Das Sankt Marien Kirchengebäude prägt das Stadtbild von Gunzenhausen. Unentdeckte Wassereinbrüche sorgten über Jahre für massive Feuchteschäden und an der flachgeneigten Dachkonstruktion. Foto: Heiko Baur/Aperam

Technik

15. December 2020 | Teilen auf:

Zwanglos dehnen, sicher entwässern

Unzureichende Dehnungsmöglichkeiten einer flach geneigten Metalldeckung und jahrelanger Wassereintritt durch Ermüdungsrisse erforderten die Komplettsanierung der Dachkonstruktion. Ein wasserdichtes Flachdachsystem aus Edelstahlblech brachte die Lösung.

Zwischen 1959 und 1960 erbaut, steht das Sankt Marien Kirchengebäude eindrucksvoll an der Nürnberger Straße im mittelfränkischen Gunzenhausen. Auffällig sind die Natursteinfassaden aus Kalkstein aus dem Altmühljura, die dem Gebäude ein solides Aussehen verleihen. Der Grundriss des Saalbaus ist rechteckig mit einer halbrunden Apsis im Osten. Die Buntverglasung der Fenster wurde mit Gläsern aus der Waldsassener Glashütte hergestellt. Markant ist auch der freistehende kubische Glockenturm im Westen. Das flach geneigte Satteldach ist von der Straße aus nicht sichtbar. Als geschütztes Gebäude ist es in der Liste der bayerischen Baudenkmäler eingetragen.

Aufgrund einer unzureichenden Berücksichtigung der Dehnungsbewegungen entstanden zahlreiche Dehnungsrisse in der Deckung. Foto: Alexander Kreß

Aufgrund einer unzureichenden Berücksichtigung der Dehnungsbewegungen entstanden im Laufe der Jahre Dehnungsrisse an der vorhandenen Doppelstehfalzdeckung. Im Bereich einiger Lichtkuppeln gelangte, über eine sehr lange Zeit unbemerkt, Leckagewasser in die Dachkonstruktion. Als die Feuchte auch im Innenraum der Kirche sichtbar wurde, war es bereits zu spät – wie sich später herausstellte mit schlimmen Folgen für die Dachkonstruktion insgesamt. Große Durchdringungen wie Lichtkuppeln bedürfen bei der Planung und Ausführung besonderer Aufmerksamkeit.

Die über 12,50 m langen Scharen wurde in der Werkstatt profiliert und in speziellen Transportrahmen sicher zur Baustelle transportiert. Foto: Alexander Kreß

Sie sind stets so einzubinden, dass die Dehnungsbewegungen der Scharen zwängungsfrei erfolgen können. Die Begutachtung des Schadens ergab eine umfassende Dachsanierung der Unterkonstruktion im Bereich der Lichtkuppeln, die auch eine Neudeckung zur Folge hatte.

Schweißen statt falzen

Da die vorhandene Deckung trotz des Schadenfalles und ohne Wartung so lange Zeit hielt, entschieden sich die Architektinnen Barbara und Sekunda Geißel sowie die Kirchengemeinde, wieder ein Metalldachsystem als Neudeckung ausführen zu lassen. Das richtige System, fachgerecht verlegt, sollte dem wertvollen Baudenkmal für viele Jahrzehnte wieder sicheren Schutz bieten. Nach eingehenden Beratungen entschieden sie sich für eine Metalldeckung aus Edelstahl, da der Werkstoff sich durch seine hohe Langlebigkeit und mit einem Ausdehnungskoeffizienten von 1,6 mm/(m × 100 K) eine geringere thermische Längenänderung aufweist. In der Planungsphase wurde klar, dass eine klassische Falzverbindung der Metallscharen im Bereich der zehn diagonal verbauten Lichtkuppeln aufgrund der geringen Dachneigung von weniger als fünf Grad nicht fachgerecht herstellbar war und eine geeignete Ausführungsart gefunden werden musste.

Im folgenden Rollennahtschweißverfahren werden die Hafte in der vollen Länge durchgeschweißt und Bestandteil des Systems. Foto: Heiko Baur/Aperam

Da das Erscheinungsbild des Baudenkmals nicht verändert werden durfte, war eine gefällegebende Veränderung der Dachkonstruktion ausgeschlossen. Eine Lösung des Problems ergab sich unter dem Motto „schweißen statt falzen“. Es handelt sich um eine über viele Jahre bewährte Verbindungstechnik im Rollennaht-Schweißverfahren. Dies überzeugte den Bauherrn und die Ausführungsart war gesetzt.

Schadlos gleiten

Als die Spenglerarbeiten im Jahr 2018 begannen, wurde erkannt, dass das Tragwerk aus Gasbetonplatten über die Jahre Schaden genommen hatte und die Standsicherheit des Kirchendachs nicht mehr gewährleistet war. Glücklicherweise wurde die Gefahr erkannt, bevor herabstürzende Teile zu Personenschäden geführt haben.

Heiko Baur/Klaus Siepenkort

Den kompletten Beitrag lesen Sie in KlempnerMagazin 01.2021