Das Foto zeigt ein Gruppenbild mit Klempnern.
Rund 700 kg Titanzink verarbeitete die Ornamentspenglerei Tröppner zu einem Schmuckstück der Klempnertechnik. Von rechts: Thomas Tröppner, Alfred Tröppner, Markus Dorn und Josef Bachinger. (Quelle: Stadt Bamberg, Sonja Seufferth)

Technik 2024-01-09T08:29:19.276Z Ein Schmuckstück für Bamberg

Die Sanierungsarbeiten an der Luitpoldschule fanden mit der Rekonstruktion ihres historischen Glockenturms ein bemerkenswertes Ende. Rund 700 kg Titanzink verarbeitete die Ornamentspenglerei Tröppner Manufaktur zu einem Schmuckstück der Klempnertechnik.

Das historische Gebäude der Luitpoldschule ist wohl eines der schönsten Schulhäuser der Stadt Bamberg. Der Erbauer, Professor Hans Jakob Erlwein, war ein berühmter Bamberger Architekt und hat als damaliger Stadtbaurat das Stadtbild entscheidend mitgeprägt. Die Grundsteinlegung fand am 17. Februar 1899 statt. Baubeginn war im Jahre 1900 und bereits am 31. August 1901 fand die Einweihung des Schulhauses statt. Heute werden in der Luitpoldschule rund 120 Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur vierten und in der Mittelschule bis zur fünften und sechsten Jahrgangsstufe unterrichtet. Bei dem Schulbau handelt es sich um ein zwei-, an der Hauptfront dreigeschossiges und zum größten Teil unterkellertes Gebäude mit weitestgehend nicht ausgebautem Dachgeschoss. Es ist als Massivbau in Naturstein- und Ziegelmauerwerk ausgeführt, die Dächer wurden als klassische Zimmermannskonstruktionen mit überwiegender Ziegeleindeckung, in Teilbereichen als Zinkblechdeckung, errichtet. Das Dachgeschoss wird nur in kleinen Bereichen genutzt und ist größtenteils als nicht ausgebauter Kaltraum ungenutzt, ein Ausbau ist auch nicht vorgesehen. Die weitestgehend in Form klassischer Satteldächer ausgeführte Dachlandschaft war überwiegend in gutem Zustand und wurde im Zuge der Teilsanierung lediglich übergangen und ausgebessert. Eine Ausnahme bildet der frühere Glockenturm des Südwestflügels, dessen Zinkbekleidung wiederholt ausgebesserte Verwitterungsschäden zeigt und komplett erneuert werden musste.

Ornamentik bis zum Wetterhahn

Im März 2023 konnte mit der Fertigstellung eines besonderen Dachreiters der Schlusspunkt einer umfangreichen Schulsanierung gesetzt werden; sie nahm 2013 mit der Ertüchtigung des Brandschutzes ihren Anfang. Eine besondere Herausforderung ergab sich bei der denkmalgerechten Restaurierung des komplett mit Titanzink ummantelten Dachreiters und ehemaligen Glockenturms. „Das Metall war nur in einem scheinbar guten Zustand. Im Detail zeigten sich dann doch etliche Verformungen, die sich im Verlauf der vergangenen 120 Jahre ergeben hatten“, stellte der zuständige Bamberger Architekt Jürgen Rebhan fest. Der alte Glockenturm mit 3,30 × 3,30 Meter Grundriss und einer Gesamthöhe von knapp 10,00 Metern ist mit reichlich Ornamentik ausgestattet, wie sie in der Zeit des Jugendstils typisch war. Hierzu zählen künstlerisch geformte Abbilder von Frauenköpfen, gerundete Dachflächen, Gesimse und Einfassungen der Schallluken, Zierstützen für Geländer (Baluster), Rosetten und vieles mehr. Auch die Turmbekrönung besteht aus einem verzierten Mast mit Hoch-Oval-Kugel und vergoldetem Wetterhahn. Für die klempnertechnische Herausforderung erhielt die Tröppner Klempner-Manufaktur aus dem benachbarten Lisberg den Auftrag. Traditionelle Handwerkskunst und die Blechverarbeitung mit modernsten Werkzeugen und Maschinen ist das Spezialgebiet von Firmeninhaber Alfred Tröppner, Sohn Thomas und Team. Nicht zuletzt die vielen denkmalgeschützten Referenzprojekte in der Region führten zur Beauftragung dieser anspruchsvollen Sanierungsaufgabe.

Das Foto zeigt Gesimsprofile.
Die Gesimsprofile sind mittels aufgelöteter Haftstreifen an der Holzschalung befestigt. (Quelle: Manufaktur Tröppner)

Sanierung mit Konzept

Nachdem die Gerüste erstellt waren, förderte eine genaue Begutachtung des Bauzustands die vermuteten massiven Schäden an der Metallbekleidung und der Unterkonstruktion zutage. Es wurden zahlreiche Rissbildungen an Nähten sowie Korrosionsschäden am Zink und an der Turmbekrönung festgestellt. Eine Totalsanierung war damit unumgänglich. Bei vorausgegangenen Reparaturen kamen Dichtschrauben zum Einsatz, die freie Dehnungsbewegungen verhinderten und mit der Zeit Rissbildungen und Wassereinbrüche in die Konstruktion verursachten. Bei der Demontage der Metallbekleidungen zeigten sich dementsprechend auch Schäden an der Holzunterkonstruktion, die weitere anspruchsvolle Restaurierungsarbeiten ergaben. „Wir haben verschiedene Modelle entworfen, wie wir den Turm sanieren könnten. Es gab sogar die Überlegung, ihn komplett abzubauen, um an den einzelnen Teilen dann in Ruhe in Werkstätten arbeiten zu können. Letztlich musste der Turm doch an Ort und Stelle erneuert werden“, schildert Architekt Jürgen Rebhan und weist damit auf die enge Zusammenarbeit mit den Experten Alfred und Thomas Tröppner hin. Für die Klempner ergab sich eine ebenso interessante wie anspruchsvolle Sanierungsaufgabe, die ihnen umfassendes Wissen und alle Fertigkeiten der Blechumformung abverlangte.

Demontieren, dokumentieren und formen

Grundlage für die fach- und denkmalgerechte Rekonstruktion sämtlicher Ornamente war ihre behutsame Demontage. Jedes einzelne Zierelement wurde in der Werkstatt als Muster ausgelegt, nummeriert und auf per Fotocopter erstellten Fotos kartiert. Die Fertigung der Ornamente erfolgte überwiegend in Drücktechnik aus Titanzinkblech in 0,8 mm Blechdicke. Mit diesem Verfahren entstanden in der Tröppner-Werkstatt die Baluster als Halbschalen, Rosetten sowie die Turmkugel als Hoch-Oval (300 mm × 400 mm) mit Doppelwulst. Das Verfahren dient zur Herstellung zumeist rotationssymmetrischer Hohlkörper mit nahezu beliebiger Mantellinienkontur in kleineren Stückzahlen. Dabei wird eine Ronde auf einer Drückbank eingespannt, in Rotation versetzt und mittels Drückrollen auf ein Formstück gepresst. Bei großen Stückzahlen werden zumeist Pressen mit den entsprechenden Werkzeugen verwendet. Auch die Turmbekrönung mit Wetterhahn, Kugel und Rosette für den Dachanschluss entstand in der Klempnerwerkstatt in Lisberg, einschließlich der Vergoldung mit 23-karätigem Blattgold. Lediglich die Fertigung der vier filigran geformten künstlerischen Elemente mit dem Abbild eines Frauenkopfes aus Zink wurde an eine französische Manufaktur übertragen. Sie erstellte mittels 3D-Scan ein 1:1 Abbild und daraus eine Drück- bzw. Pressform. Das Ergebnis ist eine exakte Kopie des Originals aus 1,0 mm Titanzinkblech. In der Tröppner-Werkstatt wurden die Abbilder zur Endmontage auf das vorgefertigte Fassadenelement gelötet.

Das Foto zeigt eine Dachlaterne.
Die Dachlaterne ist fertiggestellt und für die nächsten 100 Jahre Witterung gewappnet. (Quelle: Manufaktur Tröppner)

50 Prozent Werkstatt, 50 Prozent Baustelle

Unmittelbar im Anschluss an die Demontage der Zinkbekleidungen beschäftigte sich ein Team mit der Sanierung der Holzunterkonstruktion. Das Hauptdach unterhalb der Dachlaternen war besonders betroffen. Hier musste die Dachschalung vollständig ersetzt und Sparren zum Teil ausgetauscht werden. Auf sanierten Flächen verlegten die Klempner eine robuste Trennlage, die gleichzeitig als Notdeckung in der Bauphase diente. Anstelle der schadhaften, großflächigen Querdeckung des Hauptdaches ohne Dehnungsmöglichkeit wählten Alfred Tröppner und Architekt Rebhan jetzt eine Doppelstehfalzdeckung von Traufe zum First. Die Stehfalze der ein- und ausgeschwungenen Schare wurden ebenfalls in der Werkstatt und mittels Eckold Kraftformer entsprechend der Rundung gestreckt und gestaucht. „Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades haben wir etwa 50 Prozent unserer Leistungen für Werkstattarbeit und 50 Prozent als Montagezeiten für die Baustelle verbucht. Auf dem gut elf Meter hohen Glockenturm wurden für den Dachreiter von der Traufe bis zum Wetterhahn knapp 700 Kg Titanzink verbaut“, berichtet Firmenchef Alfred Tröppner. Der Spenglermeister, der seinen Beruf mit Freude, Engagement und Herzblut ausübt, brachte aber in einem Baustelleninterview seine Enttäuschung bezüglich des fehlenden Nachwuchses zum Ausdruck: „Die Ornamentspenglerei gibt es seit dem 16. Jahrhundert. Viele Handwerkstechniken aus dieser Zeit werden heute noch praktiziert – trotz des Einsatzes moderner Maschinen. Jetzt haben wir in diesem Jahr zwar den Zukunftspreis des Handwerks erhalten. Doch leider möchte kaum noch jemand den wunderschönen und abwechslungsreichen Beruf ausüben, bei dem man das Arbeitsergebnis sogar noch bis zum Lebensende sehen kann. Wenn man wetterfest und schwindelfrei ist, erhält man als Spengler zudem den allerbesten Ausblick“, wirbt Alfred Tröppner.

Das Foto zeigt Klempner bei der Arbeit
Gute Laune beim Tröppner-Team, denn die vorgefertigten Baluster passten perfekt. (Quelle: Manufaktur Tröppner)

Millionen für die Schullandschaft

Oberbürgermeister Andreas Starke würdigte bei einem Besuch der Baustelle den Abschluss der Arbeit als „bedeutenden Tag für die Schulfamilie“. Im Rahmen des anspruchsvollen Vorhabens, alle städtischen Schulhäuser zu sanieren und zu modernisieren, sei die Ertüchtigung der Luitpoldschule ein ganz wichtiger Baustein. „Die beste Bildung für unsere Schülerinnen und Schüler braucht gute Räumlichkeiten. Deshalb investieren wir aktuell 18,1 Millionen Euro in die Bamberger Schullandschaft und davon allein rund 2,7 Millionen Euro in die Luitpoldschule“, betonte Starke und dankte allen am Bau beteiligten Personen für ihren wertvollen Beitrag. „Das Gebäude ist jetzt ein absolutes Schmuckstück geworden“, zeigt sich auch die Schulleiterin Monika Mühlhölzl begeistert. „Wir haben hier einen zeitgemäßen Schulstandort in einem prächtigen historischen Gebäude geschaffen“, freute sich Hochbau-Abteilungsleiterin Natalie Zitzmann vom Immobilienmanagement der Stadt.

zuletzt editiert am 11. Januar 2024
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