European Skills Challenge: In einem spannenden Wettbewerb zum Europameister im Klempner- und Spenglerhandwerk sicherte sich Quentin Gramm die Silbermedaille. Damit ist er aktuell zweitbester Spengler im europäischen Raum. Die Goldmedaille ging in die Schweiz an Nicola von Siebenthal.
Die EuroSkills sind die größte Leistungsschau beruflicher Talente in Europa. Seit 2008 kommen alle zwei Jahre rund 600 junge Talente aus 32 Ländern zusammen, um sich in zahlreichen Wettbewerben aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung miteinander zu messen – unter den Augen von tausenden Besucherinnen und Besuchern. Gold, Silber und zweimal Bronze – daran ist abzulesen, wie knapp Leistungen der jungen „Metalroofer“ bei der European Skills Challenge Salzburg auseinander lagen. Angetreten waren fünf junge Spengler aus dem Gastgeberland Österreich sowie aus Belgien, Deutschland, Italien und der Schweiz. Aufgrund begrenzter Kapazitäten innerhalb des dänischen Skills-Teams konnte der Berufswettbewerb nicht in Herning als offizieller Skill ausgerichtet werden. Für die Teilnehmer des Wettbewerbs ergab sich dadurch jedoch kein besonderer Nachteil, denn die österreichische Skills-Organisation sorgte mit dem Messezentrum Salzburg als Austragungsstätte für den bestmöglichen Rahmen. Bei der European Skills Challenge waren neben Metal Roofing auch Steinmetzarbeiten im Architekturbereich, Digitales Bauen/BIM sowie Glasbautechnik vertreten. Ziel war es, diese spezialisierten Berufe auch in diesem Jahr sichtbar zu halten. Alle qualifizierten Talente sollten die Möglichkeit erhalten, sich international zu messen und ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
European Skills: Intensivtraining in Würzburg
Vom 20. bis 22. November 2025 trat Quentin Gramm für Deutschland bei den European Skills an; zuvor setzte sich der 22-Jährige bei den Deutschen Meisterschaften 2024 auf der GET Nord in Hamburg durch. Der Spenglergeselle kommt gebürtig aus Friedrichshafen, wo sich auch der elterliche Spenglerbetrieb befindet. Seine Ausbildung absolvierte er in Karlstadt bei der Firma Lummel. Derzeit studiert er in München Bauingenieurwesen. Begleitet wurde er von seinem motivierten Trainerteam mit Benno Uhlmann (EuroSkills 2018) und Jonas Carstens (EuroSkills 2021); sie übernahmen die Nachfolge des langjährigen Coaches Josef Bock. Zusätzliche Wettkampftipps erhielt Quentin auch aus der eigenen Familie – vom Deutschen Meister im Klempnerhandwerk 2023 und Cousin Dennis Gramm. Dennis hatte bereits internationale Wettkampferfahrung bei einem Schauwettbewerb im Rahmen der WorldSkills 2023 in Lyon sammeln dürfen.
„Bei den Skills 2025 hatten wir tatsächlich zum ersten Mal genügend Zeit für technisches Training und für die mentale Vorbereitung“, berichtet Benno Uhlmann. Die Vorbereitung fand überwiegend in den Werkhallen der Gebrüder Schneller GmbH & Co. KG aus Würzburg statt. Dort ist der Spenglermeister als Projektleiter verantwortlich für den Bereich Spenglertechnik. „Trainieren konnten wir, wie alle anderen Wettbewerber auch, mit dem Dachmodell aus den französischen Skills. Es hatte einige sehr anspruchsvolle Details, die es galt zu perfektionieren. Beeindruckend war, wie Quentin seinen sechswöchigen Endspurt durchgezogen hat. Wir mussten ihn überzeugen, vor dem Wettbewerb noch eine kurze Pause einzulegen, in die Berge zu fahren und den Kopf abzuschalten. Handwerklich war er mit seinen Fertigkeiten und seinem Können ja bereits auf einem sehr guten Weg“, schildert Benno Uhlmann, der zusammen mit Jonas Carstens Mitglied als Experte und Jurymitglied der European Skills Challenge berufen war.
„Es passiert immer etwas“
Der Vortag des Wettbewerbs war Vorbereitungstag. Hier konnten Quentin und Team den Arbeitsplatz einrichten. Modell, Kantbank und ein Werktisch waren vorhanden, alles andere an Werkzeugen brachte das Team Germany mit in die Salzburger Messehallen. „Die Bedingungen vor Ort waren wirklich sehr gut. Wir konnten uns optimal für den ‚Kampftag‘ einrichten. Am Dachmodell durften alle Mitstreiter bereits das Traufblech als Startprofil setzten. Am Donnerstag fiel dann der Startschuss und der erste Wettkampftag ist dann perfekt gelaufen. Mit seiner konzentrierten Arbeitsleistung war das anfängliche Lampenfieber bei Quentin schnell verflogen. Er holte nahzu 90 Minuten Zeit heraus und durfte damit schon einige Bauteile für den zweiten Wettkampftag vorbereiten. Dieser war allerdings auch der Schwerste. Beim sogenannten ‚Speedmodul‘, einem Kamindeckel mit eingefalztem Rohr, trat ein kleiner Fehler auf. Diesen so zu belassen war für Quentin keine Option, aber unter dem Zeitdruck bis zur Fertigstellung eine besondere Herausforderung. Immerhin hatte er nur 25 Minuten bis zur Abgabe des fertigen Bauteils und es drohte Punktabzug“, berichtet Benno Uhlmann. „Den dritten und letzten Tag überstand Quentin mit mentaler Unterstützung vom ganzen Team und legte eine Punktlandung hin. Das war eine außergewöhnlich starke Leistung“, lobte das gesamte Expertenteam, einschließlich Vater Ingo Gramm, der vom ersten bis zum letzten Tag vor Ort war.
Das Ergebnis:
Silber für Quentin Gramm und für Deutschland! Quentin war zudem der erste Spengler, der für Deutschland eine Silbermedaille erhielt. Und dafür sagen wir von der Redaktion KlempnerMagazin:
Herzlichen Glückwunsch für Quentin Gramm zur internationalen Bestleistung sowie für das gesamte Team einschließlich Sponsoren für die Unterstützung!
Unsere Glückwünsche gehen natürlich auch an den Gewinner der Goldmedaille Nicola von Siebenthal aus der Schweiz sowie an die beiden drittplatzierten Alex Wohlgemuth (Italien) und Jakob Gratl (Österreich)!
Die EurosSkills Veranstaltung 2025 zeigte das hohe Niveau der handwerklichen Berufsbildung und gab den jungen Besuchern viele Impulse für ihre berufliche Zukunft im Handwerk. Die Siegerehrung im Messezentrum Salzburg fand am 23. November 2025 mit über 2.500 Zuschauern statt.
Der ZVSHK und die jungen Talente
Michael Kober, Referent Klempnertechnik und Kachelofenbau beim ZVSHK, koordinierte gemeinsam mit dem Referat Berufsbildung und dem Trainerteam um Benno Uhlmann und Jonas Carstens die Teilnahme des deutschen Nachwuchstalents am internationalen Wettbewerb und ist voll des Lobes: „Sein Ehrgeiz, die Unterstützung seiner Trainer und die enge Verbundenheit zur Familie waren ein starkes Fundament, um diese mit der Silbermedaille gekrönte Leistung zu erbringen. Dank gilt auch dem Trainerteam. Sie haben Quentin Technik, Taktik und mentale Stärke mit auf den Weg gegeben – zur Medaille und für seine berufliche Zukunft. Als ZVSHK ermöglichen wir als Mitglied der deutschen Skills-Organisation auch in der Zukunft die Teilnahme an diesen Wettbewerben und tragen dabei auch Verantwortung für die nicht unerhebliche Finanzierung. Außerdem kümmern wir uns um ein starkes Netzwerk von Sponsoren, die durch ihre Beiträge die Teilnahme und den Wettbewerb überhaupt erst ermöglichen und fördern. In Salzburg waren dies die Firmen Bauder, Enke, Gentner, Grömo, Klempnermuseum, Krehle, Luxtop, Masc (Team Martin Fischer), Prefa, Rheinzink, Schechtl, Uginox, Zambelli und Gramm PRO+ Fassadensysteme. Wenn wir über die Zukunft reden, möchte ich auch betonen, dass ich mich schon sehr auf die EuroSkills 2027 in Düsseldorf freue – ein echtes Heimspiel und ein Event, das man nicht verpassen sollte! Nachdem Quentin mit dem neuen Trainerteam so erfolgreich war, freut mich das besonders. Zusammenfassend, habe ich jetzt richtig Lust auf die kommenden Wettbewerbe.“

Interview mit Quentin Gramm
Du hast ja enorm viel trainiert für deine Challenge. Erzähle doch etwas von deinem Trainerteam und dem Trainingsprogramm. Wobei haben dich deine Coaches besonders unterstützt?
Benno hat mir mit auf den Weg zu einem erfolgreichen Wettbewerb gegeben, über den Tellerrand meiner bisherigen Erfahrungen in der Blechbearbeitung zu schauen. Bei den Details heißt es immer „so macht man es und geht es, das ist die Praxis“. Er hat mich dahin geführt, zu schauen, wie es auch anders geht. Gibt es vielleicht eine bessere oder außergewöhnliche Lösung für ein Detail? Das hat dazu geführt, vieles auszuprobieren, um Lösungen zu finden, die es vielleicht vorher noch gar nicht gegeben hat.
War die Vorbereitungszeit für deine Challenge ausreichend?
Die Vorbereitungszeit war ausreichend, aber die brauchte es auf jeden Fall. Es war so, dass ich in den ersten Wochen sieben Tage die Woche trainiert habe, morgens hin und abends heim. Das war belastend. Deshalb ist es wichtig, Zeit zum Abschalten einzuplanen und den Kopf freizubekommen.
Worauf hast du deinen Fokus gelegt, was musstest du besonders intensiv trainieren?
Den Fokus beim Training habe ich natürlich auf die schwierigen Detailpunkte am Modell gelegt. Manche Dinge waren nicht vorgegeben, sodass man kreativ werden konnte. Wichtiges Thema bei allem war das Zeitmanagement. Gutes Zeitmanagement senkt den Druck erheblich.
Wie bist du mit dem Wettbewerbsdruck und dem beobachtenden Publikum zurechtgekommen?
Mein Arbeitsplatz war recht exponiert, direkt am Eingang. Deshalb sind überraschend viele Leute stehen geblieben. Das war ein, zwei Stunden ungewohnt, aber danach ist man dann so im Tunnel, dass man das Geschehen rundherum ausblendet. Es gab mal einige Momente, die etwas Druck erzeugt haben, aber im Großen und Ganzen bin ich mit der Situation ganz gut zurechtgekommen.

Wie bewertest du die Wettbewerbsbedingungen?
Die Bedingungen waren super. Man konnte seinen Arbeitsplatz nach seinen Wünschen in Ruhe am Vortag einrichten. Meine Werkbank war etwas zu klein, aber ich habe sofort eine größere bekommen. Das Orgateam rundherum hat sich wirklich um alles gekümmert.
War der Schwierigkeitsgrad des Dachmodells passend?
Ich fand, dass der Schwierigkeitsgrad sehr hoch war, auch im Vergleich zu den Jahren zuvor, bei World- und EuroSkills. Ich fand es aber super – je schwerer, desto besser. Es ist ja schließlich der höchste Wettkampf, den es gibt. Da muss man den Teilnehmern auch etwas abverlangen.
Was nimmst du für dich persönlich aus den Erfahrungen des Wettbewerbs mit?
Ich nehme für mich mit, dass die mentale Stärke, so einen Wettbewerb durchzustehen, genauso mittrainiert werden muss. Das war ein Riesenthema für mich, sodass ich eine Pause einlegen musste. Bei einem nächsten Wettbewerb würde ich dies besser einteilen. Ich war mental um ein Vielfaches mehr erschöpft als körperlich. Das ist auch am Ende der entscheidende Punkt, wie fit man mental ist.